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Verena

Landrauch: Wieviel verpufft in einer Zigarette?

Aufgrund einer zu geringen Anmelderzahl sind wir gezwungen, das Event abzusagen!

Ackertalk in Kreuzberg:
Tabakanbau statt Ernährungssicherheit in Malawi

Donnerstag, 12. Oktober 17:00 – 20:30

Mit:

Marius Münstermann | Multimedia-Reportage „Voll abhängig“
Dinah Stratenwerth | unfairtobacco e. V.

Tabakanbau

Tabakanbau als Lebensunterhalt (Foto: Laura Graen)

Rauchen ist nicht erst seit gestern Gegenstand gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen – Rauchverbote in Gaststätten, Horrorbilder auf Zigarettenpackungen, Präventionsprogramme für die Jugend und der Ausstieg aus der Nikotinsucht per Hypnose gehören längst zum gängigen Instrumentarium. Auch wenn in Deutschland weiterhin Plakatwerbung für Zigaretten erlaubt ist – die Tabakkonzerne stehen unter dem Druck einer immer gesundheitsbewussteren Gesellschaft. Und auch das 2005 im Rahmen der World Health Organisation verabschiedete Abkommen „Framework Convention on Tobacco Control“ (FCTC), welches das erste internationale Abkommen im Gesundheitsbereich überhaupt darstellt, zeigt: Es gibt ein Problembewusstsein.

Wie aber stellt sich die Tabakfrage aus der landwirtschaftlichen Perspektive? Was bedeutet der Tabakanbau für die (Klein)bäuerInnen in den Anbauländern, was hat Tabak mit Hunger zu tun und welche Rolle spielt die deutsche und internationale Entwicklungszusammenarbeit dabei? Diesen Fragen wollen wir bei unserem ersten Indoor-Ackertalk der Saison 2017 am 12. Oktober nachgehen.

Von der globalen Ackerfläche nimmt Tabak 0,28 % ein – das mag im Vergleich zu den Großkulturen wie Weizen und Mais gering erscheinen. Doch ist es schon eine Menge für eine Ackerkultur, deren Konsum keinen Ernährungswert für den Menschen bereitstellt. Und nicht jeder Raucher denkt wohl daran, dass seine Zigarette ebenso wie jeder Nahrungsbissen einen Abdruck auf dem Weltacker hinterlässt. Vergleichbar ist diese Fläche übrigens mit der Gemüsekultur mit dem höchsten Flächenanteil, der Tomate (0,31 %). Und: Ähnlich wie auch bei Kakao oder Kaffee konzentriert sich der Tabakanbau auf wenige Anbauländer – in denen sich dann auch die Probleme ballen.

Der Journalist Marius Münstermann (Autor der Multimedia-Reportage „Voll abhängig“) wird uns auf eine Reise nach Malawi mitnehmen, dabei aber auch die deutsche Entwicklungspolitik von ihrer fragwürdigen Seite zeigen. Der kleine afrikanische Staat Malawi gehört zu den wichtigsten Tabakanbauländern. Für seine Recherche hat Marius Münstermann vor Ort mit verschiedensten Akteuren vom Landwirt bis zum Finanzminister gesprochen. Und dabei immer wieder gehört: Die Verheißung vom schnellen Geldverdienen drängt Landwirte in die Abwärtsspirale der Verschuldung, die Abhängigkeit der Regierung von Devisen lässt sie weiter an dem umstrittenen Modell festhalten. Als sogenannte „cash crop“ für den Export soll der Tabak bei dem Kampf gegen Armut und Hunger helfen, doch hält dieses Versprechen dem Realitätscheck stand? Und was könnte eine sinkende Tabaknachfrage für das Land bedeuten?

Die Tabakbauern leiden nicht nur unter dem schwankenden Weltmarktpreis und dem hohen Kapitalbedarf des Tabakanbaus (für Pestizide und Dünger), sondern auch unter der extremen Nikotinbelastung, der sie sich aussetzen müssen: Sie nehmen über die Haut die Dosis von bis zu 50 Zigaretten auf – jeden Tag. Um unter diesen Bedingungen zu wirtschaften, greifen sie allzu oft auf eine bedrückende Strategie zur Kostenreduzierung zurück: der Kinderarbeit.
Trotz vieler Widersprüche wird der Ausbau des Tabakanbaus in Malawi weiter vorangetrieben, u.a. von der New Alliance for Food Security and Nutrition, einer Plattform für die Einrichtung von öffentlich-privaten Partnerschaften, in denen die größten Agrarkonzernen der Welt ihre Investitionen anbieten. Aber zu welchem Preis? Auch die deutsche Bundesregierung ist mit von der Partie.

Nach dieser Problemanalyse wird es dann ganz praktisch. Dinah Stratenwerth von Unfairtobacco lässt uns in dem Planspiel Tabak in Bralawien in die Rolle von acht verschiedenen Akteuren im fiktiven Staat Bralawien (angelehnt an die wichtigen Anbauländer Brasilien und Malawi) schlüpfen. Welche Interessen, Strategien und Handlungsmöglichkeiten haben ein Tabakkonzern, eine kritische NGO oder auch die Regierung? Gestritten wird darüber, ob das WHO FCTC unterzeichnet werden soll oder nicht. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – auch Lügen und Intrigen können zum „Erfolg“ führen. Natürlich wollen wir aber am Ende auch unser Augenmerk darauf richten, wie mit diesen Strukturen umgegangen werden kann.

Unsere Ackersaison ist zwar bald vorbei, aber der Weltacker bleibt auch den Winter über aktiv! Fern des Ackers laden wir Sie also zum ersten Ackertalk mitten in der City ein:

Mehrzweckraum der
Reinhardswald-Grundschule
Gneisenaustraße 73-74
10961 Berlin

Anmeldung unter: carla@2000m2.eu

Die Teilnehmerzahl ist auf 48 Personen begrenzt.

Hier entland zum Facebook-Event…

Tabakfel Kuba

Sophia Tadesse aus dem 2000 m² Projekt entdeckte auf ihren Reisen in Kuba ein Tabakfeld. Das satte Grün erweckt keine Assoziation mit rauchigen Glimmstengeln (Foto: Sophia Tadesse)

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