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Cora Ksinzyk
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Pflanze der Woche: Tabak

Ursprung und Nutzung:

Tabak (Nicotiana) ist eine alte Kulturpflanzengattung mit einer langen Geschichte und mittlerweile umstrittener wirtschaftlicher Bedeutung. Sie hat ihren Ursprung überwiegend in Südamerika, teilweise aber auch in Australien und Nordamerika. Von den rund 75 Tabakarten werden lediglich zwei für die Tabakproduktion gebraucht: Der im Anbau dominierende Virginia Tabak (Nicotiana tobacum) mit zahlreichen Sorten und der Bauern-Tabak (Nocotiana rustica), der jedoch nur in Osteuropa angebaut und weiterverarbeitet wird. Die ursprüngliche Nutzung von Tabak unterscheidet sich zur heutigen insofern, als dass er nicht als Genussmittel, sondern aufgrund seiner rauscherzeugenden Wirkung im Rahmen spiritueller Rituale in teils hoch konzentrierter Form verwendet wurde. So in einigen Regenwaldethnien und nordamerikanischen Ureinwohner*innenstämmen. Aber auch zur Behandlung von verschiedenen Erkrankungen, wie Fieber, Ohrenschmerzen und Atemwegserkrankungen oder bei Schlangenbissen, Schnitten und Verbrennungen kam Tabak zum Einsatz.

Nachtschattengewächse:

Der Tabak gehört zu den Nachschattengewächsen (Solanaceae), zu der auch Tomate, Aubergine, Kartoffel, Engelstrompete und Stechapfel gehören. Allen Nachtschattengewächsen ist gemein, dass sie Alkaloide und alkaliähnliche Stoffe produzieren, die teils hohe toxische Wirkungen entfalten können. Im Tabak wirkt beispielsweise das Alkaloid Nikotin nervenschädigend und stark abhängig machend.

Toxikologie:

Die Abhängigkeit begründet sich zum einen in der schnellen Aufnahme des Nikotins über die Lunge ins Blut und in das zentrale Nervensystem über einen Zeitraum von wenigen Sekunden. Dort setzt es Neurotransmitter wie Adrenalin, Dopamin und Serotonin frei und wirkt dadurch als Stimmungsheber, steigert kurzfristig Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung und hemmt das Hungergefühl. Bei zunehmender Gewöhnung muss für die gleiche Wirkung der Nikotinkonsum erhöht werden, da die Rezeptoren, die die Freisetzung dieser Neurotransmitter regeln, unempfindlicher werden. Mit dem „Genuss“ von Tabak kommen jedoch eine Reihe körperschädigender Wirkungen. Unzählige Erkrankungen werden durch das Nervengift selbst verursacht oder durch die Verbrennung, bei der tausende, teils karzinogene, Substanzen entstehen.

Eigenschaften und Anbau:

Das Alkaloid Nikotin produziert die Tabakpflanze eigentlich zu ihrem eignen Nutzen. Es wird in den Wurzeln produziert und bei Gefahr durch Fressfeinde in die Blätter transportiert und eingelagert. Die Fressfeinde werden meist vergiftet, was die meisten Insekten bereits wissen und die Pflanze darum meiden. Der Tabakschwärmer (Manduca sexta), ein Falter der in Nord- und Südamerika vorkommt, ist hingegen resistent gegen das Nikotin. Er legt Eier auf die Blätter, aus denen Raupen schlüpfen, welche die Tabakpflanze als Larvennahrung nutzen. Deren Speichel wird allerdings von der Pflanze erkannt, woraufhin diese ihren sonst funktionalen Nikotineinsatz stoppt. Nun setzt sie Duftstoffe frei, mit denen sie weitläufig Insekten anlockt. Diese können als natürliche Fressfeinde der Tabakschwärmerlarve gesehen werden und als Nützling für die Tabakpflanze, die nun wieder frei von Schädlingen ist. 

Insgesamt genießt die Tabakpflanze sonnige Standorte mit sandig-wasserdurchlässigen Böden. Starke Sonneneinstrahlung tut der Tabakpflanze gut, was sie gleichzeitig dazu spezialisiert hat nachts zu blühen.

Tabak wird insgesamt auf 4,3 Millionen Hektar, in 130 Ländern, angebaut. Sein Anbau dient der Herstellung des „Rauch-Tabaks“. Dafür werden jährlich weltweit 6,3 Millionen Tonnen geerntet. China, Indien, Brasilien und die USA sind die größten Produzenten. Deutschen Tabakanbau findet man nur noch in Baden, der Pfalz und Mittelsachsen. Wobei der Anbau seit einem Subventionsstopp 2010 kaum noch lohnt.

Dennoch werden in Deutschland Zigaretten, mit Tabak aus z.B. Malawi, produziert. Die Bundesrepublik ist einer der weltweit größten Zigaretten-Exporteure.

Tabakanbau im großen Stil
(Foto: Pixabay)

Nicht nur das Rauchen des Tabaks ist ambivalent; schon im Anbau entstehen erhebliche Schäden. So sind 80-90 % des Tabakanbaus von Umweltverschmutzung und Ausbeutung, wie auch Kinderarbeit, geprägt. Entwicklungsorganisationen stellen sich darum gegen den Tabakanbau, wodurch es z.B. keinen fair gehandelten Tabak gibt.

Tabak wird vor allem in Regionen angebaut, wo der Großteil der Menschen in extremer Armut lebt. Die Anbauflächen für Tabak verdrängen hier den Nutzpflanzenanbau für die Nahrungsmittelproduktion. Eine dringende Ernährungssouveränität wird dadurch verhindert. Stattdessen werden die Böden durch die Tabakpflanzen derart ausgezehrt, dass dort nach wenigen Jahren nichts mehr angebaut werden kann. Auch die Bäuer*innen begeben sich in ausbeuterische Abhängigkeiten mit Landlords und Unternehmen. Kinder von bereits fünf Jahren arbeiten mit auf den Feldern- ohne Schutzkleidung. Durch den bloßen Hautkontakt wird bereits Nikotin aufgenommen, was bei einem Arbeitstag von 12 Stunden auf dem Acker gravierende Schäden bei Kindern und Erwachsenen bewirkt.

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