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Gerd Carlsson

Weltacker Blog: Ich war hier!

 

…bei Ralf Roesberger, der mit dem Selbstversorgerkanal auf Youtube. Ralf hat uns ja schon zweimal besucht auf unserem Weltacker und nun hatte ich mich auf den Weg gemacht um seine Selbstversorgerwirtschaft zu besichtigen. Sein Garten ist übrigens auch ungefähr 2000m² groß.

Es ist immer wieder interessant für mich, andere Bauern oder Gärtner zu besuchen, zu sehen wie die es machen, mich auszutauschen. Landwirtschaft ist ein kontinuierlicher, kreativer Prozess und ich bin auch nach fast drei Jahrzehnten immer noch am Lernen. Es war sehr wohltuend jemanden zu erleben, der sich, jenseits irgendwelcher Theorien und Glaubenssätze, ganz praktisch, ernsthaft und kritisch mit dem Thema Selbstversorgung auseinandersetzt, und das mit großem Erfolg. Das sieht man ganz einfach an der Menge und Qualität der Ernte und am Zustand des Bodens. Da lacht das Gärtnerherz, einen so feinkrümeligen, lockeren Lehmboden zu sehen, mit so vielen Regenwürmern. Wenn man einen solchen Boden hat kommt es „nur“ noch darauf an, diesen Zustand zu erhalten. Die wichtigste Größe dafür ist die Rückführung an organischer Trockensubstanz in den Boden, die sollte 4 – 5 Tonnen pro Hektar und Jahr betragen. Leider spielen solche Überlegungen in der modernen Agrarindustrie überhaupt keine Rolle mehr, genau so wenig wie die Fruchtfolge.

Die Methoden um die Fruchtbarkeit eines guten Bodens zu erhalten sind letztendlich die gleichen wie die, um den Boden zu verbessern: Gründüngung, Zwischenfrucht, Fruchtfolge, Kompost. Ganz einfach. Grobe Fehler sind leicht zu vermeiden, wenn man einige wenige Grünsätze beachtet. Vor allem Menge und Qualität des organischen Düngers spielen eine wichtige Rolle. Viel hilft nicht viel, warten zu können, z.B. wenn man einen Boden in so schlechtem Kulturzustand hat wie wir auf unserem Weltacker, ist eine der wichtigsten Tugenden nachhaltiger Landwirtschaft. Ein biologisch inaktiver Boden ist mit zu großen Mengen organischer Substanz völlig überfordert. Das sieht man an der heute üblichen Güllewirtschaft, bei der ein großer Teil der Nährstoffe im Grundwasser verschwindet und in den Gewässern und schlimmstenfalls im Trinkwasser wieder auftaucht. Wenn man nicht mehr an organischer Substanz ausbringt als auf der eigenen Fläche gewachsen ist, ist man auf der sicheren Seite. Was die Qualität des Düngers betrifft ist es wichtig, dass niemals anaerobe Prozesse (das sind Rotteprozesse ohne Sauerstoffzufuhr) auftreten.

Gerade lese ich von Hans Peter Rusch, einem Vordenker der biologischen Landwirtschaft, „Bodenfruchtbarkeit, eine Studie biologischen Denkens“. Ein wesentliches Ergebnis seiner Forschungen war: die beste Variante der Kompostierung ist die Flächenkompostierung, auch Mulchwirtschaft genannt, das ist das, was die Natur auch von alleine macht. Während der Vegetationszeit leider schwer umzusetzen, deshalb ist die Kompostierung auf Komposthaufen ein wichtiger Kompromiss. Im vorigen Jahr haben wir Kompost gekauft für unseren Weltacker, weil wir noch keinen eigenen hatten, ein zweites mal will ich das nicht tun, das Leitbild des geschlossenen Stoffkreislaufs in der Landwirtschaft ist mir wichtig und es ist sehr sinnvoll.

Ich wünsche allen Selbstversorgerinnen und Selbstversorgern ein gutes Gelingen. Und: glaubt nicht alles was in Büchern und im Internet über Landwirtschaft und Gartenbau behauptet wird. Es gibt viele Theorien und Ideen die sehr verlockend erscheinen, Zum Beispiel die Theorie, dass es besser sei alles in Hochbeeten anzubauen weil die Erträge je Flächeneinheit höher wären. Die Erträge an Wurzelgemüse  die ich bei Ralf gesehen habe sind nicht zu überbieten, und die wichtigsten Fragen bei all diesen Theorien sind: wie macht es die Natur ohne unser zutun und was macht es mit dem Gesamtorganismus Erde. Ganz konkret für dieses Beispiel stellt sich die Frage: woher sollen die riesigen Mengen an fruchtbarer Erde kommen, um die unzähligen Hochbeete zu füllen um alle Menschen mit ausreichend Nahrung zu versorgen?

Seid behutsam mit unserer Erde, schaut kritisch auf all die vielen Theorien und Konzepte über Landwirtschaft und Gartenbau. Die Erde wird es uns danken mit üppigen Ernten und damit, dass auch nächstes und übernächstes Jahr noch genug da ist für alle.

 

Euer Gerd, Bio-Gärtner auf dem Weltacker

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