Apfel, Malum

farbige Zeichnung von drei Äpfeln

Fläche global: 4,7 Millionen Hektar
Fläche auf dem Weltacker: 5,9 m² (0,3%)
Herkunftsregion: Zentralasien
Hauptanbaugebiete: China, Indien, Russland, Tükei
Verwendung / Hauptnutzen: Obst, Saft

Äpfel sind heute in Regionen rund um die Welt zuhause und gehören zu den beliebtesten Obstarten weltweit. Unbekannte Früchte pauschal als „Apfel“ zu bezeichnen, war jedoch lange Zeit eine zumindest europäische Einfallslosigkeit, da die frühen Entdecker und Eroberer von ihren Reisen oft Früchte mitbrachten, die in Europa schlicht unbekannt waren. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die „goldenen Äpfel“ aus den griechischen Sagen sowie aus germanischer Überlieferung eigentlich Zitrusfrüchte waren.

Über den Apfelbaum

Der Apfelbaum (Malus domestica) gehört zur Familie der Rosengewächse. Der Laubbaum wird etwa 10-15 Meter hoch. Einen Apfelbaum könnt Ihr an eiförmigen Blättern mit gesägten Blatträndern erkennen. Die Blüten des Baumes sind weiß-rosa und am selben Baum sind sowohl weibliche als auch männliche Blüten zu finden – er ist also ein einhäusiger Baum. Die Äpfel selber sind Scheinfrüchte, denn das Fruchtfleisch wird aus dem Blütenboden gebildet, in den die eigentliche Frucht, das Gehäuse mit den Kernen, eingebettet ist.

Fast alle Apfelsorten sind Fremdbestäuber. Das heißt, die Eizellen im weiblichen Teil der Blüte können nur vom Pollen einer anderen Apfelsorte befruchtet werden. Zur Selbstunfruchtbarkeit kommt außerdem eine hohe Mischerbigkeit, sodass bei jeder Kreuzung ein Apfel mit neuen individuellen Eigenschaften entsteht. Das bedeutet, um eine Sorte mit annähernd gleichen Eigenschaften herauszubekommen, müssten aus Kernen des gleichen Baumes mehrere tausend Sämlinge großgezogen werden. Um die gewünschte Apfelsorte zu erzielen, wird daher geklont bzw. veredelt, indem Reiser, also dünne Zweige, vom gewünschten Baum auf eine Unterlage gepfropft werden.

Apfelbäume gehören zu den Flachwurzlern, weshalb sie auch auf weniger tiefgründigem Boden angebaut werden können. Sie bevorzugen einen lehmhaltigen, humosen und kalkhaltigen Boden, gedeihen aber auf fast allen Böden, wenn sie genügend Feuchtigkeit aufweisen.

Obwohl Apfelbäume in fast allen Winterhärtezonen wachsen können, gedeihen sie eher in Klimazonen mit kalten Wintern, gemäßigten Sommern und mittlerer bis hoher Luftfeuchtigkeit als in heißen und trockenen Zonen. Höhere Temperaturen und längere Dürreperioden als Folgen der Klimaerwärmung führen gemäß vorliegenden Studien zu geringerem Wachstum, geringeren Erträgen und einer verminderten Fruchtqualität.

Mystische Geschichte

Um 10.000 vor unserer Zeitrechnung wuchsen auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan Äpfel, die auch der ehemaligen Hauptstadt ihren Namen gaben: „Almaty“, heute „Alma-Ata“, heißt übersetzt „Stadt des Apfels“. Dieser asiatische Holzapfel war noch klein und holzig, hatte viele Kerne und schmeckte sauer. Über die alten Handelsstraßen gelangte er im letzten Jahrtausend v. u. Z. in den Schwarzmeerraum und wurde dort von Griechen und Römern kultiviert.

Die kultivierte Frucht war ausgesprochen teuer und galt bei den Griechen als Aphrodisiakum, während der Apfel im Alten Testament stellvertretend für den biblischen Sündenfall stand. Malum, das lateinische Wort für Apfel, führte dazumals zum lateinischen Adjektiv malus für schlecht und böse. Aus diesem leitet sich das Adjektiv schlecht in vielen (romanischen) Sprachen bis heute ab. Im französischen und portugiesischen mal, im italienischen male oder auch im Englischen malicious – überall steckt noch der Apfel drin. Von Italien aus gelangte der Apfel um 100 v.  u.  Z. mit den römischen Feldzügen nach Nordeuropa und erreichte dort auch bei Kelten und Germanen mystischen Status. Für die Kelten war der Apfel Symbol für Tod und Wiedergeburt (die Paradies-Insel Avalon bedeutet Apfelland), bei den Germanen wachte die Göttin Iduna über goldene Äpfel, die Unsterblichkeit verleihen konnten.

Im ersten Jahrhundert v. u. Z. wurden bereits im gesamten deutschen Rheintal Äpfel kultiviert, dennoch blieb die Frucht bis in die Neuzeit hinein ein Luxusobjekt und galt als Herrschaftssymbol.

Über Jahrtausende galten Äpfel als Symbol für Reichtum, Liebe und Fruchtbarkeit – Assoziationen, die durch die moderne industrielle Massenproduktion fast verschwunden sind. Heute steht der Apfel an vierter Stelle der weltweiten Rangliste für Obstsorten – nach Bananen, Trauben und Mangos.

Äpfel werden mittlerweile an vielen Orten auf der Welt angebaut. Im Jahr 2022 wurden laut der FAO weltweit knapp 96 Millionen Tonnen Äpfel geerntet. 76,8 % davon stammen aus nur 10 Ländern. Das größte Erzeugerland China produzierte fast die Hälfte der Welternte, gefolgt von Türkei (gerechnet in Tonnen – Indien baut auf größeren Flächen an als die Türkei, hat aber geringere Erträge).

Seit Chinas Beitritt in die WTO 2001 gehören Äpfel zu den wettbewerbsfähigsten Agrarexportprodukten des Landes. China hat aber auch einen überdurchschnittlich hohen Pro-Kopf-Verbrauch im eigenen Land. Mehr als die Hälfte der in China produzierten Äpfel sind Fuji-Äpfel, die für ihre Süße und die knackige Textur bekannt sind. Es gibt zwar an den unterschiedlichsten Orten des Landes Apfelbäume, aber rund 80 Prozent der Apfelproduktion stammt aus den beiden Regionen Bohai Bay und Loess Plateau. Es sind zumeist Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die dort Äpfel anbauen und auch wenn China der mit Abstand größte Apfelproduzent weltweit ist, so sind die Standards bei Mechanisierung, Bewässerung und Produktionsmenge deutlich unter denen anderer Länder mit Apfelproduktion. Ein großes Problem ist, dass Kunstdünger erschwinglich ist und die kleinbäuerlichen Betriebe ihre Apfelplantagen nach eigenem Ermessen düngen, so dass Stickstoff- und Nitratbelastung in den Böden zu Umweltproblemen führen.

Apfel als Symbol

Bis weit ins europäische Mittelalter galt der Apfel als Reichsapfel als Symbol für Macht, Herrschaft und Vollkommenheit.

Als Glücks- oder Todesapfel kommt er in vielen deutschen Märchen vor, am prominentesten bei Schneewittchen, dessen böse Stiefmutter den Apfel vergiftet, um das Mädchen zu töten.

Der englische Physiker Isaac Newton wurde auf das allgemeine Gesetz der Schwerkraft gestoßen, als ihm während eines Mittagsschläfchens unter einem Apfelbaum ein Apfel auf den Kopf fiel.

In Friedrich Schillers berühmtem Drama Wilhelm Tell schießt der Jäger gleichen Namens seinem Sohn Walter mit einer Armbrust einen Apfel vom Kopf.

Weil dem biblischen Adam ein Bissen der verbotenen Frucht im Hals stecken geblieben sein soll, wird der vorspringende Knorpel des Kehlkopfes Adamsapfel genannt.

New York wird als „Big Apple“ bezeichnet, da es laut einer Quelle vom Anfang des 20. Jahrhunderts einen unausgewogen großen Anteil des nationalen Reichtums bekam.

Der Apple-Computer verdankt seinen Namen und sein Logo vielleicht Gründervater Steve Jobs und dessen Verehrung für die Beatles, deren Plattenlabel Apple Records hieß. So oder so war der „Biss aus dem Apfel“ bzw. vom Baum der Erkenntnis eine Anspielung auf die Maßeinheit der Computertechnik „Byte“ und sollte Wissenszuwachs symbolisieren.

Auch wenn Weihnachten in China kein traditionellles Fest ist: Unter jungen Chines*innen ist es zunehmend beliebt, sich zu Weihnachten einen Apfel zu schenken.  Die chinesischen Wörter für „Apfel“ und „Frieden“ klingen recht ähnlich, daher wird in China Frieden gerne mit einem Apfel symbolisiert. Aus der Übersetzung für die Heilige Nacht (chin.: Ping An Ye) und Apfel (chin. Ping Guo) wird als Wortspiel der Friedensapfel,

“An Apple a Day keeps the Doctor away”

Ein Apfel besteht zwar zu 85% aus Wasser, enthält jedoch auch viel Vitamin C und B, Calcium, Magnesium und reichlich Kalium. Mit einem moderaten Anteil an Zucker (11-12%) und Kohlehydraten (10-18%) einerseits und ballaststoffreichen Apfelfasern andererseits hat der Verzehr von Äpfeln eine zusammenziehende, abführende und verdauungsfördernde Wirkung.

Äpfel sind reich an Antioxidantien wie Polyphenolen, Flavonoiden und Carotinoiden sowie Aminosäuren, Fruchtsäuren, Farb- und Gerbstoffen. Mit ihrer entzündungshemmenden und keimtötenden Wirkung tragen sie zu einem verminderten Risiko für Krebs, Asthma, Diabetes und Herz-Kreislauf-Störungen bei, stärken das Immunsystem und leisten einen Beitrag zur Osteoporose-Prävention.

Die gesundheitsfördernden Stoffe stecken dabei vor allem in der Schale. Außerdem variiert die Zusammensetzung der wirksamen Substanzen sehr stark in Abhängigkeit von der Sorte, aber auch während des Reifeprozesses und durch die Lagerung.

Vielfalt in Gefahr

Schätzungsweise gab es mehr als 30.000 Apfelsorten auf der Welt. 4.500 offiziell beschriebene sollen schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur Blütezeit der Pomologie in Europa und Nordamerika bekannt gewesen sein. Die alten Apfelschätze wuchsen zu dieser Zeit meist auf Streuobstwiesen, auf denen die Obstbäume anders als im modernen Plantagenanbau wild verstreut stehen. Sie verdanken ihren Namen den locker über die Fläche „gestreuten“ großkronigen Obstbäumen. Im Unterschied zu den Streuobstäckern werden sie im „Untergeschoss“ als Mähwiesen oder Weiden genutzt.

Streuobstwiesen und Obstsorten-Vielfalt gerieten spätestens ab Mitte des 20. Jahrhunderts in Gefahr: Die freie Marktwirtschaft mit ihrem Streben nach wirtschaftlichem Profit führte zu einem immer rationelleren Erwerbsobstbau. Hierfür musste die Sortenvielfalt verringert und standardisiert werden als auch Anbau und Ernte auf eine ertragsorientierte Plantagenwirtschaft umgestellt werden. In den 1970er Jahren wurde die Rodung alter Apfelbäume mit ihren Hochstämmen und die Umstellung auf kleine, am Spalier wachsende Bäume von der Europäischen Gemeinschaft intensiv gefördert, der Markt wurde streng reglementiert. Baumschulen dürfen heute nur noch Sorten anbieten, die amtlich registriert und beschrieben oder die sortenrechtlich geschützt sind.

Golden Delicious, Red Delicious, Gala und Fuji sind heut die vier mit Abstand meistproduzierten Apfelsorten weltweit, gefolgt von Idared, Jonagold, Granny Smith, Braeburn, Cripps Pink und Jonathan. Diese klassischen Tafelobstsorten wurden so gezüchtet, dass sie einheitlich große Früchte bringen, leicht zu ernten sind und immer gleich gut schmecken – egal aus welchem Land sie kommen. Eine der beliebtesten Obstarten weltweit ist so zu einem Industrieprodukt geworden.

Heute werden kaum mehr Sämlinge bewusst angebaut, aber letztlich entsprang genau dieser Tradition die Basis für die heutige Sortenvielfalt bei allen Obstarten. Streuobstwiesen führen mittlerweile ein Nischendasein als vielerorts gesetzlich geschützter Lebensraumtyp, deren umweltverträgliche Nutzung die Anwendung synthetischer Behandlungsmittel wie Pestizide und Dünger ausschließt. Sie sind jedoch trotz wiedererwachten Interesses durch Bebauungsdruck und Nutzungsaufgabe wegen mangelnder Rentabilität nach wie vor gefährdet. Schutz und Stärkung von Streuobstwiesen wäre nicht nur eine Gelegenheit zur Wiederbelebung der Apfelsorten-Vielfalt, sondern böte auch über 5.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten Nahrung und Unterschlupf.

Quellen

Guerra, Walter: Globale Sortentrends beim Apfel. Link.
Wang et al. (2016): Towards sustainable intensification of apple production in China — Yield gaps and nutrient use efficiency in apple farming systems. Link.
Planetwissen.de: Apfelsorten. Link.
Arche Noah: Obst. Von Äpfeln und Birnen. Link.