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Amelie Dupuy-Cailloux
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Sommer 2017 in Quily, Bretagne

Daniel Testard aus Quily in der Bretagne hat uns in einem poetischen Brief seine Eindrücke des Sommers 2017 auf seinem 2000m²-Acker geschickt. Unser Projektleiter Benedikt Haerlin hatte ihn Ende August besucht und konnte uns danach bestätigen, wie schön Daniels 2000m² sind…

   

Die seelische Verfassung eines Sommers als Ackerblume: je nach Wetter, schön oder verwelkt

Daniels Garten im Spätsommer (Alle Fotos: Benny Haerlin)

 

So wie jedes Jahr wurde mein Garten durch meine Abwesenheit ziemlich erschüttert. Jeder Tag, das weiß ich, birgt das Versprechen auf ein Schauspiel der Zerstörung, deren Ausmaß je nach Wetterlage ausfällt. Viel Unkraut und immer die gleiche Frage: wo ist das Gemüse? Wir befinden uns in der Bretagne, wo man Feuchtigkeit viel mehr als Dürre fürchtet. Die Erste war im Juli und die Zweite im August. Zum Glück ist der Boden sehr humusreich, so saugt er sich nur sehr langsam voll.

Das Ungebändigte, Wilde nimmt sehr schnell seinen gewohnten Lauf, treibt sein Werk und tut seine Pflicht. Oh, welch Glück für die glückselige Natur! Oh, welche Trauer und Verzweiflung für den armen Gärtner! Dieser Gärtner, welcher sie tyrannisch dazu zwingt, ihm das zu geben, was sie ihm so jäh verweigert. Sie sonnt sich daraufhin für ein Weilchen in ihrem Erfolg. Höflichkeit und Spontanität passen jedoch nicht zusammen. Ihnen folgen Kampf und Hartnäckigkeit, Streit und Mitleid.

 

Malgré cela, quelle beauté que la chose domestiquée ! Et quelle bonté que cette offrande de la Terre aux nécessités de ses habitants, ses occupants !

Trotz alledem, gibt es doch nichts Schöneres als Gezähmtes! Welche Güte steckt in dem Opfer, welches die Erde den Bedürfnissen ihrer Bewohner, ihren Besatzern, zu Füßen legt! Die wilden Kräuter verschwinden jetzt sanft unter der sachten Hand des Gärtners. Und siehe da, plötzlich, erwachen unsere Gartenfeen zu neuem Leben! Nur die Bohnen, die sich weit oben an die Stangen des Tipis klammern, entkommen der krautigen Invasion. Ebenso der Wein, seine Trauben bereits prall mit dem Blut der Erde gefüllt, die Reben wie zum Gebet gebeugt. Und die Blumen, diejenigen, die noch da sind, die noch nicht ins Kraut geschossen sind.

Könnte dieser extreme Unkrautbefall, den das Gemüse erleiden muss, die Antwort auf die Maßlosigkeit sein, mit der die Kultur der Natur etwas abzuringen versucht? Wetterkapriolen eingeschlossen. Die Wandlung des Jäger-Sammlers zum Züchter-Ackerbautreibenden hat die natürlichen Gleichgewichte tiefgreifend verändert. Der Gärtner zählt zu letzteren. Vielleicht hat die Auswahl von Rassen und Sorten ihren Höhepunkt erreicht. Das Gewissen der Natur fordert zweifellos von uns, an diesem Punkt mit unseren exzessiven Eingriffen mit Rücksicht auf sie und ihre Ordnung aufzuhören. Moderne Technologien werden für die Natur und all jene, welche sie bis dahin so gut ernährt und beschützt haben, gefährlich. Fortschritt, der einen großen Teil unserer Bevölkerung vergisst und im Stich lässt. Jetzt ist also die Zeit gekommen, die Überproduktion der einen mit den anderen in ihrem Elend zu teilen.

   
   

Könnte dieser extreme Unkrautbefall, den das Gemüse erleiden muss, die Antwort auf die Maßlosigkeit sein, mit der die Kultur der Natur etwas abzuringen versucht? Wetterkapriolen eingeschlossen. Die Wandlung des Jäger-Sammlers zum Züchter-Ackerbautreibenden hat die natürlichen Gleichgewichte tiefgreifend verändert. Der Gärtner zählt zu letzteren. Vielleicht hat die Auswahl von Rassen und Sorten ihren Höhepunkt erreicht. Das Gewissen der Natur fordert zweifellos von uns, an diesem Punkt mit unseren exzessiven Eingriffen mit Rücksicht auf sie und ihre Ordnung aufzuhören. Moderne Technologien werden für die Natur und all jene, welche sie bis dahin so gut ernährt und beschützt haben, gefährlich. Fortschritt, der einen großen Teil unserer Bevölkerung vergisst und im Stich lässt. Jetzt ist also die Zeit gekommen, die Überproduktion der einen mit den anderen in ihrem Elend zu teilen.

Gärtnern kann nur dann zur Selbstversorgung aller dienen, wenn die Erde ihren Geschmack bewahrt und der Impuls, Dinge in Besitz zu nehmen, nicht überhandnimmt. Die Rückkehr zum Gärtnern könnte zugleich eine Lösung zur Deckung des Grundbedarfs an Nahrung des Planeten sein und gleichzeitig eine Therapie für den modernen, schwebenden, zu künstlichen Lebensstil sein….

Der Sommer ist vorbei; er geht und hinterlässt uns diesen Gedanken. Doch bevor er ganz fort ist, sollten wir schauen, dass er uns zuvor noch die Göttin der Ernte mitbringt, die uns mit Vorräten für den Speicher beschenkt. Und für den Keller, der mit seiner Kühle und Sänfte seine Lieblinge zum Verweilen lädt: Zwiebeln, Rote Beete, Sellerie, Kartoffeln etc.

 

 

In der Hitze des Sommers und der Feuchtigkeit der Erde haben sich die Pflanzen voll mit Energie als Reserve für den Winter geladen. Schmerz, Mühsal und Härte haben sich seit dem Frühjahr über den nährenden Boden gebeugt. All das, vergangen und vergessen, um einzig einen Humus des Glücks zu hinterlassen.

Sie sind jetzt auf unserem Tisch, essbare Opfergaben, Schätze, unnachgiebig wie Kinder, aber ehrbar wie alte Weise. Und heute gibt es Eintopf!

Daniel Testard

www.sacreschants.com