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In Berlin wächst jetzt Soja

Es heißt, im Durchschnitt brauche sie 100 Tage von der Aussaat bis zur Ernte. Doch so ganz genau weiß man das nicht. Noch nicht. Denn noch ist es ein Experiment: Das „Soja Experiment – 1000 Gärten“. Und der kliene Weltacker in Berlin experimentiert mit.

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Das Soja-Feld auf dem kleinen Weltacker in Berlin, Foto: Cecilia Antoni

Mit rund 1.200 Saatkörnern, auf 12 kleine, weiße Papiertütchen verteilt, fing alles an. Dazu ein weißer Kunststoffbeutel mit ominösem Inhalt: Knöllchenbakterien. Lediglich die laminierte Farbtafel mit ihren unterschiedlichen Grüntönen zur Bestimmung der Blattfarbe lugte als kleiner Farbklecks im Starter-Set zum Experiment hervor. „Wir machen Soja heimisch“, lautete der dazugehörige Slogan mit dem die Universität Hohenheim und der große deutsche Bio-Tofuhersteller Taifun Anfang des Jahres bundesweit zur Teilnahme aufgerufen hatten. Gefolgt sind über 2.400 Gärtnerinnen und Gärtner, und der Weltacker. Alle dazu bereit, die Soja eine Saison lang auf mindestens 12 m² zu beherbergen.

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Da waren sie noch klein: unsere ersten Soja-Jungpflanzen, Foto: Cecilia Antoni

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Die kleinen Sojablüten lassen sich leicht übersehen, Foto: Cecilia Antoni

Tatsächlich stünde der Soja auf dem Weltacker sogar eine Fläche von knapp 160 m² zu. Soja ist nach Weizen, Mais und Reis die Pflanzenkultur, die weltweit am meisten angebaut wird und auf über 111 Millionen Hektar bzw. 8,12 Prozent der global verfügbaren Agrarfläche wächst. Doch da die Soja es gern warm mag, wollte sie in Deutschland noch nicht so richtig Wurzeln lassen. Um das zu ändern, hat die Landessaatzuchtanstalt der Uni Hohenheim neue, gentechnikfreie Sojastämme und -sorten entwickelt, die auch kälteren Temperaturen trotzen sollen. Auf dem Weltacker werden diese nun getestet, um im nächsten Jahr ihre gesamte Fläche gut nutzen zu können.

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Die Blattfarben werden regelmäßig überprüft und ausgewertet, Foto: Cecilia Antoni

Ursprünglich stammt Soja aus China und wurde bereits vor 5.000 Jahren kultiviert. Ihr hoher Eiweißgehalt von über 30 Prozent hat ihr die Bezeichnung „Fleisch des Feldes“ eingebrockt und macht sie weltweit so begehrenswert. In Brasilien wurden bereits riesige Flächen einzigartigen Regenwaldes für den Soja-Anbau abgeholzt, in den USA weitläufige Landschaften in Monokulturen verwandelt. Die EU verfügt hingegen nur über etwa 0,4 Prozent der weltweiten Soja-Anbaufläche, gleichzeitig ist sie jedoch der größte Importeur von Sojaschrot, das als Kraftfutter in der Massentierhaltung genutzt wird. Um diese „Eiweißlücke“ zu schließen, hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Jahr 2012 die Eiweißpflanzenstrategie ins Leben gerufen. Sie soll den Leguminosen-Anbau in Deutschland fördern. Das Soja-Experiment ist eines der unterstützten Projekte.

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Die Knöllchbakterien an den Wurzeln binden den Luftstickstoff,  Foto: Cacilia Antoni

Mithilfe des Soja-Experiments werden 12 neue Kreuzungen an möglichst vielen verschiedenen, bundesweiten Standorten gepflanzt und anschließend wissenschaftlich ausgewertet. Danach wird sich auf die Linien konzentriert, die am besten mit den heimischen Böden und Klima zurecht gekommen sind, und zu neuen Bio-Sorten weiterentwickelt. Diese werden frei von Patenten sein und somit auch anderen Züchtern zur Weiterentwicklung zur Verfügung stehen.

Auf dem Weltacker ging es mit dem Experiment am 10. Mai los. Zunächst musste das Saatgut mit den Knöllchenbakterien geimpft werden. Diese Bakterien sind so besonders, weil sie eine einzigartige Symbiose mit Leguminosen (“Hülsenfrüchtlern”) eingehen. Sie heften sich als Knöllchen an die Wurzeln der Pflanze, sobald sie von ihr das Signal bekommen, dass der Boden Stickstoff, also Dünger, benötigt. Die Knöllchenbakterien binden den Stickstoff aus der Luft und geben ihn in den Boden ab. Bei heimischen Leguminosen-Arten wie Bohnen und Erbsen sind die passenden Knöllchenbakterien als sogenannte Überdauerungskörper bereits in der Erde vorhanden und werden nur aktiv, wenn das Signal kommt. Bei der Soja müssen die für sie geeigneten Knöllchenbakterien beim ersten Anpflanzen noch mit in die Erde gegeben werden.

Da die Krähen auf dem Weltacker fleißig Saatgut pickten, wurde zum Schutz ein Fließ, später ein Netz, über die Fläche des Soja-Experiments gelegt. Recht rasch zeigten sich die ersten haarigen Pflänzchen der Soja, und entwickeln sich seitdem prächtig. Anfang Juli fingen sie an zu blühen. Ihre Blüten sind winzig und variieren zwischen weiß und violett.

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