Tomate, Solanum lycopersicum

Fläche global: 5,28 Millionen Hektar
Fläche auf dem Weltacker: 6,67 m² (0,33%)
Herkunftsregion: Mittel- oder Südamerika
Hauptanbaugebiete: China, Nigeria, Indien
Verwendung / Hauptnutzen: Nahrungsmittel (frisch, gekocht, konserviert), Soßen, Ketchup
Ist die Tomate eine Frucht oder ein Gemüse? Ein Streitpunkt, denn botanisch gesehen ist sie eine Frucht, genau genommen eine Beere, aber kulinarisch wird sie meist als Gemüse genutzt. Die Frage landete 1893 sogar vor dem Obersten Gerichtshof der USA: der Händler Nix v. Hedden wollte auf die Einfuhr von Tomaten Zölle sparen und argumentierte deshalb, dass Tomaten botanisch Früchte seien und kein Gemüse. Das Gericht entschied jedoch, dass Tomaten rechtlich als Gemüse einzustufen seien und so wurde Nix v. Hedden zur Kasse gebeten und musste die teureren Gemüse-Zölle zahlen.
Beeren in allen Farben und Formen
Die Tomate gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) und ist eine mehrjährige Pflanze, die in der Landwirtschaft jedoch meist einjährig kultiviert wird. Sie wächst in 90 bis 150 Tagen und mag es mild und sonnig: Optimal sind Temperaturen zwischen 18 und 25 Grad Celsius am Tag und zwischen 10 und 20 Grad Celsius bei Nacht. Auf Frost reagiert sie sehr empfindlich. Sie kann auf vielen Böden wachsen, aber besonders genießt sie gut entwässerten, lehmigen Boden.
Sie kann als Strauch oder Rankpflanze wachsen und erreicht je nach Sorte Höhen von 1 bis 3 Metern, wenn sie gestützt wird. Die Früchte variieren stark in Form, Größe, Farbe und Geschmack – von kleinen Kirsch- oder Cocktailtomaten bis hin zu großen Fleischtomaten.
Zierpflanze, kulinarischer Superstar, Industrieprodukt
Die Tomate existierte in Wildform schon lange, wurde aber erst ca. im siebten Jahrhundert domestiziert und von Hochkulturen wie den Azteken und Maya kultiviert. Ihre genaue Domestizierungsgeschichte ist umstritten – manche Theorien gehen von einer ursprünglichen Kultivierung im heutigen Mexiko aus, andere verorten sie in Peru.
Nach ihrer Entdeckung durch europäische Eroberer gelangte sie im 16. Jahrhundert nach Europa, wo sie zunächst zögerlich als Zierpflanze angebaut wurde. Tatsächlich glaubten die Europäer*innen, die Tomate sei giftig.
Erst im 18. Jahrhundert fand sie Einzug in die mediterrane Küche und erlangte in Ländern wie Italien eine immense Popularität – so wurde der Tomate auch der Name „pomodoro“ (goldener Apfel) gegeben. Heute ist China der weltweit größte Produzent von Tomaten, gefolgt von Nigeria, Indien und der Türkei. Der Anbau erfolgt sowohl auf Freilandfeldern als auch in großen Gewächshäusern, letzteres insbesondere in Ländern mit kühleren Klimazonen.
China ist dabei der größte Exporteur von Tomaten – chinesische Tomaten werden in Europa, Afrika und Asien, aber auch in Nord- und Südamerika verspeist. Sie werden insbesondere in Form von Konzentrat, Tomatenmark und in Dosen gehandelt. Rund um die Welt wird das Industrieprodukt Tomatenmarkt verspeist und zu Gerichten hinzugefügt. Große Fastfood-Ketten, insbesondere die Pizza und Nudeln anbieten, kaufen und verkaufen in Massen Tomatenprodukte aus aller Welt.
Mit roter Farbe zum Superfood
Tomaten sind kalorienarm und reich an Nährstoffen. Sie enthalten große Mengen an Vitamin C, Vitamin K, Kalium und je nach Farbe das starke Antioxidans Lycopin, das eine schützende Wirkung gegen Herzkrankheiten und bestimmte Krebsarten haben kann. Lycopin ist der rote Farbstoff der Tomate und erhielt von ihrer lateinischen Bezeichnung seinen Namen. In vielen Küchen sind Tomaten ein unverzichtbarer Bestandteil: Sie werden roh in Salaten, gekocht in Saucen oder Suppen und als Basis für Ketchup oder Tomatenmark verwendet. Der Geschmack und die Vielseitigkeit der Tomate machen sie zu einem Grundnahrungsmittel, das sowohl in traditionellen als auch modernen Gerichten auf der ganzen Welt eine Rolle spielt.
Pestizide und Gentechnik
Der Tomatenanbau steht vor verschiedenen Herausforderungen. Ein großes Problem ist die Anfälligkeit der Tomatenpflanze für Krankheiten und Schädlinge. Für beides steigt das Risiko, wenn die Tomaten in Monokulturen angebaut werden. Besonders Pilzkrankheiten wie die Kraut- und Braunfäule können zu erheblichen Ernteverlusten führen. In vielen Regionen wird daher intensiv auf Pestizide zurückgegriffen, was wiederum ökologische und gesundheitliche Bedenken aufwirft. Zudem ist der Wasserkonsum beim Tomatenanbau hoch, was in wasserarmen Regionen problematisch sein kann.
Der Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut und die Fokussierung auf ertragreiche Hybridsorten führt dazu, dass viele traditionelle und widerstandsfähigere Sorten in den Hintergrund gedrängt werden. In den letzten Jahren sind daher Initiativen entstanden, die sich auf nachhaltigen und biologischen Tomatenanbau konzentrieren. In Europa, insbesondere in Italien und Spanien, finden sich zahlreiche Projekte, die alte und seltene Tomatensorten wieder aufleben lassen und dabei auf ökologische Anbaumethoden setzen. Aber auch weltweit finden sich vermehrt Initiativen zur Förderung zukunftsfähigen Tomatenanbaus. Ein Beispiel ist die Heritage Food Crops Research Trust in Neuseeland. Dieses Projekt widmet sich dem Anbau und Erhalt alter Tomatensorten, insbesondere solcher mit gesundheitlichen Vorteilen wie einem hohen Anteil an Anthocyanen – ähnlich wie Lycopin – stark antioxidativen Farbstoffen. Neben dem Erhalt der genetischen Vielfalt fördert die Trust Forschung zu gesundheitlichen Vorteilen von Tomaten und konzentriert sich dabei auf Sorten, die einen positiven Einfluss auf die menschliche Gesundheit haben. Die Forschenden untersuchen den Nährwert der Sorten und zeigen dabei auf, wie der biologische Anbau den ökologischen Fußabdruck dieser wichtigen Kultur verringern kann.
Quellen
Monde Diplomatique: In der roten Kammer von Jintudi Foodstuff. Link.
Monde Diplomatique: Täglich Tomate. Globaler Einheitsbrei in Dosen. Link.
FAO: The journey from poisonous curiosity to popular ingredient. Link.
FAO: Tomato. Link.
Kiepenkerl: Historie der Tomate. Die interessante Erfolgsgeschichte von giftiger Zierpflanze zum beliebten Lebensmittel. Link.
Reisekompass: Gemüse oder Obst? Link.
Pflanzenforschung.de: Tomate. Link.
Heritage Food Crops Research Trust. Link.