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Roggen

Roggen (Foto: Pixabay)

Roggen (Foto: Pixabay)

Roggen (Secale cereale) ist eine relativ widerstandsfähige Getreideart aus der Familie der Süßgräser, die vornehmlich in gemäßigten Klimazonen wächst. Früher war Roggen das wichtigste Brotgetreide überhaupt. Während es zwar so die Ernährungsgrundlage Mitteleuropas bildete, war Roggen aber durch den Mutterkornbefall auch für die Vergiftung ganzer Gemeinden verantwortlich.

Grundlegend gibt es zwei verschiedene Arten von Roggen: Sommerroggen und Winterroggen. Während Sommerroggen kaum von ökonomischer Bedeutung ist, wird in Europa fast ausschließlich Winterroggen angebaut. Diese Art stellt zugleich die winterhärteste Getreideart dar. Roggen gedeiht nämlich sowohl auf sandigen, leichteren Böden, als auch in kühleren und feuchten Regionen.

Woher kommt der Roggen?

Die Ursprünge des Roggens finden sich vermutlich in der Schwarzmeerregion. Bereits vor 8000 Jahren dienten wilde Roggenarten hier als Nahrungsmittel. Von einer gezielten Kultivierung kann aber (noch) nicht gesprochen werden. Ein gezielter Anbau begann regional wahrscheinlich auch erst etwa um 4000 v. Chr. Da Roggen vergleichsweise ‚wenig‘ kultiviert wurde, breitete sich das Getreide – im Gegensatz zu anderen Nutzpflanzen – in Europa wohl in Form von ‚Unkraut‘ oder als Beimischung von Weizen aber nicht durch überregionalen Handel aus.

Erst zu Beginn des Mittelalters etablierte sich Roggen zu einer wichtigen Nutzpflanze Mitteleuropas und Deutschlands. Aufgrund ihrer geringen Standortansprüche und ihrer klimatischen Robustheit, wurden vor allem an ‚ungünstigen‘ Standorten andere Getreidearten wie Weizen oder Hirse verdrängt. So entwickelte sich Roggen im Mittelalter in großen Teilen Deutschlands und Nordeuropas zur wichtigsten Getreideart überhaupt. Aus ihr ließen sich vornehmlich Brot und andere Backwaren herstellen. Aber auch ein spezielles Bier konnte aus Roggen produziert werden. Aufgrund der steigenden Beliebtheit des Roggenbieres, wurde zeitweise die Verwendung von Roggen zu Brauzwecken regional verboten, da die Lust nach Bier teilweise die Ernährungssouveränität gefährdete.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts übertraf die deutsche Anbaufläche von Roggen die des Weizens.

Roggen (Foto: Pixabay)

Wie wird Roggen angebaut?

Grundsätzlich bietet Roggen im Gegensatz zu anderen Getreidearten den großen Vorteil des geringen Standortanspruches: So gedeiht Roggen auch auf sandigen, nährstoffarmen Böden mit geringer Feuchtigkeit. Die Aussaat des Winterroggens erfolgt im frühen Herbst, denn die jungen Pflanzen sind bis zu einer Temperatur von -25°C winterfest und somit die winterhärteste Getreideart weltweit. Im folgenden Frühjahr entwickelt sich die Pflanze relativ schnell, sodass sie verhältnismäßig früh – im August – geerntet werden kann. Daher ist Roggen für Räume mit trockenen Sommern prädestiniert. Durch die primitiveren Umweltanforderungen ist Roggen gleichzeitig weniger empfindlich gegenüber Schädlingen. Folglich ist der Einsatz von Pestiziden und Dünger seltener ‚notwendig‘.

Weiterhin hat Roggen die Eigenschaft, Beipflanzen zu unterdrücken. Im Gegensatz zu anderen Getreidearten wächst in Roggennähe somit weniger ‚Unkraut‘. Daher gilt Roggen als verhältnismäßig pflegeleichtes Getreide. Zusätzlich hinterlässt Roggen auch noch lockere Böden.

(Foto: Pixabay)

Roggen: Fluch und Segen

Das seit jeher vermutlich größte Problem des Roggenanbaus ist der sogenannte Mutterkorn. Dieser Schimmelpilz befällt nach wie vor Roggen und ist extrem giftig. Durch den Verzehr von Roggenbackwaren starben vor allem im Mittelalter viele Menschen an den Folgen von Mutterkornvergiftungen. Lähmungen, Krämpfe, Halluzinationen, Ohnmacht und das Absterben ganzer Gliedmaßen waren die Folge.

Heute ist die Gefahr für Verbraucher faktisch gebannt. Grund dafür sind zahlreiche vorbeugende Maßnahmen: So wird schon beim Anbau versucht, den Mutterkornbefall möglichst stark einzuschränken. Nach der Ernte finden heute zahlreiche Reinigungsprozesse statt, sodass Roggenmehl unbesorgt als gesundes Lebensmittel verzehrt werden kann.

Nach Angaben der FAO werden weltweit ‚lediglich‘ etwa 17 Mio. Tonnen auf knapp 6 Mio. ha Ackerland angebaut. Knapp 800.000 Hektar Ackerfläche dienen in Deutschland dem Roggenanbau, womit Deutschland der größte Produzent weltweit ist.

(Foto: Pixabay)

Roggen: ein lokales Superfood?

Roggen enthält viele Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Aber auch der hohe Anteil von essenziellen Aminosäuren, lässt Roggen zu einem sehr wertvollen Lebensmittel werden.

In Mittel- und vor allem in Osteuropa wird Roggen nach wie vor zur Herstellung von Backwaren – vornehmlich Brot – verwendet. Im Gegensatz zum Weizenteig, ist der des Roggens viel dunkler, fester und gilt zudem als aromatischer. Da Roggenbrot auch relativ langsam austrocknet, findet Roggen auch als sogenanntes ‚Vorratsbrot‘ wie Pumpernickel oder Schwarzbrot Anwendung.

Außerdem kann Roggen aber auch in Form von Grieß oder  Schrot verzehrt werden. Während in Mittel- und Nordeuropa vereinzelt auch noch Roggenbier hergestellt wird, nutzt man Roggen in Nordamerika als Grundlage für spezielle Whiskeyarten.

Wie die meisten Nutzpflanzen findet Roggen inzwischen aber auch in der dermatologischen Kosmetik und in der Bioethanol Anwendung.

Text von Sibylle Krickel

Quellen

Agrilexikon

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