Kokosnusspalme, Cocos nucifera

Fläche global: 11,1 Millionen Hektar – und illegale Flächen
Fläche auf dem Weltacker: 14 m² (0,7%)
Herkunftsregion: vermutlich Melanesien (pazifische Inselgruppe vor Australien)
Hauptanbaugebiete: Indonesien, Philippinen, Indien
Verwendung / Hauptnutzen: Nahrungsmittel, Kokosfett
Die Kokospalme spielt bei vielen Völkern eine zentrale Rolle in den Glaubensvorstellungen. So ist die Kokosnuss ein weitverbreitetes Symbol für Fruchtbarkeit. Die als Baum des Lebens angesehene Kokospalme gilt in vielen Regionen Südostasiens, Ozeaniens und Ostafrikas als Alter Ego des Menschen, also als Pflanze, mit der sie durch eine besonders enge Schicksalsgemeinschaft verbunden sind. Eltern schenken ihrem neugeborenen Kind einen Kokoskeimling, den sie zusammen mit der Plazenta in die Erde pflanzen. Und ein indisches Sprichwort sagt, dass die Kokospalme 999 Anwendungen kenne und die Tausendste nur noch nicht gefunden sei. Tatsächlich werden alle Bestandteile des Baumes von der Wurzel bis zur Krone auf vielfältige Weise verwendet.
Bis zu vierzig Früchte im Jahr
Die Kokospalme ist eine einhäusige Pflanze. Die Kokosnuss ist aus botanischer Sicht keine Nuss, sondern eine Steinfrucht wie die Kirsche oder die Pflaume. Ihr faseriger Mantel ist von einer ledrigen äußeren Fruchtwand umgeben und entspricht dem Fruchtfleisch. Die dünne Samenschale, das darin enthaltene feste Samenfleisch und das Kokoswasser mit dem Keimling bilden den Kern. Bis zu vierzig der kopfgroßen Früchte reifen innerhalb eines knappen Jahres in der Krone einer bis zu dreißig Meter hohen Palme heran. Mittels Selektion und Kreuzungen entstand eine große Anzahl besonders ertragreicher, gegen Krankheiten und Tropenstürme weitgehend resistenter Varietäten.
Die Kokospalme gedeiht besonders gut im Tropengürtel zwischen dem nördlichen und dem südlichen Wendekreis rund um den Äquator bis in Höhen von 1000 Metern über dem Meer, wobei ihre Erträge mit zunehmender Höhe geringer werden. Sie benötigt ganzjährig hohe Temperaturen und Niederschläge, stellt an die Bodenfruchtbarkeit allerdings nur geringe Ansprüche. Eine einzelne Kokospalme produziert je nach Alter, Standort und Pflege zwischen 30 und 150 Nüsse im Jahr. Dies entspricht etwa zehn bis zwanzig Kilo Kopra, dem getrockneten Fruchtfleisch, aus dem Kokosöl gepresst oder Kokosraspeln produziert werden.
Die Geschichte der Kokosnuss
Eine in der Wüste Nordwestindiens gefundene fossile Kokosnuss führte zu der Vermutung, dass die Kokosnuss aus dem westlichen Gondwanaland stammt, einem Großkontinent, der einst das heutige Südamerika, Afrika, Australien, Indien und die Antarktis vereinte. Bei dessen Auseinanderbrechen vor 200 bis 130 Millionen Jahren entwickelte sich die Palmenart an den Küstenstreifen des entstehenden Tethys-Meeres. Kokosnüsse blieben monatelang keimfähig und verbreiteten sich schwimmend übers Meer.
Bereits vor mehr als tausend Jahren spielten sie eine bedeutende Rolle als Handelsgut. Wir wissen, dass im Jahr 912 Kokosnüsse von den Sunda-Inseln an den Hof des Kalifen von Mesopotamien gelangten. Im Mittelalter brachten Pilger und arabische Kaufleute die Frucht bis nach Europa. Im ausgehenden 16. Jahrhundert sorgten portugiesische, koloniale Seefahrer dafür, dass in Gold oder Silber eingelassenen Kokoskelche in den Besitz von Adel und Klerus gelangten. Den wirtschaftlichen Nutzen der Kokospalme für Europa erkannten zuerst die Spanier, die ihren Anbau auf den Philippinen bereits ab Mitte des 18. Jahrhunderts durchsetzten. Etwa hundert Jahre später folgten die Holländer auf Ceylon. Zunächst zielte der Anbau noch auf die Herstellung von Schiffsseilen mit den Faserhüllen der Nüsse ab, später diente auch das Öl zur Herstellung von Seifen und Kerzen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelang französischen Chemikern unter Verwendung von Kokosöl die Herstellung von Margarine als pflanzlicher Ersatz für Butter. In der Folgezeit stiegen die Anbauflächen für Kokospalmen in den Erzeugerländern und die Exportmengen von Kokosöl und Kopra stetig an.
Heute steht die Kokospalme als Öllieferant für die Reinigungs- und Nahrungsmittelindustrie zunehmend in Konkurrenz zu Ölpalme, Sonnenblume, Raps und Sojabohne. Viele Erzeugerländer bemühen sich mittlerweile, Fertig- und Halbfertigprodukte auf Kokosbasis im eigenen Land herzustellen und Nebenprodukte wie Holz überalterter Palmen, Kokoswasser und Steinschalen weiterzuverarbeiten.
Zwischen 1961 und 2014 hat sich laut FAO die Anbaufläche von 5,2 Millionen Hektar auf etwa 12 Millionen Hektar mehr als verdoppelt. Seitdem stagniert die Anbaufläche bzw. ist sogar leicht rückläufig – allerdings bei größerer Ausbeute. So wurden 2022 weltweit knapp 62,5 Millionen Tonnen Kokosnüsse geerntet, drei Viertel der Menge kommen von den drei größten Produzenten Indonesien, Philippinen und Indien. Weitere Anbauländer wie Sri Lanka, Vietnam, Papua-Neuguinea und Thailand folgen mit großem Abstand. Allerdings dürfte die globale Anbaufläche deutlich höher liegen, da der Anbau von Kleinbauern in Mischnutzung, z.B. Agroforstwirtschaft, dominiert wird und ein großer Teil der Ernte lokal verzehrt und damit in Handelsstatistiken nicht erfasst ist. Die größten Importeure von Kokosöl sind die EU-Länder, die USA und Malaysia.
Frucht, Öl, Werkzeug, Medizin – vielfältige Nutzung
Traditionell wird Kokosöl in den tropischen Regionen vor allem zum Braten und Frittieren verwendet. Eine reife Kokosnuss kann an gewissen Orten so zuckerhaltig sein, dass sie sich zum Süßen von Speisen eignet, während sie in anderen Regionen auch einen eher salzigen Geschmack haben kann. Das Wasser etwa acht Monate alter Kokosnüsse erfreut sich als Erfrischungsgetränk bis heute großer Beliebtheit. Des weiteren entsteht aus mit Zucker versetztem Kokoswasser in unterschiedlichen Prozessen Alkohol oder Kokosessig. Eine Spezialität auf den Philippinen, in Indien und Sri Lanka ist die Süßspeise „nata de coco“, ein geleeartiges Lebensmittel, das pur in kandierter Form oder Grundlage von Desserts und Getränkekonserven verwendet wird. Da Kokosöl in diesen Ländern meist deutlich teurer als Palmöl ist, nimmt allerdings der Palmölkonsum vor Ort zu, während immer mehr Kokosöl ins zahlungskräftige Ausland exportiert wird.
Die Steinschale der Kokosnuss war aufgrund ihrer natürlichen Form ein ideales Gefäß im Haushalt, das in den Tropen für Speisen, Getränke, Lampenöl und vieles mehr verwendet wurde bzw. wird. Die harte Schale eignet sich auch zur Herstellung von Löffeln, Messern oder Sieben. Als natürlicher Resonanzkörper kam die hohle Kokosnuss für Musikinstrumente (Rasseln, Flöten) zum Einsatz. Auch fertigte man aus ihr Gürtel, Ketten und anderen Schmuck. Zudem wurde die Nuss in der traditionellen Heilkunst verwendet, etwa als Asche gegen Hautkrankheiten, Rheumatismus sowie Kopf- und Magenschmerzen. Seit in den fünfziger Jahren der wissenschaftliche Nachweis gelang, dass Kokoswasser steril ist, wurde es in der westlichen Medizin für Infusionen und bei anhaltender Diarrhöe als Mittel gegen Austrocknung verabreicht.
Nicht zuletzt ist die Steinschale der Kokosnuss ein hervorragendes Brennmaterial, das starke Hitze, jedoch kaum Rauch erzeugt. Die gewonnene Holzkohle diente in pulverisierter Form früher in den Tropen als Zahnputzmittel und Farbstoff. In westlichen Ländern wird sie als Grillkohle verwendet, in Form von Aktivkohle ist sie Bestandteil von Entfärbungs- und Desodorierungsmittel. Steinschalenstaub ist Bestandteil synthetischer Kleber und zahlreicher Kunststoffartikel – und neuerdings wird das widerstandsfähige Steinmaterial in Indien versuchsweise in Betonsteine eingegossen.
Kokosöl – wirklich Superfood?
In jüngster Zeit sind entwicklungspolitisch interessierte und engagierte Organisationen und Unternehmen bestrebt, den Anbau und Vertrieb des nachwachsenden Rohstoffes Kokosöl im Sinne des fairen Handels und einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Entwicklung zu fördern, um so einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen der mehrheitlich kleinbäuerlichen Produzent*innen in den tropischen Erzeugerländern zu leisten.
Dennoch – ähnlich wie Palmöl – besteht Kokosöl vor allem aus gesättigten Fettsäuren, bei Kokosöl liegt deren Anteil sogar bei 90 Prozent. Gesättigte Fettsäuren gelten generell als gesundheitsschädlich, weil sie zu erhöhten LDL-Cholesterol-Werten führen und mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht werden. Inzwischen wird das in der Wissenschaft zwar etwas differenzierter betrachtet, die Werbung mit Kokos als angeblichem „Superfood“, das besonders gesund sei, entbehrt trotzdem jeder wissenschaftlichen Grundlage.
Dabei sind viele Länder gar nicht auf Kokosöl (oder Palmöl) aus den Tropen angewiesen, da genug heimische Ölpflanzen zur Verfügung stehen – in Europa beispielsweise Olive, Raps und Sonnenblume. Heimischer Anbau erspart uns nicht nur Regenwaldrodung, sondern auch fragwürdige Anbaumethoden, Landraub und sehr schlechte Arbeitsbedingungen in den Erzeugerländern. Und in jeden Fall sparen sie viele Tausende Kilometer lange Transportwege rund um den Globus.
Sind Kokospalmen besser als Ölpalmen?
Öl- oder Kokospalmen sind weder schlecht noch gut. Das Problem liegt in der enormen Nachfrage nach pflanzlichen Ölen und Fetten auf dem Weltmarkt. Die von der Industrie benötigten riesigen Mengen lassen sich besonders kostengünstig auf industriellen Monokulturen und unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen erzeugen.
Im Gegensatz zu Ölpalmen hat es bei Kokospalmen keine rasche und massive Expansion der Anbauflächen gegeben, in den letzten zehn Jahren stagnierten die Zahlen sogar. Generell gibt es bei Kokos auch nicht so viele große Plantagen und internationale Riesenkonzerne wie beim Palmöl. Kokospalmen sind außerdem vielseitiger nutzbar, da alle Pflanzenteile verwendet werden können. Allerdings bedeutet das nicht, dass das auch immer geschieht. Auf Plantagen fallen enorme Mengen an Kokosresten an, die oft weder genutzt noch angemessen kompostiert werden.
Quellen
Spektrum: Die Kokospalme – Baum der tausend Möglichkeiten. Link.
Rettet den Regenwald e.V.: Kokosöl – Keine gute Alternative zu Palmöl. Link.
WWF: Like Ice in the Sunshine: Pflanzenöle und Fette im Speiseeis. Das Beispiel Kokosöl. Link.