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Julia Bar-Tal
Zum Brandenburg

Rinder statt Mulcher

Ich bin Julia, Landwirtin aus Brandenburg, ich lebe und arbeite auf unserem eigenen Betrieb in Märkisch-Oderland in Brandenburg, aber begleite auch die Arbeit auf dem Weltacker. Ich freue mich darauf, euch in der kommenden Zeit, in der wir uns nicht treffen können, immer wieder Einblicke in unsere Arbeit geben zu können!


Mein heutiger Eintrag ins Ackertagebuch betrifft die Ackerflächen und trotzdem auch die Kühe. Wie kann das sein?

Es geht um die ersten Schritte, in denen sich unsere Flächen von Winterflächen in der Frühjahrsbestellung in die Flächen für die kommende Gemüsesaison verwandeln. 

Über den Winter säen wir, genauso wie Millionen anderer LandwirtInnen auf der Welt und auch das Team vom Weltacker eine sogenannte Winterbegrünung auf unseren Flächen ein.

Die Rinder auf der Gründüngung

Würde die Fläche nackt in den Winter gehen, würden wertvolle Stoffe aus dem Boden gewaschen und gleichzeitig hätte robustes Unkraut Platz und Zeit, sich auszubreiten. Es gibt ganz viele Pflanzen, die als Winterbegrünung auf der Fläche stehen können. Ein Klassiker hier in der Region ist zum Beispiel eine Mischung aus Winterroggen und Winterwicke. Der Roggen ist relativ anspruchslos und verspricht auch auf schwachen Standort noch ein gutes Wachstum. Die Wicke ist eine Leguminose und kann auch noch Stickstoff in den Boden bringen!

Winterbegrünungen können nur Frostfeste Pflanzen sein. Abfrierende Gründüngungen machen nur Sinn, wenn sie vor dem Winter schon so groß geworden sind, dass die bei Frost sterbenden Pflanzen eine wirklich dicke Schutzschicht auf dem Acker hinterlassen.

Jetzt im Frühjahr stehen wir also im besten Fall vor schön grünen Flächen, mit einer saftigen Schicht organischer Substanz, die unseren Boden in ihrer lebenden Form geschützt, die Nährstoffe in sich gebunden hat und mit vielen Wurzeln im Boden für Leben gesorgt hat. Da der Kreislauf jeden neuen Lebens bei den Pflanzen und dem Boden oft auch mit dem Ende des alten Lebens einhergeht, ist nun die Zeit, wo diese Winterbegrünung organische Substanz als Futter für unseren Boden wird.

So saftig und gemütlich kann eine Gründüngung im Frühjahr aussehen.

Desto mehr Pflanzenmasse da gewachsen ist, desto größer ist auch der mechanische Aufwand diese Masse „klein zu kriegen“ und in den Boden einzuarbeiten. In der Landwirtschaft benutzen wir dafür über der Erde oft dem Mulcher. Der ist wie ein riesiger Rasenmäher und Häcksler in einem. Er schneidet und häckselt alle Pflanzen in sehr kleine Stücke. Dafür braucht es Arbeitszeit und wieder wertvollen Diesel. 

Wir und einige andere Betriebe, die Weidetiere halten nutzen deren Appetit, um den Sprit zu sparen: wir zäunen die Flächen ein und lassen unsere Rinder ein, zwei Nächte auf der Fläche. Die freuen sich total über das frische Grün im Frühling und erledigen das „Häckseln“ für uns. Nachdem sie auf der Fläche waren ist alles lange von den Pflanzen verschwunden und in Kot und Urin umgewandelt.

Die Rinder lassen sich die Gründüngung schmecken