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Pflanze der Woche: Baumwolle

Auf unserem Weltacker stehen nicht nur Nahrungspflanzen für Mensch und Tier. Eine wichtige Gruppe von Nutzpflanzen welche weltweit angebaut werden sind Faserpflanzen. Fasern werden seit dem Beginn der Landwirtschaft angebaut und gehören somit zu den ältesten Nutzpflanzen.

Die inzwischen wichtigste Faserpflanze ist Baumwolle. Baumwolle meint eine der sechs in Kultur genommenen Arten der Gattung Gossypium. Vertreter der Gattung findet man in Amerika, Vorderasien, Asien bis nach Australien. Über 90% der heute angebauten Baumwolle ist Gossypium hirsutum (Hochlandbaumwolle).

Die vier Arten der Baumwolle wurden an unterschiedlichen Orten der Welt unabhängig voneinander in Kultur genommen: In Mittelamerika die heute dominierende Art Gossypium hirsutum, in Südamerika die zweitwichtigste Art Gossypium barbadense, im Industal die Art Gossypium arboreum und auf der Arabischen Halbinsel die Art Gossypium herbaceum.

Beide Neuweltarten sind tetraploid wohingegen die Altweltarten diploid sind. Der Grund für die weitgehende Verdrängung der beiden altweltlichen Arten ist, dass die teraploiden Arten wesentlich längere Fasern besitzen, die sich besser zur Herstellung von Geweben eignen.

Während die Baumwolle bis zur industriellen Revolution nur eine von vielen Faserpflanzen war, durchlief sie in den vergangenen 250 Jahren eine rasante Entwicklung hin zur Nummer eins. Heute hat die Baumwolle fast alle anderen Faserpflanzen an den Rand gedrängt. Das größte Hindernis auf dem Weg zur Nummer eins war, dass die Baumwollfasern zuerst entkernt werden müssen, um genutzt werden zu können. Zwar waren in Indien bereits seit mindestens 1500 Jahren einfache Werkzeuge in Gebrauch, die die Entkernung ermöglichten, diese waren jedoch wenig produktiv. Sie ermöglichten es 2 Erwachsenen am Tag etwa 14kg Baumwolle zu entkernen. Dadurch war Baumwolle vergleichsweise teuer und konnte kaum mit anderen Fasern konkurrieren.

Aus der Textilindustrie nicht mehr wegzudenken: Baumwollfasern (Foto von 🇸🇮 Janko Ferlič auf Unsplash)

Der Durchbruch kam mit der Entwicklung der Engreniermaschine (Cotton gin). Nun war es möglich Baumwolle industriell zu verarbeiten. Das führte zu einem enormen Schub für den Anbau, vor allem im Süden der USA. Damit einher ging ein geradezu explosionsartiger Anstieg des Bedarfs an Sklavenarbeit, die die Grundlage der Landwirtschaft im Süden der USA darstellte. Der Anstieg der Anzahl der Sklaven im Süden der USA bei gleichzeitigem Industrialisierungsschub im Norden gilt heute als eine der verborgenen Ursachen für den Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs.

Aber Baumwolle ist nicht nur die wichtigste Faserpflanze, sie ist auch eine der wichtigsten Ölpflanzen. Der Samen der Baumwolle enthält etwa 15-30% Öl. Da dieses den Giftstoff Gossypol enthält wurde es bis zur Entwicklung von Raffinierungsverfahren überwiegend in der Seifenproduktion und als Lampenöl verwandt. Nach der Entwicklung von Verfahren zur Raffinierung wurde es zuerst als billiger Schmalzersatz verwandt. Heute wird es weltweit zur Zubereitung vieler Produkte wie Kartoffelchips oder Mixed Pickles verwendet. Es ist eines der meistverwandten Pflanzenöle.

Bei uns auf dem Weltacker steht die Baumwolle auf etwa 40m². Wir verwenden die Art Gossypium herbaceum, eine diploide Altweltart. Die Pflanzen entwickeln sich ausgepflanzt ab Ende Mai prächtig und sind eine Augenweide, zuerst durch ihre Blüten und später dann durch die aufplatzenden Samenkapseln.

Eine geöffnete Baumwollkapsel

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