Zuckerrübe, Beta vulgaris

Fläche global: 4,4 Millionen Hektar
Fläche auf dem Weltacker: 5,6 m² (0,28%)
Herkunftsregion: Schlesien
Hauptanbaugebiete: Russland, USA, Deutschland
Verwendung / Hauptnutzen: Saccharose (Zucker), Melasse, Tierfutter, Bioenergie
Die Geschichte der Zuckerrübe in Europa ist stark geprägt von politischen Einflüssen. Im 19. Jahrhundert wurde die Einfuhr von billigerem Rohrzucker aus den Kolonien blockiert und so blühte der Zuckerrübenanbau unter der Herrschaft Napoleons im 19. Jahrhundert richtig auf.
Die zuckerreiche Verwandte der Roten Bete
Die Zuckerrübe ist eine zweijährige Pflanze, die, wie Rote Bete, Mangold oder Futterrübe, von der Wildform „Gemeine Rübe“ abstammt. Sie zählt zu den Gänsefußgewächsen und ist im Mittelmeerraum und an der Nordseeküste heimisch. Im ersten Jahr kann die Zuckerrübe einen halben Meter hoch wachsen. Hierbei bildet sie eine Blattrosette mit breitflächigen Blättern und unterirdisch eine fleischige Rübe aus, die bis zu drei Kilogramm schwer werden kann. Im zweiten Jahrbeginnt sie ihre Blüte zu entwickeln und streckt ihren Blütenstand bis zu zwei Meter dem Himmel entgegen. Die Zuckerrübe ist ein Tiefwurzler und kann bis in tiefe Bodenschichten vordringen.
Eine mehr oder weniger süße Geschichte
Die Zuckerrübe wurde aus der Futterrübe auf erhöhten Zuckergehalt gezüchtet. 1796 stellte der Chemiker Franz Carl Achard in Kaulsdorf bei Berlin den ersten Rübenzucker der Welt aus einer Runkelrübe her. Bereits im Jahr 1801 eröffnete die erste Zuckerrübenfabrik in Konary im heutigen Polen zur Herstellung von industriellem Zucker.
In Europa erblühte der Zuckerrübenanbau besonders durch die Herrschaft Napoleons im 19. Jahrhundert. Dieser erließ eine Kontinentalsperre, die Seewege aus England wurden gekappt. Die englische Marine wiederum blockierte die Seewege aus den französischen Kolonien und damit auch die Einfuhr von billigem Rohrzucker aus der Karibik. Der anhaltende Zuckerhunger ließ den Anbau von Zuckerrüben so in Europa ansteigen. Immer mehr Zuckerrübenfabriken entstanden. Auch nach dem Ende der Herrschaft Napoleons blieb die Zuckerrübe eine politische Angelegenheit.
Um die europäische Zuckerproduktion zu protegieren, wurde sie seit den 1970-iger Jahren durch das sogenannte Zuckerprotokoll geschützt. Dieses bilaterale Handelsabkommen zwischen der EU und einem Teil der AKP-Staaten (Organisation von 79 afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten) diente vor allem dem Erhalt der europäischen Arbeitsplätze und der Unabhängigkeit von ausländischen Produzenten. Es gab EU-weit feste Quoten für die Produktion von Zucker aus Zuckerrüben, die die Produktion und die Preise stabil hielten. Die Welthandelsorganisation WTO kritisierte die Diskriminierung nicht-europäischer Hersteller und die Einschränkung des internationalen Wettbewerbs und verordnete 2004/5 eine schrittweise Öffnung des europäischen Marktes. Der Export von Zucker aus der EU wurde auf 1,4 Millionen Tonnen jährlich begrenzt und gleichzeitig eine Importfreigabe für die ärmsten Exportländer von Zucker bestimmt, um diese bei ihrer Entwicklung zu unterstützen. Das Zuckerprotokoll lief Ende 2017 aus. Seit dann ist der EU-Binnenmarkt weitestgehend dereguliert – heute bestimmen also Angebot und Nachfrage die Produktion. Die EU erhebt außerdem hohe Schutzzölle auf importierten Zucker und „schützt“ dadurch den Anbau und die Wettbewerbsfähigkeit von Zuckerrüben innerhalb der EU. 2025 lag der Einfuhrzoll auf Zucker bei 41,90€ je 100 kg Zucker. Heute ist die Zuckerrübe in Europa die zuckerreichste Kulturpflanze, wird aber auch in Nordamerika, Nordafrika und in Teilen Asiens angebaut.
Alles Zucker
Der Hauptgrund für den Anbau von Zuckerrüben liegt in der Gewinnung von Kristallzucker. Die Rüben bestehen aus rund 20 Prozent Zucker und führen mit dem Zuckerrohr die Liste der zuckerreichsten Kulturpflanzen an. Zum Vergleich: Birnen enthalten nur knapp 10 Prozent Zucker.
Um Zucker aus den weißen Rüben zu gewinnen, werden diese zu Schnitzeln zerkleinert und eingedampft. Der daraus entstehende Saft wird eingedickt, bis eine zähflüssige dunkelbraune Zuckerlösung entsteht. In weiteren Schritten wird der Zucker auskristallisiert. Die entzuckerten Rübenschnitzel werden als Futtermittel für Rinder, Schweine, Pferde und Schafe eingesetzt. Außerdem gewinnt die Verwendung von Zuckerrüben in der Bioethanol- und Biogasherstellung zunehmend an Bedeutung.
Zucker ist aus den Ernährungsgewohnheiten kaum mehr wegzudenken und steht in Verbindung mit vielen Volkskrankheiten. Krankheiten wie Diabetes mellitus, Übergewicht, Herzkrankheiten, Gicht und Zahnprobleme werden potenziell von erhöhtem Zuckerkonsum gefördert. Selbst mit einigen Krebsarten wird dieser in Verbindung gebracht. Den eigenen Zuckerkonsum auf ein Minimum einzuschränken, ist jedoch nicht einfach. Viele Produkte im Supermarkt enthalten hohe Mengen an zugesetztem Zucker, da er billig ist und den Geschmack verstärkt. Also immer gut hinschauen oder das Essen selber machen: Zucker ist entgegen allen Beteuerungen der Zuckerindustrie gesundheitsschädlich. Während natürlicher Zucker, wie er in Früchten, Gemüse oder vollwertigen Lebensmitteln vorkommt, wichtig und gesund ist. Neben den offensichtlichen Dingen wie Verwendung in Süßigkeiten steckt auch viel zugesetzter Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln wie Ketchup, Fertigsoßen, Tiefkühlpizzen, Fruchtjoghurts etc. Damit wird das Zuckerlimit oft unbemerkt überschritten – ganz ohne Softdrinks, Eis oder Schokolade. In der Folge steigt das Risiko für die Entstehung von Übergewicht, Fettleber, Diabetes und damit indirekt auch verschiedener Krebsarten – und a. Auch Zahnkaries wird durch Zuckerkonsum gefördert.
Boden geht verloren
Besonders am Anfang wächst die Zuckerrübe nur sehr langsam und reagiert empfindlich auf Beikräuter. Aus diesem Grund ist der Anbau von Zuckerrüben stark erosionsgefährdet. Da um die kleinen Pflänzchen viel nackter Boden zu finden ist, der nicht von Blättern geschützt wird, kann ein starker Regenschauer dazu führen, dass wertvoller Boden weggespült wird und verloren geht. Der Anbau der Rüben in Mulch, also in einer Schicht von organischem Material, kann das Risiko von Bodenverlust durch Wind oder Regen reduzieren.
Quellen
Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenbauer e.V. Link.
Pflanzenforschung.de: Zuckerrübe. Link.
Oekolandbau.de: Ökologischer Zuckerrübenanbau. Link.
NZZ: Die Karriere einer politischen Knolle. Link.
Zoll: Einfuhr von Zucker und Zuckererzeugnissen Einfuhrzölle. Link.
FiBL: Biozuckerrüben. Herausforderungen und Chancen des Anbaus. Link.
Deutsches Ärzteblatt: Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit: Die Risiken durch Zucker lassen sich für einzelne Erkrankungen abschätzen. Link.