Orange, Citrus x sinensis L.

Fläche global: 3,4 Millionen Hektar
Fläche auf dem Weltacker: 4,3 m² (0,22%)
Herkunftsregion: China
Hauptanbaugebiete: Brasilien, China, Mexiko
Verwendung / Hauptnutzen: Obst, Saft
Die Orange ist die weltweit am häufigsten angebaute Zitrusfrucht und wird seit über 7000 Jahren in Südostasien kultiviert. Die leuchtende Farbe ihrer Früchte gab sogar dem Farbton seinen Namen. Die Orange ist aus einer Kreuzung zwischen Mandarine und Pampelmuse entstanden und gehört zur Gattung der Zitruspflanzen. Durch die gleichen Elternarten ging auch die Bitterorange hervor, die wegen des ganz anderen Geschmacks von der Orange unterschieden wird.
Orangen – nicht immer orange!
Orangenbäume sind kleine bis mittelgroße immergrüne Bäume mit einer runden Baumkrone. An den Zweigen wachsen ledrige Laubblätter und dünne, stumpfe Dornen. Orangenbäume entwickeln weiße wohlriechende Blüten und tragen auch ohne Fremdbefruchtung Früchte. Die typische orange Farbe entwickelt die Frucht erst durch kalte Nächte. In tropischen Regionen bleibt die Orange auch während der Reifung außen grün. Kurios: Weil viele Konsument*innen grüne Orangen für unreif halten, werden grüne Früchte vor dem Verkauf oft mit Ethylengas entgrünt. Dies hat zwar Qualitätseinbußen zur Folge, orangene Orangen lassen sich aber besser vermarkten. Die Öldrüsen in der Fruchtschale der reifen Orange verströmen einen aromatischen Duft. Die innere Schale ist weiß und mit den zehn bis dreizehn Fruchtsegmente im Innern der Orange verwachsen. Dadurch lässt sich die Orange schlechter schälen oder teilen als andere Zitrusfrüchte.
Es gibt vier Gruppen von Süßorangen: Die Blondorangen haben eine runde Fruchtform und bilden die wichtigste Gruppe. Die Navelorangen (auch Bahia-Orangen) kommen aus Brasilien und zeichnen sich durch eine Ausstülpung am Blütenpol aus. Aus ihnen lässt sich gut Saft gewinnen. Die Gruppe der pigmentierten Orangen umfasst die Blut- und Halbblutorange und zeichnen sich durch ihr in verschiedenen Rottönen gefärbtes Fruchtfleisch aus. Die Gruppe der säurefreien Orangen sind in Indien beheimatet und haben eine grüne oder gelbe Schale. Sie besitzen wenig Säure und haben einen süßen Geschmack.
Orangenland Brasilien
Heute ist Brasilien mit Abstand der weltweit größte Orangenproduzent. Orangen oder Orangensaft sind in Brasilien in fast allen Haushalten zu finden und fast 30 Prozent der brasilianischen Orangenproduktion wird im Inland konsumiert. Der Rest wird hauptsächlich in Form von Orangensaftkonzentrat nach Nordamerika und Europa exportiert.
Die Orange wurde bereits zu Beginn der Kolonialisierung in Brasilien eingeführt. In der fruchtbaren Erde und unter der warmen Sonne Brasiliens fand sie ideale Bedingungen vor, um Wurzeln zu schlagen. Um das Jahr 1800 herum entwickelte sich in der Stadt Salvador da Bahia eine spezielle Orangensorte, die als Bahia-Orange bekannt wurde und die Orangenproduktion zu einem Zweig der brasilianischen Landwirtschaft machte. Zu einem Exportprodukt wurde die brasilianische Orange dann Ende des 19. Jahrhunderts: Durch den amerikanischen Bürgerkrieg kam es zu einem erheblichen Einbruch in der nordamerikanischen Orangenproduktion. Dieser Mangel auf den nordamerikanischen Märkten gab Brasilien die Möglichkeit, nicht nur frische Orangen, sondern auch Orangensaft zu exportieren. So entstanden im Landesinnern des Bundesstaates São Paulo nach und nach kleine Fabriken, die Orangensaft produzierten, sich mit den Jahren vergrößerten und ihre Stellung auf dem Weltmarkt bis heute halten konnten. Mit großem Abstand kommen nach Brasilien Indien, China und Mexiko als weitere wichtige Orangenproduzenten. Insgesamt produzieren über 140 Länder Zitrusfrüchte. Der größte Importeur von Orangensaft und Konzentrat sind die USA. Die Niederlande importieren hingegen am meisten frische Orangen.
Gesunde Lebensretterin
Dass Orangen reich an Vitamin C sind und damit das Immunsystem stärken, ist sicher vielen bekannt. Schon früher nahmen viele Seefahrer Zitrusfrüchte, vor allem Orangen, mit an Bord, um Skorbut zu bekämpfen. So wurde die Orange damals zur Lebensretterin.
Aber in Orangen stecken noch viele weitere gesunde Stoffe: Zum Beispiel eine gute Portion Magnesium und etwas Kalzium. Diese beiden Mineralien helfen beim Erhalt von stabilen Knochen und Zähnen. Auch haben Studien gezeigt, dass regelmäßiger Konsum von Orangen zur Senkung des Blutdrucks beitragen kann. Dafür ist wohl das Kalium in den Orangen verantwortlich. Das weiße Häutchen, das die Orangenschnitze umhüllt, ist sehr gesund und sollte auf jeden Fall mitgegessen werden: In ihm sind sekundäre Pflanzenstoffe, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken können und Ballaststoffe, die zu einer guten Verdauung beitragen. Weiter kann der regelmäßige Konsum von Orangen den Cholesterinspiegel senken und durch das viele Vitamin C die Aufnahme von Eisen im Körper erleichtern. Eine Studie der Universität Hohenheim von 2015 kam zum Schluss, dass der Mensch bestimmte Inhaltsstoffe wie das Vitamin C beim Trinken von Orangensaft wohl besser aufnehmen kann als beim Essen einer unverarbeiteten Orange. Hier ist es aber wichtig, darauf zu achten, dass der Saft ohne Zuckerzusätze ist. Auch sonst sollte Orangensaft nur in Maßen getrunken werden, weil er neben den gesunden Inhaltsstoffen auch viel natürlichen Fruchtzucker enthält.
Neben dem Fruchtfleisch finden in viel kleinerem Umfang auch die Schalen der Orangen Verwendung. Aus ihnen werden edle Duftstoffe gewonnen, die in verschiedener Form in der Parfümindustrie Verwendung finden. Mit hauchdünnen Zestern aus Orangenschalen können Speisen aromatisiert werden und sowohl getrocknete Orangenschalen wie auch Orangenblüten können Teemischungen beigefügt werden.
Krankheit bedroht die Orangenproduktion
Die großen Orangenanbaugebiete in Florida und Brasilien sind von einer Krankheit bedroht: Die gelbe Drachenkrankheit, auf Englisch citrus greening disease, wird durch Bakterien ausgelöst, die von Blattflöhen übertragen werden. Wenn sich eine Zitruspflanze mit der Krankheit ansteckt, kann sie ihre Nährstoffe nicht mehr richtig transportieren. Die Früchte bleiben klein und reifen nicht aus, sondern bleiben fade und trocken. In Florida konnten wegen der gelben Drachenkrankheit im Jahr 2016 nur noch halb so viele Orangen geerntet werden wie 2009 und es wird befürchtet, dass sich die Krankheit in Zukunft auch in weiteren Orangenanbaugebieten ausbreitet. Die Versuche, resistente Orangensorten zu züchten, waren bislang erfolglos. Zur Bekämpfung der Blattflöhe werden große Mengen an Insektiziden versprüht, aber auch eine gute Nährstoffversorgung und schnelles systematisches Abholzen von befallenen Bäumen helfen bei der Eindämmung der Krankheit. Der Aufwand ist groß und teuer. So müssen viele kleine Anbaubetriebe um ihre Existenz kämpfen oder sogar den Betrieb einstellen.
Quellen
AFZAL, Uroosha; PAUL, Virginia. CRITICAL REVIEW ON THERAPEUTIC VALUE OF ORANGES (CITRUS SINENSIS). 2023.
ETEBU, E.; NWAUZOMA, A. B. A review on sweet orange (Citrus sinensis L Osbeck): health, diseases and management. American Journal of Research Communication, 2014, 2.2: 33-70.
Lexikon des Agrarraums: Orange. Link.
Pflanzenlexikon: Orange. Link.
Feitoza & Gasparotto (2020): A study on national production of concentrated orange juice. Link.