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Acker-Talk: Digitalisierung von Acker und Bauch

Der dritte Ackertalk des Jahres war der Digitalisierung in der Landwirtschaft und unserer Konsumgewohnheiten gewidmet.

Foto: Frederike Hassels

Agrarforscher Martin Schmidt vom ZALF eröffnete die Diskussion mit der Industrie 4.0 und berichtete von Cyberphysical Landscapes, digitalen Zwillingen in der Präzisionslandwirtschaft und wie damit Pestizide und Düngemittel gespart werden könnten. Die sogenannte agentenbasierte Modellierung würde eine kleinteiligere Felderbewirtschaftung ermöglichen und die kleinere Roboter könnten große Traktoren ersetzen. Das würde den Boden schonen und die beispielsweise die Wälder weniger mit Nährstoffeinträgen an den Rändern belasten. Dass durch die Automatisierung Jobs verloren gehen würden befürchtet er nicht, da an anderer Stelle neue Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen würden. Ob ein Traktorist zum Roboter-Ingenieur umschulen würde, bezweifelten jedoch einige Gäste im Publikum. Rege wurde zur Frage diskutiert, warum heute schon nur noch wenige in der Landwirtschaft arbeiten. Ob digitale Plattformen, wie sie bei BASF, Bayer und Monsanto derzeit entwickelt werden Grund oder Lösung des Problems sind, blieb alllerdings offen.

Agrarforscher Martin Schmidt, Foto: Frederike Hassels

Gut vorstellen konnten sich die meisten, dass das Geschäftsmodell von IPGarten aufgeht. Die meisten konnten sich noch an die Farmville-Manie vor ein paar Jahren erinnern.  Martin Kruszka erläuterte Idee und vertrat die Meinung, dass viele Städter gern Computerspiele spielen und wenig Zeit für den eigenen Garten haben. Sein spielerischer Ansatz vermittelt Grundlagen der Landwirtschaft und des Gemüseanbaus. Der Kunde entscheidet bequem vom Sofa, wie viel gegossen und gejätet wird und bekommt einen transparenten Einblick in seine Nahrungsmittelproduktion. Das IP-Huhn ist schon in Planung. 

Die IPGarten-Idee, Foto: Frederike Hassels

Als dritten Input fragte Umweltpsychologin Vivian Frick von der TU Berlin, welche digitalen Medien für das Publikum von Relevanz für den Konsum von Nahrungsmitteln ist und erläuterte dann die ökologischen und sozialen Konsequenzen von Online-Lieferdiensten, Empfehlungsportalen und Werbung im Internet. Bequemlichkeit und Zeitersparnis wären dabei die großen Themen. Online-Shopping ist allerdings auch mit einem erhöhten Ressourcenverbrauch verbunden. Transport und Verpackung sind deutlich höher als beim selbstständigen Einkauf im Supermarkt. In Sachen Energiebedarf wäre das Internet das drittgrößte Lande der Erde.

Vivian Frick, Foto: Frederike Hassels

 

Die Diskussion wurde mit folgenden Fragen eröffnet:  Sind wir wirklich so faul  und macht uns das tatsächlich glücklich?

Digitalisierung ist nach Meinung der TeilnehmerInnen des Ackertalks Fluch und Segen – verschafft unendliche Möglichkeiten und ermöglicht ebenso großen Missbrauch. Die digitale Umwelt beeinflusst uns immer mehr – positiv und negativ. Sie verbindet Menschen weltweit und schafft gleichzeitig Distanz. Wir können „bio“ aber auch „billig“ filtern, manipuliert werden und ebenso unser Wissen über nachhaltigen Konsum vermehren.

Umso wichtiger ist es, dass wir als Gesellschaft, uns die Gestaltungsmacht zurückholen, denn wir müssen am Verbrauch unserer Umwelt dringend etwas ändern. Die Bilanz der Landwirtschaft, die uns alle ernährt muss wieder positiv werden – ökologisch und sozial.

Text von Virginia Boye

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