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Ben Wissler

Unsere zweite Gast-Esserin Gisela

Für Mitte Mai hat sich unsere zweite Gast-Esserin für ihre Gastwoche eingetragen und durfte, nachdem sie ihre beiden Arbeitstage absolviert hatte, sich nun eine Woche lang vom Weltacker ernähren. Wie es ist, sich im Rahmen einer 40-Stunden Arbeitswoche sämtliche Mahlzeiten frisch und selbst zuzubereiten, erzählt sie hier.

Hier kommt Giselas Bericht…

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Acker-Frühstück in der Stadt. Butterbrot mit Radieschen

Nachdem ich zwei Tage in der Erde gewühlt, dabei das Wurzelwerk so mancher Quecke ergründet habe und meine Beikrautkenntnisse verbessern konnte, nahm ich meine bunt gefüllte Kiste in Empfang. Schon für’s Auge waren die frischen Lebensmittel ein Schmaus. Neben reichlich Gemüse und Obst gab es Leckerbissen wie regionalen Honig und Bio-Weichkäse.

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Honig Butterbrot mit Sommerhonig von Fließgold

Statt der geplanten fünf Tagen habe ich mich acht Tage lang ernähren können. Am Ende blieb sogar noch einiges übrig: Walnüsse, Honig, Pflaumenmus, ein Apfel, Butter, Öl, ein Ei, Rote Bete. Ich habe in der Woche Hafermilch aus Haferflocken hergestellt, Linsen beim Keimen angefeuert und darüber triumphiert, Glyphosat – hoffentlich – von meinem Teller verbannt zu haben. Nicht ganz unproblematisch war für mich das einsame Zubereiten und Essen. So kam ich während meiner Gastesserinnenwoche mehrmals in innere Konflikte zwischen dem „Verarbeiten“ meiner Kiste und diversen Essenseinladungen und -Vorschlägen (Angrillen im Garten einer Freundin, Picknick im Park in großer Runde, gemütliches WG-Abendessen, Kaffee- und Kuchennachmittag). Auch wenn meine Kiste noch so reichhaltig bestückt, frisch und lecker war und es sich bei einer Woche um einen überschaubaren Zeitraum handelt, fiel es mir viel schwerer als erwartet, mich auf diesen Ernährungsalleingang zu konzentrieren. Meine Ackerwoche hat mir verdeutlicht: einsames Essen schmeckt ein wenig fad.

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Buchweizen-Linsenbratlinge mit Spinat und eingeweckten Tomaten

Zudem war es für mich eine Herausforderung, jeden Tag Zeit zu finden, um die frischen Sachen zu verarbeiten. Mein Glück, täglich ein frisch zubereitetes, gesundes, warmes Essen verzehren zu können, fußt darauf, dass wir uns in unserer Wohngemeinschaft und im Freundeskreis gemeinsam ernähren. Zum Einen tun wir das, weil das Gemeinschaftliche viel schöner ist, zum Anderen, weil wir es uns zeitlich gar nicht leisten könnten, jede/r täglich ihr/sein eigenes Süppchen zu kochen. Wir können nur deswegen Fertigprodukte und kulinarische Eintönigkeit vermeiden, weil wir uns das tägliche Verarbeiten von frischen Lebensmitteln teilen und uns dabei gegenseitig mit Ideen anregen. Für mich war es in der Ackerwoche recht schwierig, jeden Tag mein eigenes Privatportiönchen zuzubereiten, weil ich von meinem Berufsalltag oft müde war. Die politisch angepeilte 40-Stunden-Woche programmiert schnelle Fertigprodukte und
flüchtige Restaurantbesuche vor, wodurch der Bezug zum eigenen Essen verloren geht.

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Spinat-Tomaten Polenta, ein schnelles Mittagsgericht

Aus meiner Ackerwoche schlussfolgere ich deshalb: Für eine gesunde, nachhaltige Ernährung halte ich eine entschleunigte Lebensweise und gemeinschaftliche Arbeitsteilung für notwendig. Das Entfernen von klebriger Erde am Spinat, das Sammeln oder Heranziehen frischer Kräuter, das Entwickeln von abwechslungsreichen Rezepten und Verarbeitungsmethoden – diese Dinge benötigen Hinwendung, Zeit und deshalb eine ausgeglichene Verteilung von Erwerbstätigkeit.

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Geschmortes Ofengemüse mit Roter Bete, Joghurt und Tomatensalsa

Liebe Grüße,

Gisela

 

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