Search
Search Menu

Reis

 

Foto: Reispflanze – Pixabay

Reis, was ist denn das genau?

Tatsächlich gehört der Reis zur Familie der Süßgräser, wie alle in Europa bekannteren Getreidearten. Seine Gattung ist die Oryza spec., wobei der Kulturreis (Oryza sativa) eine von 18 Arten ist.

Vermutlich sammelten Menschen in China schon vor 10.000 Jahren Wildreis. Etwa 7.000 Jahre alte Fundstellen zeugen dann erstmals von der ackerbaulichen Kultivierung von Reis.

Nach Europa kam der Reis erst durch Alexander den Großen, die Resonanz fiel eher verhalten aus. In einigen Fluss-Delta-Regionen Spaniens, Frankreichs und Portugals wird er angebaut, der europäische Anbau spielt aber eher eine untergeordnete Rolle. Hier werden etwa 0,6 % des weltweiten Ertrags geerntet.

Heute ist der Reis als Abwechslung von Nudeln oder Kartoffeln in der europäischen Küche weitgehend etabliert. Für über die Hälfte der Weltbevölkerung ist Reis jedoch das zentrale Grundnahrungsmittel.

Foto: Reisgericht – Pixabay

Reis als globale Ackerkultur

Reis wird auf 12% der globalen Ackerfläche angebaut und ist damit die drittgrößte Kultur hinter Weizen und Mais. Diese beiden Getreidearten dienen neben der pflanzlichen Ernährung zu großen Teilen als Tierfutter und zur Energiegewinnung. Reis hingegen wird zu 92% zum direkten Verzehr angebaut – damit wird seine globale Ackeranbaufläche deutlich effizienter ausgenutzt als bei den anderen Großkulturen. Denn der Mensch setzt pflanzliche Energie einfach besser um als bei dem Umweg über Masttiere oder gar in Biogasanlagen.

Auf einer Fläche von 224m² kultivieren wir Reis auf unserem 2000m² großen Weltacker, dies entspricht dem Verhältnis zur globalen Ackerfläche (164.085.395 von 1,4 Milliarden Hektar).

Der globale Ernteertrag lag im Jahr 2014 bei ca. 740 Millionen Tonnen. 90% davon wurden in Asien geerntet, allein in China waren es mehr als 206 Millionen Tonnen!

Die nach der Anbaufläche wichtigsten Länder sind Indonesien, Thailand, China und Indien.

Foto: Nassreisanbau in Asien – Pixabay

 

Anbauformen

So manch Fernreisender schwärmt von dem pittoresken Bild der knallgrünen jungen Reispflanzen in überschwemmten Feldern. Der Nassreisanbau, bei dem die Reisfelder unter Wasser gesetzt werden, macht global gesehen etwa 80% aus. Reis muss zum Wachsen nicht unter Wasser stehen, er kann es bloß – auf dieses Ziel hin wurde er von den Menschen gezüchtet. Der Vorteil durch den Nassreisanbau ist die Vermeidung von Schädlingen und der geringere Unkrautdruck, da andere Pflanzen durch den Luftabschluss am Wachstum gehindert werden. Dies kann den Einsatz von den – im konventionellen Landbau üblichen  – Pestiziden reduzieren. Allerdings sorgt der Sauerstoffmangel auch dafür, dass nicht aufgenommener Stickstoff durch Bakterienaktivität schnell zu flüchtigem Stickstoff wird. Dann ist dieser für die Reispflanze nicht mehr verwertbar. Der sowieso schon problematische Einsatz von synthetischem Dünger wird dadurch noch ineffizienter.

Foto: Pixabay

Im Anbau wird zunächst ein relativ trockenes Feld für die Aussaat genutzt. Die Jungpflanzen werden aus diesem Anzuchtbeet entnommen und per Hand oder mit Setzmaschinen büschelweise in das mit dem Pflug vorbereitete Nassfeld gesetzt. In vielen Anbauländern wird das Pflügen mit Ochsen durchgeführt. Das Feld wird dann während der Aufwuchszeit kontinuierlich unter Wasser gehalten. Erst zur Ernte wird es trockengelegt. Die Ernte erfolgt oft per Hand mit der Sichel. Es handelt sich also um eine sehr arbeitsintensive Kultur. Dort wo Arbeitskräfte teuer und Investitionskapital verfügbar sind, erfolgt die Bodenbearbeitung zunehmend per Trecker, die Aussaat teils sogar mit dem Flugzeug und die Ernte mit dem Mähdrescher. Je schwerer jedoch die Maschinen, umso schlimmer die Bodenverdichtung.

 

 

Großer Nachteil des Nassreisanbaus ist der Methanausstoß, was diese Bewirtschaftungsform in Zeiten des Klimawandels fragwürdig macht. Nach Schätzungen werden durch Reisanbau 100 Tonnen Methan jährlich ausgestoßen, das ist ein Viertel der weltweiten Methanemission!

Auch der Wasserverbrauch ist ein Problem, denn die modernen Leistungssorten benötigen fließendes Wasser, weswegen die Becken immer wieder neu aufgefüllt werden müssen. Pro Kilo Reis sind das 3.000 bis 5.000 Liter Wasser! Wenn dieses Wasser nicht durch Bachläufe, Auffangbecken in Starkregenregionen oder durch die Lage in natürlichen Überschwemmungsgebieten gewonnen werden kann, wird es meist per Pumpe hochbefördert. Dies benötigt viel Energie und senkt den für die Trinkwasserversorgung relevanten Grundwasserspiegel. Auch kann es bei zu hoher Fließgeschwindigkeit zu Bodenerosion kommen.

Foto: Düngemittel Bespritzung auf dem Reisfeld – Pixabay

Auf unserem Weltacker kultivieren wir den Reis im Trockenanbauverfahren. Kritiker bemängeln den geringeren Ertrag, Kenner schätzen das volle Aroma. Auf unserem Weltacker orientieren wir uns am System of Rice Intensification (SRI), einer agrarökologischen Methode zur nachhaltigen Steigerung der Erträge. In dem ersten Anwendungsland Madagaskar stieg der Ertrag von zwei auf acht Tonnen Reis je Hektar. Statt das Wachstum mit synthetischem Dünger zu pushen, wird dies durch die Pflanzanordnung angeregt. Die Setzlinge werden dabei einzeln mit einem Abstand von 25 cm gepflanzt. Damit haben sie vielmehr Platz als im klassischen Reisanbau und müssen nicht miteinander um Sonne, Wasser und Nährstoffe konkurrieren. Die Pflanzen bestocken sich dann vergleichsweise stark. Dies bedeutet, dass viele Seitentriebe gebildet werden – was hohe Erträge garantiert. Und all das mit nur 10% der sonst üblichen Saatgutmenge. Bewässert wird nur nach Bedarf, die Düngung erfolgt mit organischem Kompost. Durch das mechanische Entfernen von Unkraut wird das Pflanzenwachstum angeregt. Die Methode ist anspruchsvoll und erfordert viel Handarbeit, dafür muss der Reisbauer keine Betriebsmittel von außen kaufen und kann der Verschuldungsfalle entgehen. Agrarkonzerne, welche den Reisbauern gerne ihre Kunstdünger und Pestizide andrehen wollen, gefällt dieser Erfolg gar nicht. Doch weltweit demonstrieren viele Kleinbauern, dass Nassreisanbau nicht alternativlos ist.

Foto : Reisernte per Hand mit der Sichel – Pixabay

Ernte und Verarbeitung

Die Ernte wird direkt vor Ort manuell oder maschinell gedroschen und dann in größere Sammelstellen gefahren. Hier werden die Deckspelzen entfernt, welche noch zur Energiegewinnung genutzt werden können. Meist wird zudem das Silberhäutchen entfernt, um den bei Verbrauchern beliebten weißen Reis zu erhalten. Dieser Vorgang heißt Polieren, das abgeschürfte Material kann als Tierfutter verwendet werden. Danach ist der Reis sehr leicht verdaulich, hat aber einen Großteil seiner Nährstoffe verloren und besteht dann hauptsächlich aus Stärke. Und, essen Sie auch lieber den polierten Reis?

Foto: Reisefelder – Pixabay

Goldener Reis

Um Mangelernährung bei denjenigen Menschen zu reduzieren, die hauptsächlich Reis zu sich nehmen, versuchen Wissenschaftler*innen Nährstoffanreicherung im Reis zu erwirken. Der sogenannte Goldene Reis soll für eine erhöhte Zufuhr an Beta-Carotin sorgen. Es ist jedoch fraglich, ob diese sehr technische Lösung wirklich der Königsweg ist. Die Ursachen von Mangelernährung liegen meist viel tiefer, etwa in gesellschaftlichen Verteilungsfragen oder auch an unzureichender Bildung…