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Sibylle Krickel

Schüler im Videochat mit Äthiopien!

In Omas Garten wachsen im Sommer Zucchini und Erdbeeren. Aber wo kommt das Obst und Gemüse her, was ich im Laden kaufe? Und gibt es eigentlich auch Supermärkte in Äthiopien?

  Foto: Slow Food

Foto: Fabienn Buchmann

Diese Fragen stellte sich am 11. Juli 2017 die 7. Klasse des katholischen Sankt Marien Gymnasiums Neukölln auf dem Weltacker des 2000m²-Projekts. Der Vormittag fand im Rahmen des Schulprojekts „Boden begreifen“ der Organisation Slow Food Deutschland statt und stand unter dem Thema „Boden – unsere Lebensgrundlage“. Mit diesem Bildungsangebot sensibilisiert der Bildungsreferent Daniel Diehl die Schüler*innen für die Auswirkungen ihres persönlichen Nahrungsmittelverbrauchs auf den Boden und auf globale Wirtschaftskreisläufe.

Foto: Slow Food

Dieses Mal lief die Veranstaltung etwas anders ab als sonst: die 27 Schüler*innen konnten sich live im Videochat mit einer Schulklasse in Äthiopien zu dem Thema austauschen. Der Kontakt zum Mekane Jesus School Garden in Gidole, etwa 230 km südlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, kam durch das Slow Food-Projekt „10.000 Gemüsegärten in Afrika“ zustande.  Die Organisation Slow Food unterstützt damit den Aufbau eines afrikanischen Netzwerks von Schul- und Projektgärten, in denen junge Menschen den biologischen Anbau von Obst und Gemüse erlernen.

Foto: Fabienne Buchmann

Für viele aus der Neuköllner Klasse war die Videokonversation mit den äthiopischen Schüler*innen sicherlich der erste Eindruck vom Leben in dem ostafrikanischen Land. Sie waren entsprechend aufgeregt und hatten viele Fragen. Die Klassen führten sich gegenseitig mit der Kamera durch den Schulgarten in Äthiopien beziehungsweise den Berliner Weltacker des 2000m²-Projekts. Dort zeigten und erklärten sie, welche Pflanzen bei ihnen im Garten wachsen und wie sie diese in ihre Ernährung einbauen. Zusätzlich erklärten die Schüler*innen in Zeichnungen und Videos, wie ihr Lebensalltag aussieht und wo sie einkaufen gehen.

Während der Unterhaltung der beiden Schulklassen wurde klar, dass es infrastrukturelle Unterschiede zwischen dem Leben im urbanen Neukölln und dem ländlich gelegenen Gidole, aber auch Gemeinsamkeiten im Lebensalltag der Jugendlichen gibt. Als auf die Frage der Neuköllner Schüler*innen „Do you have mobile phones?“ alle aus der äthiopischen Schülergruppe lachend ihre Smartphones in die Kamera hielten, waren sie überrascht über diese Gemeinsamkeit. Anders aber als in Deutschland, wo man so gut wie alles im Supermarkt kauft, gibt es Supermärkte in Äthiopien höchstens in Großstädten und sie sind für die meisten Menschen unerschwinglich. Das brachte die Neuköllner Schulklasse schnell auf die Spur, zu hinterfragen, wo und von wem die Lebensmittel angebaut werden, die in Berlin im Supermarkt landen und welche lokalen Alternativen es dazu gibt. Problematisch ist auch, dass wir Europäer*innen durch unsere Wegwerfmentalität und den Anbau von Futtermitteln für Nutztiere mehr als die 2000m² Ackerfläche verbrauchen, die jedem von uns zustehen. Diese Ackerfläche fehlt schließlich den Menschen in anderen Ländern. Bildungsreferent Daniel Diehl appellierte an die Schüler*innen, auf sauberes, gutes und faires Essen zu achten und so Rücksicht auf die Umwelt und die Menschen, die unser Essen produziert haben, zu nehmen.

Zum Abschluss des Vormittags durften die Kinder äthiopisches Essen probieren. Das Slow Food-Team bereitete frische Injera mit Linsen und Gemüse zu. Injera sind Sauerteigfladen aus Teff-Mehl, die bei keiner äthiopischen Mahlzeit fehlen dürfen. Nachdem die Schüler*innen zunächst skeptische Blicke tauschten, schmeckte es ihnen und alle Teller waren schließlich leer.