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Amelie Dupuy-Cailloux

Weltacker Blog: Eröffnungsparty in Berlin

Die Sonne lacht, die Gemüsepfanne schmeckt…

und es ist genug für alle da!

Als die Nachmittagssonne nach Wochen grauer Kälte pünktlich zur Eröffnung des Weltackers erstmals über der IGA zu lachen beginnt, sind schon um die 300 Gäste zwischen Ackerküche und Genussbaum versammelt. Der Weizen und der Hafer strecken sich unter den Schutznetzen, die Info-Stationen stehen glänzend grün im hellen Frühlingslicht.

Volker Gehrmann und Jan Ganschow

Der Tag hatte für uns schon lange vor dem Besucheransturm begonnen. Ab 11 Uhr hieß es aufbauen, vorbereiten, Gemüse schnippeln, Getränkekisten schleppen und Workshop-Stationen herrichten: Eine Selbstbauwerkstatt für Wurzelfenster, wie sie auch auf dem Acker zu sehen sind, die Seedball-Manufaktur und eine Schminkstation, auf der unsere 2000 m² Zeichnerin Annika Huskamp heute Kindergesichter statt Broschüren illustriert. Genug zu tun, um das ganze Team mit vielen fleißigen Helfer*innen auf Trab zu halten. Pünktlich um 17 Uhr brutzelt Gemüse in der Pfanne und das Bier steht gekühlt unterm Baum.

 

 

Amélie Dupuy-Cailloux

Kurz zuvor erkläre ich noch einer unternehmungslustigen Dame, dass die Strohsäcke neben unseren beiden Schweinen nicht als Sofa gedacht sind, sondern veranschaulichen sollen, wieviel Futtermittel für die Schweinezucht unser Acker hergäbe. Gerade mal zwei Schweine könnten wir auf dem Weltacker zum Schlachtgewicht mästen. „Aha“ sagt die Dame und steht auf, um zur nächsten Info-Station zu laufen, unserem beliebten Flächenbuffet. Auch für die Eröffnungsfeier haben wir die Ackerfläche, die wir verspeisen, berechnet und mit bunten Fähnchen abgesteckt: gerade mal 20 m² reichen aus, um eine Gemüsesuppe für 300 Gäste anzubauen. Ganz anders hätte die Bilanz einer Grillparty mit Nackensteak und Würstchen ausgesehen. Insgesamt informieren 15 Stationen und 48 Infotafeln die Besucher des Weltackers über verschiedene Aspekte moderner Ernährung und globaler Landwirtschaft, vom Ackerdiesel bis zum Zuckerrohr.

Volker Gehrmann und Jan Ganschow

Punkt halb sechs eröffnet Benny Haerlin die Feierlichkeiten mit neuesten Fakten: „Eine, wie ja auch die IGA von Nestlé gesponserte Sonderbeilage der aktuellen Ausgabe von Nature bestätigt was unser Weltacker illustriert: Nicht mehr die Unterernährung ist heutzutage das größte gesundheitliche Problem der Menschheit, sondern die Fettleibigkeit. Immer mehr Menschen ernähren sich schlecht und sind übergewichtig und die Landwirtschaft der Welt krankt an Überproduktion.“ Die ernährungsbewusste, urbane Zuhörerschaft nickt zustimmend. „Nichts desto trotz befaßt sich der Rest der Beilage vor allem mit Methoden der Produktionssteigerung, etwa Versuchen, mit Hilfe der Gentechnik, Pflanzen noch effektiver in ihrer Photosynthese zu machen!“ Uli Frohnmeyer, vom IGA-Campus beschreibt den Weltacker „als den Ort mit der höchsten Informationsdichte auf der IGA“ und der Präsident der Kleingartenkolonie Kienberg, Burkhard Träder, freut sich über die gute Nachbarschaft mit dem Weltacker.

Volker Gehrmann und Jan Ganschow

Der Weltackerbauer Gerd Carlsson und unsere scheidende Koordinatorin Laura Klein haben im Laufe des Abends das Vergnügen, gleich zwei Ackerführungen für das hoch interessierte Publikum zu machen. Bohnen, Erbsen und Raps fangen nach den letzten Regentagen richtig an zu sprießen und die Leinsaat lässt ihre Keimblätter pünktlich zur Ackereröffnung aus der Erde schauen.

In den nächsten Wochen wird hier noch einiges ausgesät und gepflanzt. Viele Kulturen warten noch in der Voranzucht im Folientunnel, weil es im Freiland noch zu kalt war. Einige hatten sogar den Luxus einer beheizten Bleibe, zum Beispiel die Yamspflänzchen, der Reis, die Baumwolle oder die Tomaten. Nach den Eisheiligen beginnt auch für sie und das harte Leben auf dem Acker.

Volker Gehrmann und Jan Ganschow

Am 20. Mai kommt dann bei unserer gemeinsamen Bantam-Pflanzaktion zu guter Letzt auch der samenfeste und gentechnikfreie Mais auf den Acker. Während sich die Kinder eine Wiesenlandschaft auf die Stirne zaubern ließen, lauschten später die Erwachsenen unterhaltsamen Kurzvorträgen von Stig Tanzmann (Brot für die Welt), Philipp Brändle (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft), Sebastian Vornhecke (Kultursaat), Ute Scheub (Autorin) und Tobias Keye (Biobodengenossenschaft).

 

 

Bei Steffi Dolls Gemüsesuppe von geretteten Lebensmitteln, Biobrot, Holunderzisch und Kreuzberger Lokalbier, Acid Jazz und Elektrofunk klingt eine ziemlich coole Ackerparty aus, bis die IGA-Security bei aller Sympathie zum Aufbruch bläst. Am Ende hatten wir um die 500 Besucher*innen über den Tag verteilt, von der Gemüsepfanne blieb nichts übrig, es wurden mindestens 200 Seedballs gedreht und 20 Wurzelfenster gebastelt. Die Weltacker-Saison 2017 ist offiziell eröffnet! Und es lief alles nach Plan… oder noch ein bisschen besser!

Volker Gehrmann und Jan Ganschow

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