Tabak; Nicotiana tabacum

Fläche global: 3,2 Millionen Hektar
Fläche auf dem Weltacker: 3,5 m² (0,2 %)
Herkunftsregion: Nord- und Südamerika
Hauptanbaugebiete: China, Indien, Brasilien, Indonesien
Verwendung / Hauptnutzen: Zigaretten und Zigarren
Tabak hat eine lange und vielschichtige Geschichte, die tief in den Kulturen der indigenen Völker Amerikas verwurzelt ist. Einst als heiliges Pflanzenritual und für medizinische Zwecke genutzt, verbreitete sich Tabak durch europäische Kolonialmächte und entwickelte sich zu einem der weltweit bedeutendsten Genuss- und Suchtmittel. Heute jedoch steht Tabak, obwohl er noch immer ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, im Zentrum globaler Gesundheitsdiskussionen, da seine verheerenden Auswirkungen auf die Gesundheit unbestreitbar geworden sind.
Das vielseitige Genussmittel
Botanisch gesehen ist Tabak (Nicotiana) eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) Von den rund 75 Arten innerhalb der Gattung sind jedoch nur zwei bedeutend für den Tabakanbau: Der Virginische Tabak (Nicotiana tabacum, auch Echter Tabak genannt), der wirtschaftlich den größten Anteil des heutigen Anbaus ausmacht und der Bauern-Tabak (Nicotiana rustica), der in Osteuropa angebaut wird.
Der Virginische Tabak ist zumeist eine einjährige, krautige Pflanze. Die winzigen Tabaksamen werden in einem vor starker Witterung geschützten, sonnigen Saatbeet vorgezogen. Nach acht bis zehn Wochen, wenn die Jungpflanzen über zehn Zentimeter groß sind, werden sie ins Freiland ausgepflanzt und wachsen weiter, bis sie zwei, seltener bis zu drei Meter hoch werden. Der Stängel der Pflanze ist dick und die wechselständig angeordneten, langen Laubblätter sind klebrig behaart. In den rispigen Blütenständen entwickeln sich viele Blüten. Ihre Farbe ist je nach Sorte weiß, gelblich, grünlich oder rot.
Tabak wird hauptsächlich zur Herstellung von Zigaretten, Zigarren sowie Kautabak und Schnupftabak genutzt. Die robusten Blätter werden nach der Ernte fermentiert und getrocknet, um die gewünschte Konsistenz und den Geschmack zu erreichen. Doch Tabak ist nicht nur als Genussmittel bedeutsam: Eine verwandte Art, Nicotiana benthamiana, spielt eine zunehmend wichtige Rolle in der biotechnologischen Forschung. Diese Pflanze wird in der Herstellung von Impfstoffen und anderen medizinischen Produkten verwendet und könnte in Zukunft eine alternative Nutzung des Tabakanbaus darstellen.
Kolonialgeschichte und globale Verbreitung
Die indigenen Völkern Süd- und Nordamerikas kultivierten und rauchten Tabak bereits lange vor der Ankunft der Europäer. Nach der Aneignung der Pflanze durch europäische Seefahrer verbreitete sich der Konsum von Tabak rasch auf dem europäischen Kontinent und schließlich weltweit. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich Tabak zu einem der wichtigsten Exportgüter der amerikanischen Kolonien und spielte eine zentrale Rolle in der europäischen Kolonialwirtschaft. Heute sind China, Indien und Brasilien die größten Tabakproduzenten der Welt, wobei der Großteil des Tabaks für die Herstellung von Zigaretten verwendet wird.
Ein gesundheitsschädliches Genussmittel
Tabak enthält Nikotin, eine stark süchtig machende Substanz, die das zentrale Nervensystem stimuliert. Neben Nikotin enthalten Tabakprodukte jedoch auch zahlreiche schädliche Chemikalien, die langfristig zu schweren gesundheitlichen Schäden führen können. Der regelmäßige Konsum von Tabakprodukten steht im direkten Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrebs und anderen Atemwegserkrankungen. Trotz der bekannten negativen Auswirkungen bleibt Tabak in vielen Ländern ein weit verbreitetes Genussmittel. Während die zunehmende Aufklärung über die Gefahren des Tabakkonsums in den letzten Jahrzehnten in zahlreichen westlichen Ländern zu strengen Regulierungen und öffentlichen Rauchverboten geführt hat, wenden die großen Tabakfirmen im Globalen Süden aggressive Strategien an, um ihren Marktanteil dort zu erhöhen.
Hauptsächlich große Konzerne gewinnen
Der Tabakanbau ist stark geprägt von wirtschaftlicher Unsicherheit und schlechten Arbeitsbedingungen. Viele der Kleinbauern und -bäuerinnen, die den Großteil des weltweiten Tabaks produzieren, sind abhängig von stark schwankenden Marktpreisen und verdienen oft nur sehr geringe Löhne. Besonders in Ländern wie Simbabwe und Indien leben viele Produzent:innen in Armut, während internationale Konzerne aus dem Globalen Norden den Großteil der Gewinne erzielen. Ebenfalls problematisch ist der anhaltende Einsatz von Kinderarbeit in einigen Regionen, trotz internationaler Bemühungen, diese Praxis einzudämmen. Diese Missstände werfen erhebliche soziale Fragen auf, die den Tabaksektor weiterhin belasten. Hinzu kommt, dass der Tabakanbau in Ländern stattfindet, die ein Hungerproblem haben. Würden in China, Indien, Indonesien, Simbabwe, Malawi, Mosambik und Tansania Nahrungsmittel statt Tabak gepflanzt, könnten mehr als 11 Millionen Menschen davon ernährt werden.
Die Sucht bekämpfen
Die MPOWER-Strategie ist eine umfassende Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Bekämpfung des weltweiten Tabakkonsums. Sie besteht aus sechs zentralen Maßnahmen, die sich auf verschiedene Aspekte der Tabakkontrolle konzentrieren: Überwachung des Tabakkonsums (Monitor), Schutz vor Passivrauchen (Protect), Angebote zur Unterstützung beim Rauchstopp (Offer), Warnungen vor den Gefahren des Rauchens (Warn), Durchsetzung von Werbeverboten (Enforce) und Preiserhöhungen auf Tabakprodukte (Raise).
Seit der Einführung der MPOWER-Strategie haben über 100 Länder mindestens eine dieser Maßnahmen umgesetzt, was dazu beigetragen hat, den Tabakkonsum signifikant zu senken. Die Kombination dieser Maßnahmen, wie das Verbot von Tabakwerbung und die Erhöhung der Tabaksteuern, hat das Bewusstsein für die Risiken des Rauchens nachweislich geschärft. Allerdings profitieren bislang vor allem Menschen des Globalen Nordens von dieser Strategie. 41 der 49 Länder, die bis 2021 keine MPOWER-Maßnahmen umgesetzt hatten, sind Länder mit mittlerem oder niedrigem Einkommen.
Quellen
- Website Unfairtobacco
- biologie-seite.de
- Vivid.at, MPOWER: Sechs Maßnahmen der WHO gegen Tabakkonsum
- WHO, MPOWER
- Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz, WHO-Bericht: nur ein Land in Europa tut genug, um die Menschen vom Rauchen abzuhalten – die Schweiz hinkt hinterher