Faserlein, gemeiner Lein, Linum usitatissimum

Fläche global: 0,3 Millionen Hektar
Fläche auf dem Weltacker: 0,3 m² (0,02%)
Herkunftsregion: Mesopotamien oder Ägypten
Hauptanbaugebiete: Russland, Kasachstan, Indien, Kanada
Verwendung / Hauptnutzen: Textilfaser

Von der griechischen und römischen Antike bis ins europäische Mittelalter war Leinen neben Wolle das Material für Kleidung. Seine Blütezeit hatte das Leinen im vorindustriellen Europa. Durch den Import von großen Mengen maschinell einfacher zu verarbeitende Baumwolle aus Nordamerika im 19. Jahrhundert wurde die Blütezeit des Leinens beendet.

Der gemeine Lein: Öl- und Faserpflanze

Der gemeine Lein ist die einzige Lein-Art, deren Anbau eine wirtschaftliche Bedeutung hat. Er gehört zur Familie der Leingewächse (Linaceae) – Öllein und Faserlein sind unterschiedliche Sorten des gemeinen Leins, der eine einjährige Pflanze ist, und auch Flachs genannt wird. Er stammt vom ursprünglich zweijährigen Lein ab, der im Mittelmeergebiet heimisch ist. Der Lein wird 30 – 100 cm groß und besitzt kleine, hellblaue, fünfzählige Blüten. In den Untergrund wächst sie mit einer kurzen, spindelförmigen Pfahlwurzel mit feinen Seitenwurzeln. Die Stängel stehen meist einzeln und aufrecht; im Bereich des Blütenstandes sind sie verzweigt. Die Befruchtung erfolgt vorwiegend durch Selbstbestäubung, seltener durch Insekten. In den Kapseln bilden sich 6 bis 7 schleimfähige, sehr ölreiche, abgeflachte, gelbliche bis bräunliche Samen.

Lein stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden, Staunässe verträgt er jedoch nicht. Trockenperioden übersteht Öllein besser als Faserlein – ebenso wie Spätfröste. Für die Blütenbildung und das Faserwachstum sind Langtagbedingungen nötig, die Nächte müssen in dieser Zeit also kürzer sein als die Tage. Die Pflanze benötigt zudem eine Vorfrucht, die wenig Beikraut hinterlässt und in der Fruchtfolge ist ein Abstand von sechs Jahren zwischen zwei Leinanbauten nötig, um einer Ansammlung von Schadpilzen im Boden zu begegnen.

Faserlein erfordert zur Ernte spezielle Maschinen. Die Ernte erfolgt zur Gelbreife, das heißt sieben bis zehn Tage vor Vollreife. Dabei werden die Pflanzen in Bündeln mit einer Raufmaschine gerauft, also mit dem Wurzelansatz aus dem Boden geholt und zum Trocknen und Nachreifen auf dem Acker belassen. Im Durchschnitt werden 5 bis 6 Tonnen Röststroh pro Hektar geerntet.

Faden der Jahrtausende: Die Geschichte des Leinens

Als vielleicht ältestes hergestelltes Gewebe wurden Textilien aus Wildleinen in prähistorischen Höhlenwohnungen im Kaukasus gefunden und auf ein Alter von 38.000 Jahren geschätzt. Der Anbau von Faserlein startete deutlich später – die früheste Anbau-Periode, die als sicher gilt, war vor 6000 bis 8000 Jahren in Mesopotamien. Ägyptische Leinenstoffe aus dem Beginn des 4. Jahrtausends v. u. Z. sind die ältesten Funde der Leinenverarbeitung. Das war aber noch nicht der Höhepunkt der Lein-Karriere: ihre vermutlich größte Bedeutung erlangte die Pflanze später in Europa. Nach Mitteleuropa kam der Lein mit der Bandkeramikkultur schon sehr frühzeitig, ab 5500 v. u. Z., knapp 3000 Jahre später gelang er nach Nordeuropa.

Im Europa des Mittelalters und in der frühen Neuzeit waren Herstellung und Handel mit Leinen wichtige wirtschaftliche Säulen, mit Deutschland als weltweit führendem Produzenten im 12. und 13. Jahrhundert. Bis ins 19. Jahrhundert war Leinen neben Hanf, Nessel und Wolle die einzige Textilfaser in Europa. Damals im 18. Jahrhundert hatte Leinen einen Anteil von etwa 18 Prozent, verglichen mit 78 Prozent für Wolle. Wichtige Anbaugebiete waren Westeuropa, Deutschland, Russland und Österreich-Ungarn. Durch das Aufkommen der billigeren und vor allem leichter zu verarbeitenden Baumwolle gingen die Anbauflächen noch im 19. Jahrhundert stark zurück. Einen kurzen Anstieg erfuhr der Anbau während der beiden Weltkriege, als Baumwollimporte durch die politische Lage nicht möglich waren. In der Nachkriegszeit hielt sich der Anbau aber nur in Nordfrankreich, Belgien und den Niederlanden.

Die heute größten Anbaugebiete für Flachs sind China mit über 16.000 Hektar, gefolgt von Russland, Weißrussland, der Ukraine und Ägypten (noch 8.900 Hektar). Die weltweit besten Erträge kommen allerdings aus Nordfrankreich, Belgien und den Niederlanden (EU gesamt über 100.000 Hektar).

Der Großteil der europäischen Langfaser-Produktion geht in den Export, vor allem nach China, wo er in Textilien, Baustoffen oder als Verstärkungsmaterial genutzt wird. Die Weiterverarbeitung der verbleibenden Mengen erfolgt dann oft in Ungarn, Österreich, Norditalien oder Tschechien. Aus China stammt auch mehr als die Hälfte des weltweit produzierten Leinengarns. Italien ist der zweitgrößte Exporteur von Garn und Geweben, gefolgt von Tunesien und Litauen. Abgesehen von kleinen Webereien gibt es in den Vereinigten Staaten keinen kommerziellen Hersteller von Leinen.

Schon gewusst?

Leinenstoffe sorgen für ein sehr angenehmes Körperklima, weil sie sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen und auch wieder abgeben können, ohne sich dabei nass anzufühlen. Besonders für Sommerkleidung und Bettwäsche ist Leinen aufgrund dieser Eigenschaften sehr beliebt.

Vom Feld zur Faser

Aus den Fasern der Leinpflanze wird hauptsächlich Stoff, selten auch Papier, Seile oder Fischernetze, heute jedoch in zunehmenden Maße Dämmmaterial hergestellt. Da die Aufbereitung sehr aufwändig und damit teuer ist, werden Leinenstoffe immer seltener hergestellt und stattdessen Baumwolle oder Kunstfaserstoffe verwendet.

Nach der Ernte und Trocknung der Pflanzen folgen die weiteren Verarbeitungsschritte: Riffeln, Rösten, Brechen, Schwingen, Hecheln und Spinnen. Beim „Riffeln“ werden die Samen von den Stängeln getrennt, dabei wird der Flachs „gekämmt“. Die Samen können dann noch anderweitig verarbeitet werden. Danach werden die Leinstängel „geröstet“. Hierfür lässt man die Pflanzenteile mehrere Tage im Wasser, damit die Fasern zu faulen beginnen. Im nächsten Schritt wird der Holzkern, der die Faser umgibt, beim „Brechen“ gelöst, danach die Holzstücke durch das „Schwingen“ von den Fasern entfernt. Beim „Hecheln“ schließlich werden die Fasern gekämmt und der Kamm auf die gewünschte Feinheit angepasst. In weiteren Schritten werden die Fasern zu Garn „versponnen“, das dann gebleicht oder gefärbt wird und so endlich zum Weben oder zur sonstigen Textilherstellung, bereit ist.

Tiefer Griff ins Portemonnaie für stabile, nachhaltige Kleidung

Kleidung aus Leinen ist atmungsaktiv und nimmt Luftfeuchtigkeit genauso gut auf wie sie sie wieder abgibt und wirkt dadurch kühlend. Sie ist aufgrund der Länge und Struktur seiner Fasern sehr robust und kann bei sachgerechter Pflege viele Jahre halten. Der Stoff ist schmutzabweisend, resistent gegen Bakterien und außerdem flusenfrei. Allerdings ist Leinenkleidung empfindlich und sollte im Idealfall von Hand oder im Schongang gewaschen werden und an der Luft trocknen.

Textilien aus Leinen sind leider im Vergleich zu anderen Geweben relativ teuer. Das sähe anders aus, wenn die gesamten Kosten entlang der Wertschöpfungskette eingepreist würden, insbesondere hinsichtlich Umweltverträglichkeit.

Beispiel Leinen versus Baumwolle:

  • Während Leinen ohne künstliche Bewässerung auskommt, ist Baumwolle eine der wasserintensivsten Kulturen weltweit.
  • Während Leinen in der Regel ohne den Einsatz von Pestiziden auskommt, wird Baumwolleoft mit großen Mengen an Pestiziden und Herbiziden behandelt – mit sämtlichen negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen.
  • Während Leinen bei der Verarbeitung kaum Abfall hinterlässt, fällt bei Baumwolle nicht nur mehr Abfall in der Produktion an, sondern auch durch den schnelleren Verschleiß der Kleidungsstücke.

Quellen

Pflanzenforschung.de: Flachs. Link.
Die Chemie-Schule: Gemeiner Lein. Link.