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Gerd Carlsson

Fruchtbarer Boden für Jahrtausende

Getreide Mais wird nachgepflanzt

Foto: Steffi Doll

Zeit der Fülle!

Oder doch Kampf ums Überleben? Spätestens seit der Veröffentlichung von Darwins Hypothese, von der Entstehung der Arten durch Überlebenskampf und Auslese, die er auch ausdrücklich auf die menschliche Gesellschaft übertragen hat, sind die Ideen von Kampf und Wettbewerb endgültig in den Mittelpunkt unseres Denkens gerückt. Aber auch schon in der Antike gab es das Bild von einem feindlichen Umfeld, dem man mühsam eine Ernte abringen muss. In der Verfluchung Adams in der Bibel spiegelt sich die Unfähigkeit, den Boden dauerhaft fruchtbar zu halten: „im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen und Disteln und Dornen wirst du ernten“. Zwar haben auch schon antike Schriftsteller über die gute Wirkung des Klees auf die Getreideerträge berichtet, aber es sind noch einige Jahrtausende vergangen bis sich die Schlussfolgerungen daraus durchgesetzt haben. Die erste große Revolution war die Einführung der Dreifelderwirtschaft zu Beginn des Mittelalters, die nächste, die gezielte Begrünung der Brache mit Futterpflanzen zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts. Erst in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wurde der mehrjährige Anbau von Klee/Grasgemischen „erfunden“. Damit war die Grundlage für die moderne Biolandwirtschaft, wie wir sie heute kennen, geschaffen.

Fruchtbarer Boden auf dem Weltacker

Unser Weltacker kann seinen Nährstoffbedarf erst einmal aus dem Umbruch der Wiese decken, die hier viele Jahre lang gewesen ist. Wie wir den Acker langfristig fruchtbar halten erfahrt ihr auf unseren Workshops zur Bodenfruchtbarkeit und aus einer losen Folge von Artikeln die an dieser Stelle im Laufe des Winters erscheinen werden. Die Voraussetzungen sind etwas ungünstig, weil der Anteil an Klee/Grasgemisch nur 10% beträgt und nicht ein Drittel, wie in der klassischen Dreifelderwirtschaft. Dennoch ist das fruchtbar Halten des Ackers keine Zauberei.

Unser Weltacker im Herbst 2018, Foto: Volker Gehrmann

Fruchtbarer Boden – sichere Ernährung

Was die Erträge dieses Jahr an vielen Orten extrem begrenzt hat, war der Mangel an Regen. Unseren Weltacker können wir zum Glück bewässern, aber das ist nur auf kleinen, eher gärtnerisch bewirtschafteten Flächen möglich, nicht auf großen Getreidefeldern. Eine Patentlösung für dieses Problem gibt es nicht, aber viele bekannte Möglichkeiten die Situation zu verbessern. Dazu gehören alle Maßnahmen die den Gehalt an organischer Substanz im Boden erhöhen und die Bodenstruktur verbessern, und das sind genau die gleichen die auch den Boden fruchtbar halten. Ein möglichst hoher Gehalt an organischer Substanz verbessert die Bodenstruktur und die Wasserspeicherkapazität des Bodens, eine gute Bodenstruktur ermöglicht den Pflanzen tiefere Bodenschichten mit ihren Wurzeln zu erreichen. Eine Bodenpflege durch Hacken oder Striegeln wirkt wie eine Mulchdecke aus organischer Substanz, beides verringert die Verdunstung über die Bodenoberfläche. Eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit Bäumen und Feldhecken verringert Verdunstung wie Erosion und erhöht ganz wesentlich die Artenvielfalt in der Landschaft …. Ich komme ins Schwärmen, wenn ich daran denke, was alles möglich wäre und wie viele Probleme sich durch einfache, längst bekannte Maßnahmen lösen ließen. Das alles können aber die Bauern nicht alleine umsetzen, hier ist die gesamte Gesellschaft gefragt. Die derzeit beste Möglichkeit dafür bietet das Prinzip der solidarischen Landwirtschaft. Hier geht es nicht nur um die Solidarität zwischen Bäuer*innen und ihren Kund*innen, sondern auch um die Solidarität mit denen die nach uns kommen und mit all den anderen Wesen die auf unserem Acker leben.

Ganz wesentlich für die Ernährungssicherheit ist eine möglichst große Vielfalt an verschiedenen Ackerkulturen und auch an verschiedenen Sorten einer Art, jede kommt anders mit den wechselnden Einflüssen zurecht, denen Ackerkulturen von Natur aus nun einmal ausgesetzt sind. Mit der gewöhnlichen Brandenburger Fruchtfolge Mais – Raps – Weizen lässt sich weder unsere Ernährung noch die dauerhafte Fruchtbarkeit des Bodens sicher gestalten.

Weltacker-Tomaten, Foto: Carsten Fischer

Vision 2050

Auf einer Podiumsdiskussion in Berlin hat der Vertreter von Bayer – Monsanto das Bild einer Landwirtschaft entworfen, die mit Hilfe modernster Technik unsere Ernährung sichert, sogenanntes Precision Farming. Mit Hilfe von Drohnen und Robotertechnik sollen Kunstdünger und chemische Kampfstoffe gegen Schädlinge und Krankheiten punktgenau ausgebracht und der Boden durch leichte Technik entlastet werden. Ob die Aktionäre schon wissen, dass der Konzern daran arbeitet die Umsätze beim Verkauf von Dünger und Pestiziden zu verringern war leider nicht in Erfahrung zu bringen, mich würde sehr interessieren was die dazu sagen …. mir erscheinen solche Aussagen als wenig glaubhaft. Unser derzeitiges Wirtschaftssystem ist auf ständiges Wachstum ausgerichtet, da darf nichts weniger werden, auch nicht der Verbrauch an Düngemitteln und Kampfstoffen, das wäre eine wirtschaftliche Katastrophe für die Hersteller.

Natürlich kann der Einsatz moderner Technik auch in der Biolandwirtschaft hilfreich sein, gerade leichte, selbstfahrende Roboter zur Entlastung der Böden erscheinen sinnvoll; die Eckpfeiler meiner Vision 2050 sind aber ganz andere.

Mehr dazu erfahrt ihr demnächst an dieser Stelle, das Thema des nächsten Artikels ist die Bodenbearbeitung, einen Workshop dazu gibt es am 13.04. ab 15 Uhr auf unserem Weltacker in Pankow.

Bleibt also schön neugierig!

Herzliche Grüße an alle Freunde unseres Weltackers von Gerd

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