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Thomas Beutler
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2000m² im Kongo: Ernährungssouveränität durch heftige Konflikte gefährdet

Seit Mitte 2016 befinden sich mindestens fünf Regionen der Zentralen Provinz Kasai im Konflikt. Die Provinz Kasai gilt als Hochburg der Opposition. Zwischen den Sicherheitskräften der Regierung und Milizen des im August 2016 ermordeten Anführers Kamwina Nsapu eskaliert die Situation.

Foto: Slow Food Convivium – Kalelé

 

Nachdem Kamwina Nsapu nach seinem Aufruf zum Widerstand gegen die Regierung im Juni 2016, von Regierungstruppen im darauf folgendem August ermordet wurde, entstand die Kamuina Nsapu Rebellion, die sich bis gegen den Einfluss der Regierung in der Region Kasai wehrt. Seit Januar 2017 weitet sich der Konflikt in der südkongolesischen Provinz Kasai aus. Laut Dieudonné Lovua Mujito, vom Slow Food Convivium Tshikapa-Kiongeka und Koordinator des  kongolesischen Weltackers, sind von dieser Situation über 700 Dörfer und Gemeinden betroffen, die sich über mindestens fünf Bezirke verteilen. Dabei wurden wohl über 100 Dörfer komplett zerstört. Sowohl öffentliche als auch private Einrichtungen sind betroffen. Dass sich Präsident Joseph Kabila seit Monaten weigert, gemäß der Verfassung nach zwei Amtszeiten sein Präsidentenamt niederzulegen, befeuert den Konflikt nachhaltig.  Vertreter der katholischen Kirche zogen sich im März aus den Verhandlungen zwischen der Regierung Kabilas und der Opposition als Vermittler zurück. Es droht ein neuer Bürgerkrieg.  

 

Nach Regierungsangaben hat der Konflikt schon mehreren hundert Menschen das Leben gekostet. Offenbar sind jedoch weit mehr Menschen getötet worden als bislang angenommen. Folgt man den Schätzungen der katholischen Kirche, kamen in der Provinz Kasai in den vergangenen acht Monaten rund 3400 Menschen ums Leben, über eine Millionen sind auf der Flucht. Die meisten als Binnenflüchtlinge. Somit findet abseits der Weltöffentlichkeit die größte globale Flüchtlingskrise in der D.R. Kongo statt. Laut dem UN-Flüchtlingswerk sind allein seit April über 20.000 Menschen ins benachbarte Angola geflohen. Die UN spricht von vielen Verletzten die in Angola behandelt werden müssen. Angola bittet die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Laut nationalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen finden zahlreiche Menschenrechtsverletzungen auf beiden Seiten statt. Letztendlich leidet aber vor allem die Zivilbevölkerung. 

Seit August 2016 flohen über 1,3 Millionen  Menschen aus der Kasai Region. Unter ihnen sind laut UNICEF über 600 000 Kinder.

Erst die Entführung und Ermordung von sechs Uno-Sonderermittlern im März 2017, die Menschenrechtsverletzungen in der Kasai Region aufklären sollten, lenkte die Weltöffentlichkeit auf die Lage im Kongo. Der Mord löste weltweite Bestürzung aus. Denn neben vier kongolesischen Ermittlern kamen dabei eine Schwedin und ein US-Amerikaner ums Leben.

Da die Flucht ins benachbarte Angola aber nicht einfach möglich ist, suchen die meisten Menschen ohne offizielle Aufnahmestrukturen Zuflucht in anderen Provinzen der D.R.Kongo. 

Der Konflikt wirkt sich aber auch massiv auf die lokale und überregionale Ernährungssicherung aus. Der Zugriff und die Verteilung von Nahrungsmitteln nimmt laut Dieudonné von Slow Food täglich ab. Landwirte und bäuerliche Verbände trauen sich wegen der Unruhen nicht mehr auf die Felder. Es droht nun zusätzlich eine Ernährungskrise, die über 830 000 Menschen betreffen würde. 

Quelle: UNHCR, May 2017

Mitten in diesen Unruhen scheint der Acker unseres Partners Dieudonné Lovua Mujito, vom Slow Food Convivium Tshikapa-Kiongeka, auf wundersamer Weise verschont geblieben zu sein. Bisher. Denn der Acker ist etwa 60 Kilometer der Provinzhauptstadt Tshikapa entfernt. Die Stadt gilt als sehr unsicher. Viele Menschen versuchen von hier aus in Richtung Angola zu fliehen. Die Bewohner Kaleles, die auf dem Acker arbeiten, konnten nun schon seit einiger Zeit nicht mehr arbeiten. Folglich ist die Ernte und somit die lokale Ernährungssicherung in Gefahr. 

„Existierende Gemeinschaftsgärten wurden jedoch größtenteils verlassen und die erste Ernte des Jahres ging verloren. Womöglich wird auch die nächste Ernte nicht gelingen.“                                                       

Dieudonné Lovua Mujito

Unsere Partner in der Demokratischen Republik Kongo beschreiben grundlegend eine allgemeine Unsicherheit. Noch ist nicht abzusehen, wie sich die Situation vor Ort entwickeln wird. 

 

Archivbild: Weltacker in Kalele, D.R.Kongo, von Slow Food Convivium Tshikapa-Kiongeka

 

Mehr über Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo und deren internationalen Ursachen und Auswirkungen:

Fluchtgrund – Demokratische Republik Kongo

La chronologie du conflit en République démocratique du Congo – 20minutes

Au Kasaï, un conflit coutumier qui dégénère en sale guerre – Le Monde

RDC: Comprendre la spirale de la violence au Kasai – Afrikarabia

 

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