Lupine; Lupinus spp.

Fläche global: 1 Millionen Hektar
Fläche auf dem Weltacker: zu klein, wächst bei einigen Weltäckern als Grünfutter
Herkunftsregion: Ägypten, Griechenland und die Anden
Hauptanbaugebiete: Australien, Polen, Marokko
Verwendung / Hauptnutzen: Eiweißquelle, Gründüngung, Futtermittel

Lupinensamen enthalten viel Protein und wurden von der NASA als potenzielle Nahrungsquelle für Weltraummissionen erforscht. Ihre hohe Anpassungsfähigkeit macht sie sogar für extreme Umgebungen interessant. Wer ist dieser Alleskönner? Begebt euch auf eine Entdeckungsreise der Lupine.

Bodenverbesserer mit leuchtend schönen Blüten

Die Lupine (Lupinus spp.) gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) und umfasst mehr als zweihundert Arten. Besonders bekannt sind die Süßlupine (Lupinus albus), die Gelbe Lupine (Lupinus luteus) und die Blaue Lupine (Lupinus angustifolius).

Die Pflanze wächst meist einjährig und erreicht Höhen zwischen 50 cm und 1,5 m. Ihre dichten Blütenstände bestehen aus leuchtend blauen, weißen oder gelben Einzelblüten, die typisch für Schmetterlingsblütler sind. Nach der Bestäubung entwickeln sich flache Hülsen, die zahlreiche Samen enthalten – das eigentliche Nutzprodukt der Pflanze.

Lupinen sind bemerkenswerte Bodenverbesserer, da sie in Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobium) Stickstoff im Boden binden. Dadurch werden die Böden fruchtbarer, was die Pflanze nicht nur als Nahrungs- und Futtermittel, sondern auch für die Landwirtschaft selbst wertvoll macht. Zudem gedeiht die Lupine auf nährstoffarmen Böden und in kühlen Klimazonen, was sie für Regionen mit schwierigen Anbaubedingungen prädestiniert. Sie brauchen allerdings gut durchlässige Böden – zu viel Feuchtigkeit kann den Anbau erschweren.

Vom Futtermittel zur Nahrungspflanze

Die Lupine hat eine lange Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht. Bereits vor über 4.000 Jahren wurde sie im Mittelmeerraum angebaut, vor allem in Griechenland und Ägypten. Die alten Ägypter nutzten Lupinensamen als Nahrung und die Pflanze zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, während die Römer sie als Futtermittel für ihre Tiere einsetzten.

In Südamerika wurde die Anden-Lupine (Lupinus mutabilis) von den Inka kultiviert. Sie galt als wichtige Eiweißquelle und war ein Grundnahrungsmittel in den Andenregionen. Mit der Kolonialisierung und der globalen Ausweitung des Handels fand die Anden-Lupine ihren Weg nach Europa und später in andere Teile der Welt.

Im 20. Jahrhundert revolutionierte die Züchtung der Süßlupine den Anbau. Durch die Reduktion der Bitterstoffe (Alkaloide) eignete sich die Pflanze besser für den menschlichen Verzehr, was ihre Popularität vor allem in Europa steigerte. Heute ist Australien der weltweit größte Produzent, insbesondere der Blauen Lupine. In Europa haben sich Länder wie Polen, Deutschland und Russland auf die Produktion spezialisiert, oft als nachhaltige Alternative zu Soja aus Übersee.

Eine gesunde Soja-Alternative?

Süßlupinen sind nicht nur gut für den Boden, sondern auch gesund für Mensch und Tier. Sie sind reich an Eiweiß und Ballaststoffen. Sie werden zu Lupinenmehl, pflanzlichen Proteinalternativen, Milch, Joghurt und Fleischersatz verarbeitet – es gibt zum Beispiel auch Eis mit Lupinen-Milchersatz. Doch nicht nur tierische Produkte ersetzt die Lupine, beliebt ist auch der Lupinen-Kaffee als koffeinfreie Alternative. Im Mittelmeerraum sind zudem eingelegte und gesalzene Süßlupinensamen sehr beliebt als Snack. In Australien und anderen Ländern wird Lupinenprotein auch als Zutat in Schokolade, Suppen und Fertigprodukten genutzt.

Doch obwohl die Nachfrage nach Lupinenprodukten steigt, bleibt der Markt im Vergleich zu Soja noch sehr klein. Einzelne Initiativen, z.B. in Polen und Deutschland, versuchen, die Lupine als regionale Alternative zur importierten Soja zu etablieren. Sie bietet eine gute Chance, sich unabhängig von den Soja-Importen aus Südamerika zu machen und damit auch einen Beitrag zu weniger Regenwald-Abholzung zu leisten.