{"id":443,"date":"2024-09-16T18:14:46","date_gmt":"2024-09-16T18:14:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.2000m2.eu\/?post_type=crop&#038;p=443"},"modified":"2026-03-23T09:41:56","modified_gmt":"2026-03-23T09:41:56","slug":"baumwolle","status":"publish","type":"crop","link":"https:\/\/www.2000m2.eu\/de\/kultur\/baumwolle\/","title":{"rendered":"Baumwolle"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Baumwolle, Gossypium <\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n<style>.wp-block-kadence-column.kb-section-dir-horizontal > .kt-inside-inner-col > .kt-info-box443_c14355-31 .kt-blocks-info-box-link-wrap{max-width:unset;}.kt-info-box443_c14355-31 .kt-blocks-info-box-link-wrap{border-top-left-radius:15px;border-top-right-radius:15px;border-bottom-right-radius:15px;border-bottom-left-radius:15px;background:var(--accent);padding-top:var(--global-kb-spacing-xs, 1rem);padding-right:var(--global-kb-spacing-xs, 1rem);padding-bottom:var(--global-kb-spacing-xs, 1rem);padding-left:var(--global-kb-spacing-xs, 1rem);}.kt-info-box443_c14355-31.wp-block-kadence-infobox{max-width:100%;}.kt-info-box443_c14355-31 .kadence-info-box-image-inner-intrisic-container{max-width:100px;}.kt-info-box443_c14355-31 .kadence-info-box-image-inner-intrisic-container .kadence-info-box-image-intrisic{padding-bottom:100%;width:1920px;height:0px;max-width:100%;}.kt-info-box443_c14355-31 .kadence-info-box-icon-container .kt-info-svg-icon, .kt-info-box443_c14355-31 .kt-info-svg-icon-flip, .kt-info-box443_c14355-31 .kt-blocks-info-box-number{font-size:25px;}.kt-info-box443_c14355-31 .kt-blocks-info-box-media{color:var(--accent-3);background:var(--accent-4);border-color:#444444;border-radius:167px;overflow:hidden;border-top-width:0px;border-right-width:0px;border-bottom-width:0px;border-left-width:0px;padding-top:11px;padding-right:11px;padding-bottom:11px;padding-left:11px;margin-top:0px;margin-right:15px;margin-bottom:0px;margin-left:15px;}.kt-info-box443_c14355-31 .kt-blocks-info-box-media .kadence-info-box-image-intrisic img{border-radius:167px;}.kt-info-box443_c14355-31 .kt-infobox-textcontent .kt-blocks-info-box-text{color:#ffffff;}.kt-info-box443_c14355-31 .kt-blocks-info-box-link-wrap:hover .kt-blocks-info-box-text{color:#ffffff;}.kt-info-box443_c14355-31 .kt-blocks-info-box-learnmore{background:transparent;border-width:0px 0px 0px 0px;padding-top:4px;padding-right:8px;padding-bottom:4px;padding-left:8px;margin-top:10px;margin-right:0px;margin-bottom:10px;margin-left:0px;}@media all and (max-width: 767px){.kt-info-box443_c14355-31 .kt-blocks-info-box-link-wrap{text-align:left;display:block;}.kt-info-box443_c14355-31 .kt-blocks-info-box-link-wrap .kt-blocks-info-box-media{display:inline-block;max-width:100%;}}<\/style>\n<div class=\"wp-block-kadence-infobox kt-info-box443_c14355-31\"><span class=\"kt-blocks-info-box-link-wrap info-box-link kt-blocks-info-box-media-align-left kt-info-halign-left kb-info-box-vertical-media-align-top kb-info-mobile-halign-left\"><div class=\"kt-blocks-info-box-media-container\"><div class=\"kt-blocks-info-box-media kt-info-media-animate-none\"><div class=\"kadence-info-box-image-inner-intrisic-container\"><div class=\"kadence-info-box-image-intrisic kt-info-animate-none kb-info-box-image-ratio kb-info-box-image-ratio-square\"><div class=\"kadence-info-box-image-inner-intrisic\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.2000m2.eu\/wp-content\/uploads\/Baumwolle_300dpi-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"1358\" class=\"kt-info-box-image wp-image-850\" srcset=\"https:\/\/www.2000m2.eu\/wp-content\/uploads\/Baumwolle_300dpi-1.jpg 1920w, https:\/\/www.2000m2.eu\/wp-content\/uploads\/Baumwolle_300dpi-1-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.2000m2.eu\/wp-content\/uploads\/Baumwolle_300dpi-1-768x543.jpg 768w, https:\/\/www.2000m2.eu\/wp-content\/uploads\/Baumwolle_300dpi-1-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/www.2000m2.eu\/wp-content\/uploads\/Baumwolle_300dpi-1-1536x1086.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"kt-infobox-textcontent\"><p class=\"kt-blocks-info-box-text\"><strong>Fl\u00e4che global<\/strong>: 32,1 Millionen Hektar<br><strong>Fl\u00e4che auf dem Weltacker<\/strong>: 35,2 m\u00b2 (1,8 %)<br><strong>Herkunftsregion<\/strong>: Amerika, Asien, Afrika<br><strong>Hauptanbaugebiete<\/strong>: Indien, USA, China, Pakistan<br><strong>Verwendung \/ Hauptnutzen<\/strong>: Textilien (Faser), \u00d6l<\/p><\/div><\/span><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wei\u00dfe Wolken vom Feld<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Pflanze geh\u00f6rt die Baumwolle zur Familie der Malvengew\u00e4chse (Malvaceae) und umfasst 51 Arten. Zumeist wachsen die Baumwollpflanzen auf den \u00c4ckern als einj\u00e4hrige krautige Pflanzen oder Str\u00e4ucher mit Laubbl\u00e4ttern. Sie machen h\u00fcbsche wei\u00dfe, rosa oder gelbe Bl\u00fcten, aus denen sich sp\u00e4ter die Baumwollkapseln entwickeln. In dieser Kapsel befinden sich die stark behaarten Baumwollsamen, die auch das Gift Gossypol enthalten. Sobald die Kapsel reif ist, springt sie auf und die Haarfasern der Baumwollsamen werden als dichte weisse Watte sichtbar. In der Natur hilft die Watte dem Baumwollsamen, mit der Luft weit zu fliegen. Zudem kann die Watte viel Regenwasser speichern und hilft so dem Samen zu keimen.<br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wei\u00dfe Wolle mit dunkler Geschichte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Spezielle an der Baumwolle ist, dass sie vor Jahrtausenden an vier Orten auf der Welt v\u00f6llig unabh\u00e4ngig voneinander domestiziert wurde: In Mittelamerika (Gossypium hirsutum), in S\u00fcdamerika (Gossypium barbadense), in Asien (Gossypium arboreum) und in Afrika (Gossypium herbaceum). An all diesen Orten merkten die Menschen, dass aus den Samenhaaren der Baumwolle eine Pflanzenfaser f\u00fcr Textilien gewonnen werden kann. In Mehrgarh, der \u00e4ltesten neolithischen Siedlung des Indus-Tales in Indien wurden Beweise f\u00fcr Baumwollfasern gefunden, die aus einer Zeit um 6000 vor unserer Zeitrechnung stammen und in den Anden S\u00fcdamerikas gibt es Zeugnisse erster Baumwolltextilien, die um 3000 v. u. Z. gefertigt worden sein m\u00fcssen. Die Kunst der Textilproduktion ist in dieser Region \u00e4lter als die Etablierung von Keramik oder die Kultivierung von Mais.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die Seidenstra\u00dfe und andere Handelsrouten gelangte die Baumwolle im Mittelalter nach Europa. Hier war sie aber lange Zeit ein Luxusgut \u2013 Wolle und Leinen waren deutlich preiswerter. Erst mit der industriellen Revolution wurde Baumwolle die prominente Faserpflanze.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Erfindung der Spinnmaschine \u00abSpinning Jenny\u00bb (1764) und der Cotton Gin Maschine (1793) wurde es m\u00f6glich, Baumwollfasern maschinell von den Baumwollkernen zu trennen und kosteng\u00fcnstig zu verarbeiten.Dies f\u00fchrte insbesondere zu einer Ausweitung des Baumwollanbaus in den USA und in Indien (unter britischer Kolonialmacht). In den USA ist die Geschichte des Baumwollanbaus eng mit der Sklaverei und dem Elend vieler Millionen Menschen aus Afrika verbunden. Zu Beginn der Kolonialzeit kam Baumwolle in den USA haupts\u00e4chlich aus Indien, da ihre Produktion sehr zeitintensiv war und in den USA zu teuer gewesen w\u00e4re. &nbsp;Sklav:innen mussten unter widrigen Umst\u00e4nden riesige Baumwollfelder anlegen und die harte Arbeit in der Bauwollproduktion verrichten. Zwischen 1790 bis 1800 stieg der j\u00e4hrliche Baumwollexport in South Carolina von weniger als 10.000 auf mehr als sechs Millionen Pfund (= Pound) an. W\u00e4hrend die Kolonisatoren vom Baumwollhandel profitierten, kam es zur gr\u00f6ssten Ausdehnung der Sklaverei. Mehr Menschen als jemals zuvor (z.B. beim Tabak oder Reisanbau) litten unter den grauenhaften Bedingungen in den Plantagen oder fanden ihren Tod durch die Sklaverei in der Baumwollproduktion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mahatma Ghandi, der geistigen F\u00fchrer der Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung in Indien, machte das Baumwollspinnen am Spinnrad zum Symbol f\u00fcr den gewaltfreien Widerstand gegen die Kolonialmacht. Indien wurde durch die Baumwollproduktion von den Engl\u00e4ndern stark ausgebeutet. Ghandi rief dazu auf, keine billigen Baumwollstoffe aus England zu kaufen, sondern stattdessen selber nach alter indischer Tradition Baumwolle zu spinnen. Noch heute ist auf der indischen Nationalflagge ein Spinnrad abgebildet und offizielle indische Flaggen m\u00fcssen aus Khadi, einem von Hand gesponnenen Garn, gefertigt sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Durstige Faser in Trockengebieten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Urspr\u00fcnglich ist die Baumwollpflanze eine sehr ausdauernde Pflanze, die gut mit Trockenheit umgehen kann und mehrj\u00e4hrig ist. Weil die Baumwollernte im ersten Jahr aber am gr\u00f6\u00dften ist, wird sie heutzutage beinahe \u00fcberall einj\u00e4hrig angebaut. Um hohe Ertr\u00e4ge zu liefern, braucht Baumwolle in der Wachstumsphase viel Wasser und W\u00e4rme. F\u00fcr eine hohe Qualit\u00e4t bei der Ernte der wei\u00dfen Baumwollwatte ist es aber wichtig, dass sie in einer trockenen Periode erfolgt. Bei Regen w\u00fcrde sich die Watte mit Wasser vollsaugen und verfaulen. Aus diesem Grund wird Baumwolle heutzutage in Trockengebieten angebaut und k\u00fcnstlich bew\u00e4ssert. Baumwolle ist die Ackerkultur mit dem wohl h\u00f6chsten Wasserverbrauch weltweit. Sch\u00e4tzungen zufolge verbraucht der Baumwollanbau ungef\u00e4hr gleich viel Wasser, wie alle privaten Haushalte der Erde zusammen konsumieren. Wie viel Wasser das genau ist und woher es stammt, ist von Region zu Region unterschiedlich. Da Baumwolle in Trockengebieten kultiviert wird, f\u00fchrt die k\u00fcnstliche Bew\u00e4sserung der Felder oft zu Wassermangel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein eindr\u00fcckliches und erschreckendes Beispiel ist der Aralsee zwischen Usbekistan und Kasachstan, der bis in die 1960er Jahre der viertgr\u00f6\u00dfte Binnensee der Erde war. Durch die Wasserentnahme f\u00fcr die Bew\u00e4sserung der riesigen Baumwollfelder in der Gegend schrumpfte der Aralsee um mehr als die H\u00e4lfte. Die ausgetrockneten Ufergebiete sind monotone Salzw\u00fcsten, viele Fischer verloren ihre Arbeit und in den \u00fcbriggebliebenen Teilen des Sees ist der Salzgehalt viel h\u00f6her als im Meerwasser, so dass Trinkwasser in der Region zur Mangelware geworden ist. Auch in Westafrika gibt es Probleme mit dem Trinkwasser: Hier werden die Baumwollfelder zwar mit Regenwasser bew\u00e4ssert, doch die chemischen D\u00fcngemittel und Pestizide des Baumwollanbaus verschmutzen das Grundwasser ganzer Landstriche.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n <div class=\"brlbs-cmpnt-container brlbs-cmpnt-content-blocker brlbs-cmpnt-with-individual-styles\" data-borlabs-cookie-content-blocker-id=\"youtube-content-blocker\" data-borlabs-cookie-content=\"PGlmcmFtZSB0aXRsZT0iR29vZ2xlIFRpbWVsYXBzZTogQXJhbCBTZWEiIHdpZHRoPSIxMjAwIiBoZWlnaHQ9IjY3NSIgc3JjPSJodHRwczovL3d3dy55b3V0dWJlLW5vY29va2llLmNvbS9lbWJlZC9ZQnpfN3FUTkNRRT9mZWF0dXJlPW9lbWJlZCIgZnJhbWVib3JkZXI9IjAiIGFsbG93PSJhY2NlbGVyb21ldGVyOyBhdXRvcGxheTsgY2xpcGJvYXJkLXdyaXRlOyBlbmNyeXB0ZWQtbWVkaWE7IGd5cm9zY29wZTsgcGljdHVyZS1pbi1waWN0dXJlOyB3ZWItc2hhcmUiIHJlZmVycmVycG9saWN5PSJzdHJpY3Qtb3JpZ2luLXdoZW4tY3Jvc3Mtb3JpZ2luIiBhbGxvd2Z1bGxzY3JlZW4+PC9pZnJhbWU+\"><div class=\"brlbs-cmpnt-cb-preset-c brlbs-cmpnt-cb-youtube\"> <div class=\"brlbs-cmpnt-cb-thumbnail\" style=\"background-image: url('https:\/\/www.2000m2.eu\/wp-content\/uploads\/borlabs-cookie\/1\/yt_YBz_7qTNCQE_hqdefault.jpg')\"><\/div> <div class=\"brlbs-cmpnt-cb-main\"> <div class=\"brlbs-cmpnt-cb-play-button\"><\/div> <div class=\"brlbs-cmpnt-cb-content\"> <p class=\"brlbs-cmpnt-cb-description\">Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von <strong>YouTube<\/strong>. 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Baumwolle h\u00e4lt also nicht nur den Weltrekord als Ackerkultur mit dem h\u00f6chsten Wasserverbrauch, sondern sie ist wohl auch die Kultur mit dem gr\u00f6\u00dften Chemikalieneinsatz. Eine Gefahr f\u00fcr Mensch, Natur und Umwelt in den betroffenen Regionen. Meistens wird konventionelle Baumwolle als Monokultur angebaut. Die lange Wachstumszeit der einj\u00e4hrigen Kultur l\u00e4sst keine Zeit f\u00fcr Zwischenfr\u00fcchte zur Bodenverbesserung. Das laugt den Boden aus und macht es Sch\u00e4dlingen leicht, sich auszubreiten. Um trotzdem hohe Ertr\u00e4ge zu erzielen, werden auf den Feldern viel Minerald\u00fcnger und Pestizide ausgebracht. Gem\u00e4\u00df dem Umweltinstitut M\u00fcnchen wird ein durchschnittliches Baumwollfeld pro Saison rund zwanzig Mal mit Ackergiften aller Art bespr\u00fcht. Die Landarbeiter:innen sind diesen Giften oft ohne gen\u00fcgenden Schutz ausgeliefert und tragen die gesundheitlichen Konsequenzen. Es kommt zu akuten Vergiftungen, die bis zum Tod f\u00fchren k\u00f6nnen und der dauernde Kontakt mit Pestiziden f\u00f6rdert gravierende Krankheiten wie Krebs, Nervensch\u00e4den, Hormonst\u00f6rungen oder Unfruchtbarkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Biodiversit\u00e4t, die schon zuvor durch das Anlegen der Monokulturen zu Schaden kommt, nimmt durch den hohen Pestizideinsatz weiter ab und B\u00f6den und Grundwasser werden belastet. Hinzu kommt, dass der Anbau von genmanipulierten Baumwollpflanzen enorm verbreitet ist: 2019 wuchsen auf fast 80 Prozent der weltweiten Anbaufl\u00e4che gentechnisch ver\u00e4nderte Baumwollsorten, in Indien war es gar auf 95 Prozent der Fl\u00e4che. Dies tr\u00e4gt zum Verlust der genetischen Vielfalt bei und f\u00f6rdert das Risiko von Resistenzen bei Sch\u00e4dlingen. Die B\u00e4uer:innen geraten zudem in eine Abh\u00e4ngigkeit, weil sie immer wieder neues Saatgut und Pestizide kaufen m\u00fcssen. An vielen Orten auf der Welt ist es inzwischen schwierig geworden, \u00fcberhaupt an Baumwollsaatgut heranzukommen, das sich auf nat\u00fcrliche Weise vermehren l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von der Saat bis zum T-Shirt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rund 80 L\u00e4nder der Tropen und Subtropen bauen heute Baumwolle an. Die wichtigsten Anbaugebiete liegen in China, Indien, Brasilien, USA\u2026 Die weltweite Anbaufl\u00e4che von gut 30 Millionen Hektar ist seit siebzig Jahren in etwas stabil geblieben, aber die Ertr\u00e4ge haben sich in diesem Zeitraum fast verdreifacht. Es wird gesch\u00e4tzt, dass rund 200 Millionen Menschen von der Baumwollproduktion leben. W\u00e4hrend in den USA vor allem Gro\u00dfproduzenten im Sektor t\u00e4tig sind, sind es in Kamerun, Togo und anderen westafrikanischen L\u00e4ndern viele Familienbetriebe. In diesen L\u00e4ndern ist Baumwolle eines der wichtigsten Exportg\u00fcter, doch die Preise auf dem internationalen Markt werden durch subventionierte Baumwolle aus Industriel\u00e4ndern niedrig gehalten. Auch wenn der Baumwollanbau in einigen Gegenden zur Verbesserung der l\u00e4ndlichen Infrastruktur wie Stra\u00dfen, Schulen oder Spit\u00e4lern beigetragen hat, so geh\u00f6ren die westafrikanischen Baumwollb\u00e4uer:innen doch zu den \u00c4rmsten. Viele Kleinbetriebe sind auf die H\u00e4nde aller Familienmitglieder angewiesen, um mit der enorm aufw\u00e4ndigen Baumwollproduktion finanziell einigermassen \u00fcber die Runden zu kommen. So ist leider auch Kinderarbeit verbreitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von der Aussaat bis zur Ernte der Baumwolle dauert es circa acht bis neun Monate. Baumwollpflanzen bl\u00fchen \u00fcber einen langen Zeitraum. Dies hat zur Folge, dass auch die Baumwollkapseln zu unterschiedlichen Zeiten erntereif sind. Kleinbauernbetriebe ernten die Baumwolle in mehreren Durchg\u00e4ngen von Hand. Das ist sehr arbeitsintensiv, hat aber den Vorteil, dass immer nur die reifen Baumwollb\u00fcschel abgeerntet werden. Von Hand gepfl\u00fcckte Baumwolle ist deshalb meistens sauberer und hat die h\u00f6here Reifequalit\u00e4t als mit Pfl\u00fcckmaschinen geerntete Baumwolle. Die maschinelle Ernte erfolgt in einem einzigen Durchgang und ist daher immer ein Kompromiss bez\u00fcglich des Reifegrades der Baumwollb\u00fcschel. Auf den riesigen Monokultur-Fl\u00e4chen in Texas werden manchmal auch chemische Entlaubungsmittel eingesetzt, damit die Pfl\u00fcckmaschinen die Faserb\u00fcschel gut abernten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Ernte werden in einem mechanischen Prozess R\u00fcckst\u00e4nde aus den Baumwollkapseln entfernt und die Fasern von den Samen getrennt. Qualit\u00e4tsmerkmal bei Baumwollfasern ist neben Farbe, Reifegrad und Sauberkeit die sogenannte Stapell\u00e4nge. Damit ist die Faserl\u00e4nge gemeint, die zwischen 18 und 42 Millimeter liegt. Die langen Samenhaare der Baumwolle hei\u00dfen Lint. Sie sind besonders wertvoll, denn aus ihnen kann ein feines Baumwollgarn f\u00fcr hochwertige Textilien gesponnen werden. Die mittelstaplige Baumwolle macht ungef\u00e4hr 90 Prozent des Marktes aus und wird f\u00fcr alle m\u00f6glichen Gewebe verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Textilfabriken kommt die Baumwolle erneut mit unz\u00e4hligen Chemikalien in Kontakt: Zum Bleichen, F\u00e4rben, Gerben und Veredeln werden tausende verschiedene Chemikalien eingesetzt, von denen viele potenziell gesundheits- und umweltsch\u00e4dlich sind. Diese Gifte gef\u00e4hrden die Textilarbeiter:innen, die oftmals zu Hungerl\u00f6hnen schuften m\u00fcssen und kaum Schutzkleider tragen k\u00f6nnen. Die Textilindustrie ist sehr wasserintensiv und viele der gesundheitsgef\u00e4hrdenden Chemikalien gelangen mit den Abw\u00e4ssern in die Umwelt. Bei den Konsument:innen rund um den Globus sind Baumwolltextilien aber nach wie vor sehr beliebt: Sie kratzen nicht, sind atmungsaktiv, dehnbar, rei\u00dffest und allergikerfreundlich und k\u00f6nnen bei Bedarf problemlos in der Kochw\u00e4sche gewaschen werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Geld, \u00d6l, Fischernetze<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Linters bestehen haupts\u00e4chlich aus Cellulose und sind in der Papierindustrie als hochwertiger nachwachsender Rohstoff sehr gefragt. Aus Linters werden z.B. Geldscheine und andere reissfeste Papiere hergestellt. In der Lebensmittelindustrie werden Linters zudem zu Lebensmittelzusatzstoffen wie Verdickungsmittel, Stabilisatoren und Emulgatoren verarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Raffiniertes Baumwollsaat\u00f6l kommt zum Beispiel als Speise- und Frittier\u00f6l oder als Inhaltsstoff von Margarine auf unsere Tische. In den USA ist Baumwollsaat\u00f6l das am meisten verwendete Speise\u00f6l und ist auch in der Lebensmittelindustrie f\u00fcr Fertigprodukte sehr gefragt. Amerikanische Chips, Erdnussbutter oder Corn Flakes enthalten sehr oft Baumwollsaat\u00f6l. Es ist sehr hitzebest\u00e4ndig und hat einen hohen Anteil an mehrfach unges\u00e4ttigten Fetts\u00e4uren. Wegen den vielen Pestiziden im Baumwollanbau ist das \u00d6l als Speise\u00f6l aber auch umstritten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Baumwollsaat\u00f6l dient auch als Ausgangsprodukt f\u00fcr Kosmetika. Das Schrot der Bauwollsaat wird als Tierfutter verwendet. Der Presskuchen, der bei der Herstellung von Baumwollsaat\u00f6l \u00fcbrigbleibt, ist sehr eiwei\u00dfreich. Er hat aber einen hohen Gehalt an giftigem Gossypol. Deshalb werden damit nur ausgewachsene Wiederk\u00e4uer gef\u00fcttert. Baumwolle wird weiter zur Herstellung von Verbandsmaterial f\u00fcr die Medizin oder f\u00fcr Kosmetik und Hygieneprodukte wie Watte oder Wattest\u00e4bchen verwendet. Aufgrund ihrer Reissfestigkeit sind auch viele Fischernetze, Seile und Taue aus Baumwolle. Fr\u00fcher wurden Feuerwehrschl\u00e4uche aus Baumwolle hergestellt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Baumwolle nachhaltig \u2013 geht das?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer nicht auf Baumwolltextilien verzichten m\u00f6chte, kann beim Kleiderkauf auf die Herstellung aus Bio-Baumwolle achten. Im biologischen Baumwollanbau sind keine giftigen Pestizide und genver\u00e4nderten Sorten zugelassen und der Anbau erfolgt in Fruchtfolge und damit bodenschonender als im konventionellen Anbau. Die B\u00e4uer:innen und Pfl\u00fccker:innen auf den Feldern sind im Bio-Anbau weniger Gefahren ausgesetzt und bekommen in der Regel leicht bessere L\u00f6hne. Am besten ist es, wenn ihr beim Kauf ein Siegel w\u00e4hlt, das sowohl den biologischen Anbau wie auch soziale Mindeststandards garantiert. Dies ist z.B. bei <a href=\"https:\/\/global-standard.org\/de\">GOTS<\/a>&nbsp;der Fall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine der wichtigsten Dinge, die ihr selber aber unternehmen k\u00f6nnt, ist darauf zu achten, nicht zu viel Kleidung zu kaufen und zu verbrauchen: Tragt die Kleidung so lange wie m\u00f6glich und spendet oder verschenkt aussortierte Kleidung an Menschen, die sie brauchen. Auch selber k\u00f6nnt ihr nat\u00fcrlich zu Second Hand Kleidung greifen und somit der Verschwendung der Baumwolle entgegenwirken.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschlandfunk: Baumwolle aus Usbekistan. Ohne Kinderarbeit in den Westen. <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/usbekistan-baumwolle-kinderarbeit-100.html\">Link<\/a>. <br>Global 2000: Baumwolle. <a href=\"https:\/\/www.global2000.at\/baumwolle\">Link<\/a>. <br>PlanetWissen: Baumwolle. <a href=\"https:\/\/www.planet-wissen.de\/technik\/werkstoffe\/wolle\/wolle-baumwolle-100.html\">Link<\/a>. <br>Utopia: 10 Fakten: Was du \u00fcber Bio-Baumwolle wissen solltest. <a href=\"https:\/\/utopia.de\/ratgeber\/bio-baumwolle-wissenswertes_22195\/\">Link<\/a>. <br>Biologie-Seite: Baumwolle. <a href=\"https:\/\/utopia.de\/ratgeber\/bio-baumwolle-wissenswertes_22195\/\">Link<\/a>.<br>Lexikon des Agrarraums: Baumwolle. <a href=\"https:\/\/www.agrarraum.info\/lexikon\/baumwolle\">Link<\/a>.<br>Transparenz Gentechnik: Gentechnisch ver\u00e4nderte Baumwolle. Anbaufl\u00e4chen weltweit. <a href=\"https:\/\/www.transgen.de\/anbau\/452.gentechnisch-veraenderte-baumwolle-anbauflaechen-weltweit.html\">Link<\/a>. <br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Baumwolle, Gossypium Wei\u00dfe Wolken vom Feld Als Pflanze geh\u00f6rt die Baumwolle zur Familie der Malvengew\u00e4chse (Malvaceae) und umfasst 51 Arten. Zumeist wachsen die Baumwollpflanzen auf den \u00c4ckern als einj\u00e4hrige krautige Pflanzen oder Str\u00e4ucher mit Laubbl\u00e4ttern. Sie machen h\u00fcbsche wei\u00dfe, rosa oder gelbe Bl\u00fcten, aus denen sich sp\u00e4ter die Baumwollkapseln entwickeln. 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