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Ben Wissler

Gast-Esser #1 – Volker

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Unser erster Gast-Esser ist Volker Hegmann

Für Ende April hat sich unser erster Gast-Esser für seine Gastwoche eingetragen und durfte, nachdem er bei unserer großen Ackereröffnung seine beiden Arbeitstage absolviert hatte, nun eine Woche lang vom Weltacker ernähren.

Bericht zur 1. Gastesserwoche
von Volker Hegmann

Am Samstag, 25.04. hatte ich, Volker, 50 Lenze, langzeit-begeisterter Hobby-Gärtner, meine 1. realeBegegnung mit dem “Weltacker”-Projekt: Ein malerisches Stück Land am westlichen Hafelufer, langgezogen sanft zum Wasser hin abfallend, zwischen Schrebergärten zur Linken und den kreisrunden Feldern des Bauerngarten zur Rechten, eingesprenkelte Obstbäume und Blick auf den Grunewaldturm auf der gegenüberliegenden Wasserseite inklusive: Ein SO schönes Stück Land könnte auch “Paradiesacker” heißen…

Doch der “Himmel” ist weit entfernt in diesem Projekt: Was sich auf dem Acker im Moment vor allem tummelt, ist die Quecke und das in einem Ausmaß, dass es eher einem Höllenritt nahekommt, ihr den Kampf anzusagen. Auch damit habe ich an meinen beiden Ackertagen einige Erfahrungen machen dürfen und die “Ernte”, sie war wirklich reichhaltig (geschätzte 50 kg Wurzeln [brutto – mit etwas anhaftender Erde aus vielleicht 100 m² Ackerland]). Als Lohn der Mühen wurde mir am Sonntag dann begleitet von Presse (taz) und ohne Funk & Fernsehn (die aber am Samstag beide da waren und Material sammelten für Langzeit-Dokumentationen über das Projekt) meine (5-Tage)-“Wochenkiste” überreicht (von der Annahme ausgehend, dass ich ja die übrigen 2 Tage als Helfer auf dem Feld bereits verpflegt worden bin).

Zugegeben, ob der Jahreszeit viel die Auswahl etwas karg aus. Schrumpliges Lagergemüse, knappe Kalorienbemessung, wenig Auswahl. Trotzdem hat es mir sehr viel Spaß gemacht und ich konnte dabei ganz neue kulinarische Möglichkeiten endecken. Aber lest und seht selbst.

Teil 1

Die erste Gast-Esser-Kiste von unserem Weltacker. Viel Lagergemüse, ein Salatkopf, Getreide, Öl und Hülsenfrüchte

Die Kiste sah schon auf den 1. Blick etwas diät-verdächtig aus; der genauere Blick mit Waage & Kalorientabelle ergab: Sie enthielt insgesamt 8300 Kalorien (bei einem angenommenen Tagesbedarf von 2300 Kalorien [x 5 = 11.500]. Der Frischobst- & Gemüseanteil war zudem stark unterrepräsentiert, die Qualität des Gemüses hatte größtenteils das Niveau “Kompost-Tauglichkeit” (überlagert / ausgetrocknet [Champignons, Rote Beete, Pastinaken], z.T schon bedenklich ausschauend, selbst bei Anlage des Maßstabs: Geschenktem Gaul, schaut man nicht ins Maul…

Teil 2

Salat mal anders. Gebraten in der Pfanne. Schrumplige Möhren und ein deftiges Linsengericht.

Da ich eine Fruktose-Intoleranz habe, mußte ich enthaltene Äpfel & Birnen, die beide ein besonders ungünstiges Fruktose-Glucose-Verhältnis aufweisen leider verschenken und sie durch für mich verdaulichere Obstsorten (Banane und Papaya) ersetzen (Öko-PC-mäßig natürlich wegen des enthaltenen Transportaufwands unkorrekt…)

Andererseits gehen 2600 der Kalorien auf das Konto von 300 gr. Öl (250 gr. Raps-, 50 gr. Leinöl), die ich beide binnen 5 Tagen nicht verbrauchen konnte (habe nur ca. 20 gr. / Tag zum Braten und als Salatsoße verwenden können). Genutzt habe ich aus dem Angebot von 8300 Kalorien also unterm Strich nur 6500.

Teil 3

Selbstgemachtes Sojamehl zum Backen und als Ei-Ersatz & Polentachips

Brot & ein Streichfett waren nicht enthalten, gleichfalls kein Kaffee oder Tee.  Diese habe ich ebenso extern ergänzt wie ein paar Zwiebeln (schien mir auch nicht “illegetim” , da ebenso ein gutes Lagergemüse, dass theoretisch hätte enthalten sein können). Auf diesem externen Importweg kamen also nochmal ca. 1800 Kalorien hinzu, was den “Minderverbrauch” an Öl auf den Punkt wieder ausglich. Mit diesen ca. 1660 rechnerischen Tageskalorien konnte ich die 5 Tage aber (trotzdem) wunderbar bestreiten.
Habe durch die gestellten Herausforderungen eine ganze Menge gelernt:

• wie schnell Linsen keimen und diese als Salat zu verwenden (geht schon nach 3 Tagen)
• “Alt-Salat” zu braten (sic!) statt ihn frisch zu verwenden (schmeckt ähnlich wie Spinat)
• dass man mit Alt-Gemüse-in-Wasser-legen dieses etwas “verjüngen” und dann zumindest als Suppenbestandteil gut kochen kann
• (so entstand ein pikanter Linsen-Pastinaken-Möhren-Eintopf, der 2 Tage reichte)
• mit selbsthergestellter Sojamilch Maisgrieß als Frühstücksbrei zu nutzen
• mit Polenta Chips zu backen
• mit selbstgemachtem Sojamehl als Ei-Ersatz & den Press-Rückständen der Sojamilch-Herstellung Okara-“Braten” herzustellen
• aus Roggenmehl & Wasser leckere Schupfnudeln zu produzieren und mit Sauerkraut gebraten daraus 2 köstliche Haupt-Mahlzeiten zu gewinnen.

Teil 4

Sojamilch, Frühstückstbrei und selbstgemachte Schupfnudeln mit Sauerkraut

Wünsche allen Nachfolgern im Gastesser & Ackerhelfer-Amt ebenso viel Spass bei der Sache, wie es mir und den zahlreich (und dennoch ausbaubar vielen) Helfern gemacht hat; nicht zuletzt auch dank Florians köstlichen Veggieburgern.

Wenn auch noch nicht gewiss ist, wie es gelingen wird, den Anspruch des Projektes zu verwirklichen, eines ist gewiss: Die Quecke, sie wird es ausdauernd begleiten…

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