Kaffee; Coffea spp.

Fläche global: 12,1 Millionen Hektar
Fläche auf dem Weltacker: 15,3 m² (0,77%)
Herkunftsregion: Ostafrika, insbesondere Äthiopien
Hauptanbaugebiete: Brasilien, Indonesien, Äthiopien
Verwendung / Hauptnutzen: Kaffee-Getränk
Mit Koffein schützt sich die Kaffee-Pflanze gegen Schädlinge: Das Koffein vertreibt Bakterien, Schnecken, Pilze, Insekten und Säugetiere. Dieses „Gift“ für Schädlinge ist die am meisten verbreitete psychoaktive Droge der Welt – viele Menschen greifen fast jeden Tag zum Kaffee. In Überdosierung kann Koffein gesundheitsschädlich sein. Würde jemand hundert Tassen Kaffee an einem Tag trinken, könnte das tödlich enden.
Die Kaffeepflanze: Arabica und Robusta
Die Kaffeepflanze, ein immergrüner Strauch, gedeiht in tropischen und subtropischen Klimazonen. Die beiden bekanntesten Sorten sind Arabica und Robusta, sie machen zusammen 98 Prozent des weltweiten Rohkaffees aus. Arabica gilt als die anspruchsvollere und aromatischere Sorte, die hauptsächlich in höheren Lagen angebaut wird, während Robusta hitzebeständiger und widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten ist, weshalb sie in niedrigeren, heißeren Gebieten wächst. Robusta ist auch deutlich billiger als Arabica. Normalerweise werden daher Instant-Kaffees aus Robusta-Sorten hergestellt. Noch robuster als Robusta ist die Kaffeesorte Liberica. Sie wächst in Westafrika, Indonesien, Vietnam oder auf den Philippinen und hat einen sehr herben Geschmack sowie einen hohen koffeinanteil. Der Excelsa-Kaffee ist eine Untersorte von Liberica, die nach Scotch schmecken soll und daher eine besondere Ratität ist. Doch auch Arabica ist nicht immer gleich Arabica: Im Ursprungsland Äthiopien gibt es unzählige verschiedene Arabica-Sorten mit ganz unterschiedlichen Aromen.
Die Kaffee-Setzlinge müssen unter einem dichten Schattendach vorgezogen und intensiv gepflegt werden. Erst nach über einem halben Jahr kommen sie in die Erde der Plantage. Dann dauert es nochmal vier bis fünf Jahre bis zu einem nennenswerten Ertrag. In freier Natur können die meist mehrstämmigen Kaffeesträucher bzw. kleinen Kaffeebäume bis zu zehn Meter hoch werden, wobei Arabica kleiner ist als Robusta. Doch auf Plantagen werden sie für die einfachere Ernte meist auf 1,5 bis 2 Meter zurückgeschnitten. Kaffee bildet weiße, angenehm süßlich duftende Blüten aus. Die Kaffeekirschen reifen ca. sechs bis neun Monate nach der Blüte und färben sich rot oder violett, wenn sie reif sind. In diesen Früchten reifen die wertvollen Bohnen heran. Den richtigen Erntezeitpunkt zu wählen, ist entscheidend für die Qualität des Kaffees.
Vom Hirten zur globalen Kaffeekultur
Die Ursprünge des Kaffees reichen tief in die Wälder Äthiopiens zurück, wo laut einer Legende ein Hirte bemerkte, dass seine Ziegen nach dem Verzehr von Kaffeekirschen besonders energiegeladen waren. Diese Entdeckung markierte den Beginn einer Reise, die den Kaffee in die arabische Welt und schließlich in die rund um die Welt führte.
Vom äthiopischen Hochland aus verbreitete sich Kaffee entlang von Handelsrouten bis in den Jemen, wo er im 15. Jahrhundert zu einem bedeutenden Exportgut wurde. Schon bald trank man ihn in Kaffeehäusern von Kairo bis Istanbul. Mit der Kolonialisierung gelangte Kaffee nach Südamerika und Südostasien, wo er heute in riesigen Plantagen angebaut wird. Brasilien und Vietnam produzieren derzeit die größten Mengen an Kaffee. Der Anbau von Kaffee und die ersten Verarbeitungsschritte bleiben weitgehend in den Händen kleiner Betriebe. Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 25 Millionen Kleinbauern und -bäuerinnen in der Kaffeeproduktion tätig.
Diese ernten den Kaffee per Hand – die Kaffeekirschen werden einzeln von den Sträuchern gepflückt. Sofort nach der Ernte müssen die Bohnen maschinell geschält werden. Nach einem zweitätigen Fermentationsprozess werden die Bohnen gewaschen und damit die Schleimschicht entfernt. Weitere Schalenreste und schlechte Bohnen werden während der folgenden zwei Wochen entfernt, in denen die Bohnen in der Sonne trocknen. Dann gehen die Bohnen in die lokale Kaffeefabrik, um die Pergaminhülle – eine feine Hülle zwischen Kirsche und Bohne, die beim Schälen meist nicht abgeht – zu entfernen. Schlussendlich müssen die Kaffeebohnen verpackt und transportiert werden.
Haben sie den Markt erreicht, begeben sie sich rund um die Welt, zunächst in Kaffeeröstereien. Der fertige Kaffee landet in Tassen rund um den Globus, denn Kaffee ist heute weit mehr als nur ein Getränk – er ist ein unverzichtbarer Teil des sozialen und kulturellen Lebens in vielen Teilen der Welt. Vom Morgenritual bis zum gemeinsamen Café-Besuch: Kaffee ist ein Symbol für Genuss, Energie und Begegnung.
Geschmack und gesundheitliche Wirkung
Kaffee ist nicht nur dank seines Koffeingehalts belebend, sondern er enthält auch wertvolle Antioxidantien, die das Immunsystem stärken und entzündungshemmend wirken. Studien zeigen, dass der Konsum von Kaffee mit einer verbesserten kardiovaskulären Gesundheit sowie einem verringerten Risiko für bestimmte Krankheiten, wie Typ-2-Diabetes und Parkinson, verbunden ist. Neben den bekannten Heißgetränken wird Kaffee heute in unzähligen Varianten genossen, von Espresso über Cappuccino bis hin zu Cold Brew und spielt in der globalen Gastronomie eine zentrale Rolle.
Allerdings muss darauf geachtet werden, wie viel Kaffee konsumiert wird. Zu viel Koffein kann zu Schlafstörungen, Herzrasen, Nervosität, Schweißausbrüchen und Magenbeschwerden führen. Eine extrem hohe Dosierung führt auch zu Krämpfen. Es wird empfohlen, dass Kinder kein Koffein zu sich nehmen, denn bei ihnen können schon geringe Mengen negative Folgen wie Schlafstörungen oder Konzentrationsprobleme verursachen. Wichtig ist also ein bewusster Umgang mit Kaffee und ein Konsum in Maßen. Es gibt auch entkoffeinierten Kaffee, der nur noch minimale Koffein-Reste beinhaltet, aber selbst diese können sich bei besonders empfindlichen Personen noch negativ auf die Gesundheit auswirken. Hier empfiehlt sich der Griff zu koffeinfreien Alternativen wie Getreidekaffee.
Der Preis von billigem Kaffee
Kaffee ist weltweit nachgefragt und mit Anbau und Vermarktung lässt sich einiges an Geld verdienen. Es ist ein klassisches Cash-Crop, wird also nicht für den Eigenbedarf, sondern zum Verkauf, meist auf dem internationalen Markt, hergestellt. Wenn viel Geld im Spiel ist, ist Ausbeutung von Land und Mensch leider oft nicht weit – so auch beim Kaffeeanbau. Die großen Unternehmen verdienen Milliarden, während bei den Produzent*innen nur wenig ankommt. Ein Report aus Brasilien (Bitter Coffee) berichtet von erschreckenden Verhältnissen auf den Plantagen: allein in der Region Minas Gerais arbeiteten 116 000 Kinder in Zwangsarbeit, Menschen mussten aus Sklavenverhältnissen befreit werden und es wurden tonnenweise Pestizide eingesetzt, die in der EU verboten sind. Andere Beispiele aus Afrika berichten von Vertreibungen von Menschen aus ihren Dörfern und Häusern, um Land für den Kaffeeanbau zu schaffen.
Es ist also entscheidend, darauf zu achten, woher der getrunkene Kaffee kommt. Als Orientierung helfen z.B. Fairtrade-Siegel. Bei Fairtrade-Produkten wird darauf geachtet, dass die Produzent*innen fair bezahlt werden und es werden Arbeitsbedingungen und soziale Standards festgelegt. Die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern arbeiten hier in Kooperativen, was es ihnen ermöglicht, gemeinschaftlich die nötige Infrastruktur zum Kaffee-Anbau und -Verarbeitung aufzubauen.
Steigende Risiken durch den Klimawandel
Der globale Kaffeeanbau ist stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Immer höhere Temperaturen und wechselhafte Niederschläge bedrohen insbesondere die Arabica-Sorte, die empfindlich auf Temperaturschwankungen reagiert. Es kommt auch zu Ernteausfällen durch fehlende Abkühlung in der Nacht. Zudem unterstützen die wärmeren Temperaturen die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen. Zum Beispiel verbreitete sich ab 2009 in Mittel- und Südamerika der sogenannte Kaffee-Rost (Leaf-Rust), welcher sich durch rostfarbene Flecken auf den Blättern zeigt. In fünf Jahren wurden insbesondere die Arabica-Pflanzen schwer betroffen, was zu umfangreichen Ernteverlusten führte. So verloren etwa 1,7 Millionen Menschen ihre Arbeit.
Auch andere Schädlinge wie beispielsweise der Stammbohrer breiten sich aus. Er wird heute in deutlich höheren Höhenlagen gefunden und bohrt sich in die Stämme der Kaffeesträucher.
Quellen
Ausstellung des KaffeeGartenRuhr, Exile, Röster Kaffeeworkshops und Eine Welt Netz NRW in Essen.
DanWatch: Bitter Coffee. Link.
World Coffee Research: Annual Report 2016. Link.
Manufactum: Kaffeebaum. Link.