Raps, Brassica napus

Fläche global: 39,8 Millionen Hektar
Fläche auf dem Weltacker: 50,2 m² (2,5%)
Herkunftsregion: Indien
Hauptanbaugebiete: Kanada, Indien, China
Verwendung / Hauptnutzen: Speiseöl, Agrarsprit, Tierfutter

Wirtschaftlich hat Raps heutzutage eine große Bedeutung auf dem globalen Agrarmarkt. Dabei ist Raps eine junge Kulturpflanze. Über Jahrhunderte wurde er wild gepflückt, bevor er erst ab dem 17. Jahrhundert in Mitteleuropa auf Äckern kultiviert wurde, um aus den Samen Öl für Lampen zu gewinnen. Die Wissenschaft vermutet, dass Raps aus einer Kreuzung zwischen dem Wilden Gemüsekohl (Brassica oleracea) und Rübsen (Brassica rapa) im Mittelmeerraum entstanden ist.

Gelbe Blütenpracht mit hohen Ansprüchen

Raps gehört zur Familie der Kreuzblütengewächsen und ist mit Rübe und Kohl verwandt. Er ist eine einjährige Krautpflanze mit einem aufrechten, verzweigten Stängel, der bis zu zwei Meter hoch werden kann. Die Rapspflanze ist von grau-blauer Farbe und bildet unter der Erde eine Pfahlwurzel aus. In Rapsanbaugebieten entzückt die Kultur vor allem durch das dichte gelbe Blütenmeer während der Blühzeit der Pflanzen. Die Felder sehen so prachtvoll aus, da jede Pflanze zwanzig bis sechzig Blüten trägt. Diese zwittrigen Blüten sind in Trauben angeordnet. Die Knospen einer solchen Traube blühen von unten nach oben nacheinander auf. So entzückt eine Rapspflanze je nach Witterung ganze drei bis fünf Wochen ihre Betrachter mit ihrer Blütenpracht, auch wenn jede einzelne Blüte nur ein bis zwei Tage offen ist. Doch nur etwa die Hälfte der Blüten bildet Schoten aus – mehr würde die Pflanze wohl nicht versorgen können. Aber auch die Insekten schaffen nicht all die Blüten zu befruchten und auf diese Fremdbefruchtung ist der Raps angewiesen. In den Schoten wachsen die dunkelbraun-schwärzlichen runden Samen. Sie haben einen Durchmesser von 1,5 bis 2,5 Millimeter und bleiben sehr lange keimfähig. Rapssaat im Boden kann nach bis zu zehn Jahren noch keimen und damit auch Nachfrüchte stören.

Die Ansprüche an den Boden der Rapspflanze sind ähnlich wie die des Weizens. Beide Kulturen benötigen tiefgründigen Boden und mögen keine Staunässe. Auch leichte oder flachgründige Böden, die rasch austrocknen, verringern die Ertragssicherheit des Rapses und sind daher weniger geeignet. Raps stellt hohe Ansprüche bezüglich der Nährstoffversorgung, er braucht zum Beispiel deutlich mehr Stickstoff als Getreide.

Raps sollte nicht mehrere Jahre hintereinander auf dem gleichen Feld angebaut werden, da sonst spezifische Krankheiten und Rapsschädlinge überhandnehmen können. Daher ist Raps auf die Fruchtfolge mit anderen Ackerkulturen angewiesen. Weizen und anderes Getreide mit ähnlichen Bodenansprüchen eignen sich besonders gut und profitieren gleichzeitig sehr von einer Raps-Zwischenfrucht. Denn bei der Rapsernte bleiben meistens die abgeernteten Pflanzenteile und Wurzeln auf dem Feld, was die Humusbildung, die Bodenstruktur und die biologische Aktivität des Bodens fördert, woraus die Getreidekulturen in der Fruchtfolge ebenfalls Vorteile ziehen. Zudem durchwurzelt Sommerraps den Boden stark und sorgt damit für eine gute Bodendurchlüftung. So ist Raps als Zwischenfrucht von Getreide insbesondere in Europa sehr beliebt geworden.

Vom wilden Raps zu genverändertem Großanbau

Erste Hinweise für die Verwendung von Raps stammen von 2000 vor unserer Zeit aus Indien – hier wurde die Pflanze zur Ölgewinnung, in der Medizin und als Nahrungsmittel genutzt. In Mitteleuropa wurde Raps lange wild gesammelt, aber erst ab dem 17. Jahrhundert im größeren Stil angebaut – anfangs hauptsächlich als wichtiger Brennstoff für Öllampen. Wegen des bitteren Geschmacks (durch einen hohen Gehalt an Erucasäure) wurde Rapsöl nur eingeschränkt als Speiseöl verwendet, zum Beispiel in Hungerzeiten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brach die Rapsproduktion in Europa stark ein, da billigere Erdölimporte und tropische Speiseöle auf den Markt kamen. Dies änderte sich erst Mitte der 1970er Jahre wieder. Damals kamen Neuzüchtungen mit zwei neuen Merkmalen auf den Markt: Das Öl aus diesem sogenannten 00-Raps („Doppel-Null“) enthält nur noch geringe Mengen der bitter schmeckenden Erucasäure und ist nahezu frei von Senfölglykosiden. Ohne diese giftigen Stoffe kann das Öl nun als Lebensmittel oder Tierfutter verwendet werden.

Raps wird heute weltweit in den wintermilden Gebieten der gemäßigten Klimaregionen angebaut. Hauptanbaugebiete sind Kanada, Indien und China, aber auch in Europa ist Raps ein wichtiger Bestandteil der Landwirtschaft. In Kanada, dem weltweit wichtigsten Rapsproduzenten, wird hauptsächlich Sommerraps angebaut. Nicht so in Mitteleuropa – dort ist es meistens Winterraps. Dieser wird im Herbst ausgesät und im darauffolgenden Frühsommer geerntet. Winter- wie Sommerraps werden hauptsächlich für die Ölgewinnung verwendet, daneben gibt es auch blattreiche Rapssorten, die als Futterraps angebaut werden.

Leider gibt es auch einige Probleme, die durch den großflächigen Anbau von Raps entstehen. Durch die Anbaumethode der Monokultur werden andere, einheimische Pflanzenarten verdrängt und unterdrückt, es kommt zu einem Rückgang der Biodiversität. Auch die Vielfalt der Insekten und anderen Tiere geht zurück, da das Ökosystem gestört wird. Dieser Prozess wird verschärft durch die Verwendung von genmanipulierten Rapssorten die immun gegen Herbizide (Pflanzenschutzmittel), Insektizide (Insektenschutzmittel) und Fungizide (Schutzmittel gegen Pilze) sind. Wenn nun großflächig diese Mittel auf den Rapsfeldern verteilt werden, sterben alle Pflanzen auf und neben dem Acker ab, mit Ausnahme der Rapspflanzen. Kaum eine Kulturpflanze verbreitet sich so schnell und leicht wie der Raps. Der Pollen fliegt meist kilometerweit. So gelangen die genmanipulierten Rapspollen auch in Gebiete, in denen genmanipulierte Pflanzen verboten oder nur beschränkt sind, Naturschutzgebiete und Landschaftsschutzgebiete. Die Folge: Auch hier fängt der veränderte Raps an zu wachsen und sich zu verbreiten. Infolgedessen kommt es hier ebenso zu einem Rückgang der Biodiversität. „Sollte in Zukunft nicht darauf geachtet werden, dass genmanipulierte Sorten und ursprüngliche Sorten voneinander getrennt kultiviert werden, wird es bald keine Möglichkeit geben sie wieder aus der Umwelt zu entfernen“, warnen Expert*innen. Weltweit lag der GVO-Anteil im Rapsanbau 2019 bei 27 Prozent, wovon der größte Teil auf Kanada fiel, wo 95 Prozent des Rapses genverändert sind. Größter Raps-Exporteur ist Kanada (Rohöl/Rapskuchen/Rapsssaat) und der größte Importeur sowohl mengen- wie umsatzmäßig sind die USA.

Futter für Mensch, Tier, Tank und Industrie

Wir Menschen essen Raps meistens in Form von Speiseöl oder Margarine. Das Öl gilt als gesund, da es ein besonders gutes Verhältnis der beiden für den Körper wichtigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren Omega-3 und Omega-6 hat. Raffiniertes Rapsöl ist geschmacksneutral und wird, auch wegen seines hohen Rauchpunkts, gerne zum Frittieren und Braten oder auch in Mayonnaise und Dressings genutzt. Natives Rapsöl hat hingegen eine nussige Note. Neben der Nutzung als Öl, wird Raps in manchen Regionen aber auch als Blattgemüse verspeist – insbesondere in Simbabwe und anderen Ländern des südlichen Afrikas werden dafür spezielle Rapssorten kultiviert.

Aber nicht nur wir Menschen essen Raps und Öl. Auch als Tierfutter wird es eingesetzt – insbesondere die Pressrückstände, die als Nebenprodukt bei der Herstellung des Öls entstehen. Dieser Rapsschrot oder Rapskuchen ist sehr eiweißreich und eignet sich daher gut als Futtermittel. Ein weiterer wichtiger Einsatzbereich von Raps ist Biodiesel: In Europa wird Biodiesel sogar überwiegend aus Rapsöl gewonnen. In Deutschland zum Beispiel wird die Hälfte des gewonnenen Rapsöls als Pflanzenkraftstoff oder Biodiesel verwendet. Raps wird zudem für spezielle Öle, Fette und andere Industriechemikalien genutzt oder auch in Form von biologisch abbaubaren Ölen und Schmierstoffen als Grundstoff bei der Herstellung von Farben und Lacke sowie für Weichmacher und Tenside eingesetzt.

Absolutes Bienenparadies, aber kaum Bio-Anbau

Raps ist eine insektenfreundliche Pflanze und daher sehr bedeutend für die Imkerei. In Deutschland sind Rapsblüten eine der wichtigsten Nektarquellen für Honigbienen. Aus einem Hektar Raps können Bienen in einer Saison bis zu 494 kg Honig produzieren. Weil Raps sehr viel Stickstoff benötigt und leicht von Schädlingen befallen wird, gibt es bis heute kaum Bio-Raps. Durch das Verbot von Neonicotinoiden als Pflanzenschutzmittel im EU-Raum gibt es aber verschiedene Forschungsprojekte für den biologischen Rapsanbau. Experimente mit Untersaaten, früheren Aussaat-Terminen oder der gezielten Förderung von Nützlingen lassen hoffen, dass es in Zukunft möglich sein wird, größere Mengen an Raps in besserem Einklang mit der Natur zu produzieren.

Quellen

Svotwa & Katsaruware (2018): Performance of Two Rape (Brassica napus) Cultivars under Different Fertilizer Management Levels in the Smallholder Sector of Zimbabwe. Link.
Utopia.de: Rapsöl bei Öko-Test: 12 sind „sehr gut“ – aber in fast allen stecken Pestizide und Mineralöl. Link.
Utopia.de: Rapswachs: Veganes Wachs ohne Paraffin. Link.
International Society for Horticultural Science: Importance and development of rape (brassica napus l.) as a vegetable in Zambia. Link.