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Internationales Erntedankfest auf dem Weltacker von Pankow

So viele Menschen hatten wir noch nie auf unserem Weltacker! Das Wetter hatte es wirklich gut gemeint und der ganze Botanische Volkspark Pankow war in Feierlaune. Herzlichen Dank an alle, die sich auf den Weg gemacht haben! Wir hatten uns aber auch wirklich Mühe gegeben: Bodenerkundungen mit 70 Böden aus aller Welt, Saatgewinnungs-Kurse, Fermentationsanleitungen und Geschichten vom Urmais in Mexiko, als Katzen und Tomaten geschminkte Kinder, Mais-, Bohnen- und Apfelernte und eine Menge Reden und Videos.

Foto: Carsten Fischer

Die Technik hatte es leider nicht ganz so gut gemeint mit uns: Was tags zuvor beim Test noch eine exzellente Verbindungen nach Indien, Afrika, Kanada, Basel und Vorpommern waren, war heute eine einzige Katastrophe: Zu viele Handies im Park, die alle die gleiche Frequenz nutzten. Dumm gelaufen. Aber wir hatten vorgesorgt und viele unserer Partnerfelder hatten uns für diesen Fall ein Video geschickt, in dem sie über ihre Projekte, die Ernte und das Wetter berichteten.

Ackerführung bei Sonnenschein, Foto: Carsten Fischer

Das Wetter war auch Gegenstand eines Jahresrückblicks von Friedhelm von Mehring (BÖLW) auf den trockensten Frühling und Sommer des Jahrhunderts, der vielen Bäuerinnen und Bauern erhebliche Probleme macht, ganz besonders den Viehaltern. Daniel Diehl von Slow-Food, mit denen wir das Erntedankfest gemeinsam veranstalteten, berichtete von unserem gemeinsamen Schüler-Austausch mit Schulklassen aus Äthiopien und Marzahn und von “Terra Madre”, dem Welttreffen von Slow Food, das gerade in Turin zu Ende gegangen war. Dann rammte er wieder seinen Erdbohrstock in unseren Acker und brachte damit allerlei Schichten zum Vorschein, die sich im Laufe seiner Nutzung als Schulgarten seit 1909 abgelagert hatten.

Foto: Carsten Fischer

Von “Terra Madre” war auch Daniel Wanjama vom Seed Savers Network in Gilgil, Kenya zu uns gekommen.In Gilgil gibt es mittlerweile 8 2000m² Felder, die jeweils von einer Familie betrieben werden und verschiedene Aspekte der Landwirtschaft bearbeiten: Saatgutvermehrung natürlich und das Anziehen von Gemüse, verschiedenste Mischkulturen, die den Boden feucht und fruchtbar halten und für unterschiedliche Wetterlagen eine auskömmliche Ernte garantieren, Wasserernte für die Trockenzeit und Mikro-Bewässerung, die Integration von Obst und Bäumen in die Felder und nicht zuletzt ein gemeinsames Feld der Schüler an der Kikogo Grundschule, von dem  frisches Obst und eine Menge Erkenntnisse für die Kinder und für ihre Eltern zu ernten sind. Die Partnerschaft mit Gilgil ist uns eine ganz besondere Ehre!

Eine Baumpatin in Kigogo Foto: Daniel Wanjama

Das Obstfeld der Kigogo Grundschule Foto: Daniel Wanjama

Hannah im Maisfeld bei Gilgil Foto: Daniel Wanjama

Hannah und ihr Mann vor dem Saatgut-Maisfeld

 

Daniel berichtete allerdings auch von immer härteren Gesetzen gegen die eigenständige Saatgutvermehrung und den freien Austausch von Saatgut. Die Regierung wolle zusammen mit großen Chemie- und Saatgutunternehmen auch die kleinen Landwirtinnen und Landwirte vom Einsatz von Hybridsaatgut, Dünger und Pestiziden “überzeugen”.

Das ist auch der Grund weshalb er selbst seinen Dienst im Landwirtschaftsministerium quittierte und nun das Seed Savers Network betreibt. Es habe ihm in der Seele weh getan, zu sehen wie die Regierung für Millionen ein Pestizid von Bayer gegen den “Herbst-Heerwurm” (Spodoptera frugiperda) gekauft habe, der aus Amerika nach Afrika eingeschleppt wurde und großen Schaden anrichten kann. Das Mittel habe nicht einmal wirklich geholfen. “Das einzige was dann wirklich gegen diese Raupe geholfen hat, war der Regen”, sagt Daniel Wanjama.

Als der Ansturm des Tages langsam nachließ und auch noch ein Feuerritual zur Stärkung des 2000m² Ackers erfolgreich absolviert worde war, versammelte sich die Kerngemeinde bei feinster Club-Musik um die Feuerschale und war zufrieden: 300 Liter Suppe, Unmengen von Kaffee, Biossäften, Sprudel, Gersten- und erlesenen Rebsäften waren unters Volk gebracht worden, reichlich Informationen dazu und die Gewissheit: Der Botanische Volkspark Pankow ist wirklich eine kleine Reise wert.

Foto: Carsten Fischer

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