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Julia Bar-Tal
Zum Berlin

Rinder und Pferde und Äcker

Aussaat auf dem Weltacker und Julias Art der Bodenbearbeitung …

In dieser Woche hat der Winter nochmal kurz in Berlin vorbeigeschaut. Unbeeindruckt davon wird auf unserem kleinen Weltacker der vorbereitete Boden glattgezogen. Und Weltacker-Gärtner Ekke hat mit der Aussaat begonnen. Der Sommerweizen ist jetzt im Boden, ebenso Hafer, Gerste, Roggen und Raps. Im Gewächshaus sind Erbsen, Baumwolle und Lupine ausgesät. Nächste Woche ist dann noch Erdnuss dran. Auch die Kartoffeln kommen bald in die Erde.

Unermüdlich zieht Weltacker-Gärtner Ekke seine Bahnen.
(Foto: Volker Gehrmann, karacho.berlin)

Landwirtin Julia, die in Brandenburg Gemüse anbaut, Mutterkühe und Milchziegen hält, und von dort aus den Weltacker mit ihrer professionellen Bio-Perspektive ergänzt, hatte hingegen auf ihren Feldern tierische Hilfe bei der Bodenbearbeitung. Obwohl sie hier in ihrem Beitrag von den Ackerflächen erzählt, geht es trotzdem auch um Kühe. Wie kann das sein?

Wir unternehmen zurzeit die ersten Schritte, um unsere Winterflächen für die kommende Gemüsesaison bereit zu machen. So wie der Weltacker und Millionen andere Landwirt*innen auf der Welt säen wir im Herbst eine sogenannte Winterbegrünung ein. Bei nackter Fläche würden wertvolle Stoffe aus dem Boden gewaschen, und gleichzeitig hätte robustes Unkraut Platz und Zeit, sich auszubreiten. Als Winterbegrünung eignen sich viele Pflanzen. Ein Klassiker hier in der Region ist eine Mischung aus relativ anspruchslosem Winterroggen und Winterwicke, die als Leguminose Stickstoff in den Boden bringt.

So saftig und gemütlich kann eine Gründüngung im Frühjahr aussehen.

Rinder lieben Gründüngung und bereiten den Boden vor

Die saftig grüne Schicht organischer Substanz, vor der wir jetzt im Frühling stehen, hat unseren Boden in ihrer lebenden Form geschützt, Nährstoffe in sich gebunden und mit vielen Wurzeln im Boden für Leben gesorgt. Der Kreislauf jeden neuen Lebens bei den Pflanzen und dem Boden geht oft auch mit dem Ende des alten Lebens einher, und so ist nun die Zeit, diese Winterbegrünung in den Boden einzuarbeiten.

Je mehr Pflanzenmasse da gewachsen ist, desto größer ist auch der mechanische Aufwand, diese Masse „klein zu kriegen“. In der Landwirtschaft wird dafür oft ein sogenannter Mulcher benutzt – eine Art riesiger Rasenmäher und Häcksler in einem. Wir nutzen auf unserem Betrieb jedoch zuerst den Appetit unserer Weidetiere: Wir zäunen die Flächen ein und lassen unsere Rinder ein, zwei Nächte auf der Fläche. Die freuen sich total über das frische Grün im Frühling und erledigen das „Häckseln“ für uns. Nachdem sie auf der Fläche waren ist von den Pflanzen fast alles verschwunden und in Kot und Urin umgewandelt.

Den Rindern schmeckt die Gründüngung. Und das Pflügen geht hinterher auch leichter.

Pferd statt Traktor: 1 PS reicht zum Pfügen

Danach haben wir in dieser Woche mit dem Pflügen begonnen. Wir machen das nicht mit dem Traktor, sondern mit einem Arbeitspferd – das braucht keinen Diesel, macht keinen Krach und schont den Boden, weil es viel leichter ist, als ein großes Fahrzeug. Wir bauen 40 bis 50 verschiedene Kulturen und über 250 verschiedene Sorten für die Menschen in der Region an. Damit beliefern wir direkt mehrere kleine Läden in Berlin. Würden wir für den Großhandel anbauen, würden wir uns aus wirtschaftlichen Gründen dafür entscheiden müssen, weniger Vielfalt anzubauen und uns auf größere Lieferungen einer Art zu bestimmten Terminen konzentrieren. Dann müssten wir auch unsere Flächen ganz anders planen und bräuchten vermutlich auch größere Bearbeitungs-Technik mit mehr Pferdezugkraft. So bestimmen die Vermarktungsmöglichkeiten und -wege mit, was auf den Feldern passiert. Auch bei uns.

Bevor es richtig losgeht mit dem Pflügen werden die Kanten des Feldes markiert.

Wenn die Flächen und Beete genau ausgemessen und abgesteckt sind ziehe ich zuerst mit dem Pflug flache Markierungslinien. Dann beginnt die eigentliche Pflügearbeit. Ich stelle den Pflug in die gewünschte Tiefe ein und arbeite mich Bahn für Bahn in möglichst geraden und gleichmäßigen Furchen über den Acker.

Pflügen mit dem Pferd – sieht leichter aus, als es ist!

Pflügen ist die „Königsdisziplin“

Ein alter Pferdefuhrmann hat mir mal gesagt: „Das Pflügen ist die Königsdisziplin!“ Es braucht ganz schön viel Übung und Geschick, um ein gleichmäßiges Feldbild mit Pflug und Pferd zu erzielen. Jeder Schlenker ergibt einen Huggel oder eine zu tiefe Furche, die manchmal bis ans Ende der Saison bleiben und stören können. Deswegen blicken wir Bäuer*inen immer stolz auf unsere Flächen, wenn sie uns gut gelungen sind.

… so kann sich ein Feld sehen lassn.