Suche
Suche Menü
Frieda Richter

Die Pflanze der Woche: Hafer

Hast du die Pflanze dieser Woche gefrühstückt?

Bestimmt. Haferflocken sind die Grundlage der meisten Müslis. Warum ist das so? Warum ist das gut so? Hören wir auf, dieses bemerkenswerte Getreide zu unterschätzen. Fangen wir an, uns die wichtigen Fragen zu stellen. Was kann der Hafer?

Der Hafer gehört der Familie der Süßgräser an. Innerhalb der Gattung Hafer (Avena) gibt es zwar ca. 25 Arten; als Getreide angebaut wird davon allerdings nur eine Art, der Saat-Hafer oder Echter Hafer (Avena sativa).

Echter Hafer nimmt nur 14m² auf unserem Weltacker ein. Das steht für 0,7% der Ackerfläche weltweit. Weil er ein feucht-kühles Klima benötigt, liegen diese Flächen vorwiegend in Nordamerika, Mittel- und Nordeuropa, England und Russland. Die drei größten Exporteure sind Kanada, Schweden und Finnland.

Der Hafer ist ein etwa einen Meter hohes Getreide. Besonders leicht kann man ihn an seinem Blütenstand erkennen: Statt einer Ähre bildet der er eine Rispe, d.h. einen verzweigten Blütestand aus. An dessen Enden hängen wiederum kleine Ährchen. Die Körner des Hafers sind durch Spelzen, kleine Blätter an der Frucht, geschützt. Diese Spelzen müssen für den menschlichen Verzehr nach der Ernte und dem Dreschen in einer Schälmühle entfernt werden. Die Körner bleiben dabei allerdings unbeschadet.

Der Hafer wird als Pionierpflanze bezeichnet, da er auch auf gerodetem Waldboden oder entsumpften Böden wächst. Er hat keinen hohen Nährstoffbedarf und ist relativ widerstandsfähig gegen Staunässe, Beikräuter, Getreideschädlinge und Pflanzenkrankheiten.

In der Landwirtschaft wägt man also zwischen zwei Seiten ab: Hafer ist als Kulturpflanze zwar robust und genügsam, dafür aber weniger ertragreich als Weizen und durch die Spelzen auch aufwändiger zu verarbeiten.

Doch gerade der Bio-Anbau lohnt sich. Die Erträge verringern sich nicht drastisch ohne den Einsatz von Insektiziden und Pestiziden und Hafer eignet sich gut als Teil einer Fruchtfolge. Außerdem steigt die Nachfrage nach Hafererzeugnissen durch den wachsenden Trend zur Nachhaltigkeit und veganen Ernährung.

Wie kommen wir zum Hafer?

Erst vor ca. 5000 Jahren gelangte die wilde Form des Hafers aus Vorderasien nach Europa. Erst mit der Abkühlung des Klimas in der späten Bronzezeit (vor ca. 3000 Jahren) begann die gezielte Domestizierung des Hafers. Die ungünstigen Witterungsbedingungen beeinträchtigten das Wachstum älterer Getreidekulturen, wie z.B. Emmer, Einkorn und Dinkel. Dagegen konnte der robuste Hafer nun stabilere Erträge einbringen und wurde demnach mehr und mehr kultiviert.

Das macht den Hafer zu einer sehr jungen Kultur, die aber sehr schnell eine zentrale Rolle in der Ernährung von Mensch und Tier einnahm.

Sowohl die Körner, als auch das Stroh wurden gerne als fettreiches Futtergetreide für Tiere, v.a. Pferde und Geflügel verwendet. Die Nachfrage nach Futterhafer war enorm: Vor der Industrialisierung waren Pferde zivil und militärisch unverzichtbar.

Durch die zunehmende Motorisierung nahm der Bestand an Pferden, und damit der Bedarf an Futterhafer, drastisch ab. Seit den 1960er Jahren steigt die Nachfrage durch den Reitsport wieder an. Sie wird aber wohl kaum je die alten Größenordnungen erreichen.

Für den Menschen war Hafer im Mittelalter eines der Hauptnahrungsmittel. Sogar bei der Herstellung von Bier konnte Hafer eingesetzt werden. Mit dem Reinheitsgebot von Bier im 16. Jahrhundert und der Einführung der Kartoffel im 17. Jahrhundert verlor dieses Getreide an Bedeutung und nimmt heute nur eine untergeordnete Rolle in der menschlichen Ernährung ein.

Wir konsumieren Hafer in vielerlei Form:

Haferflocken gibt es in drei Varianten: Die kernigen Haferflocken werden aus den ganzen Kernen, die zarten Haferflocken aus der Grütze und die löslichen Schmelzflocken aus Hafermehl gewalzt. Daneben werden auch Hafercerealien, Hafergrütze, Hafermilch und Haferkleie vermarktet. Hafer ist zwar kein backfähiges Getreide, zusammen mit Weizen oder Roggen kann man ihn aber doch verbacken.

Hafer gilt außerdem als das gesündeste Getreide. Und das nicht unbegründet. Hafererzeugnisse enthalten viele wichtige Vitamine und Nährstoffe: Vitamin B1, B2, B9, K und H, Eisen, Zink, Proteine, Silicium, Magnesium und Ballaststoffe, darunter β-Glucan. Hafer hat einen geringen glykämischen Index, eine gute biologische Wertigkeit, ist glutenarm und senkt den Cholesterinspiegel.

Vitamine B2, B9 und K sind an vielen Wachstums- und Erneuerungsprozessen im menschlichen Körper beteiligt. Die Vitamine B1 und H sind unverzichtbar für ein gesundes Nervensystem. Diabetiker profitieren besonders vom niedrigen glykämischen Index; dieser gibt an, dass der Blutzucker nach dem Verzehr von Hafer nur langsam ansteigt.

Für Vegetarier sind besonders das Eisen und die Proteine spannend, für die der Hafer eine pflanzliche Alternative zum Fleisch darstellt. Übrigens: In einem Früchtemüsli mit Milch ist die Aufnahme beider Stoffe sogar noch gesteigert; Vitamin C aus dem Obst verbessert die Aufnahme von Eisen, während Milchprodukte die biologische Wertigkeit von Haferflocken immens steigern.

Zurecht erhält der Hafer in der Konsumwelt immer mehr Aufmerksamkeit und ist in einigen Supermärkten mehr und mehr zu finden. Er ist ein super All-Rounder und obendrauf noch sehr gesund.

Probier’s doch auch mal zum Frühstück aus!