Öllein, gemeiner Lein, Linum usitatissimum

Fläche global: 4,1 Millionen Hektar
Fläche auf dem Weltacker: 4,9 m² (0,25%)
Herkunftsregion: Mesopotamien oder Ägypten
Hauptanbaugebiete: Russland, Kasachstan, Indien, Kanada
Verwendung / Hauptnutzen: Speiseöl, Tierfutter (Leinkuchen, Leinschrot), Industrieöl

Die alte Kulturpflanze Lein wird zur Faser- und Ölgewinnung angebaut. Das Leinöl hilft bei vielfältigen gesundheitlichen Problemen und kann bei Verstopfung und leichter Magenschleimhautentzündung hilfreich sein, kann die Heilungsprozesse bei trockener oder leicht entzündlicher Haut unterstützen oder auch vorbeugend bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall) wirken.

Der gemeine Lein: Öl- und Faserpflanze

Der gemeine Lein ist die einzige Lein-Art, deren Anbau eine wirtschaftliche Bedeutung hat. Er gehört zur Familie der Leingewächse (Linaceae) – Öllein und Faserlein sind unterschiedliche Sorten des gemeinen Leins, der eine einjährige Pflanze ist, und auch Flachs genannt wird. Er stammt vom ursprünglich zweijährigen Lein ab, der im Mittelmeergebiet heimisch ist. Die einjährige Pflanze er Lein wird 30 – 100 cm groß und besitzt kleine, hellblaue, fünfzählige Blüten. In den Untergrund wächst sie mit einer kurzen, spindelförmigen Pfahlwurzel mit feinen Seitenwurzeln. Die Stängel stehen meist einzeln und aufrecht; im Bereich des Blütenstandes sind sie verzweigt. Die Befruchtung erfolgt vorwiegend durch Selbstbestäubung, seltener durch Insekten. In den Kapseln bilden sich 6 bis 7 schleimfähige, sehr ölreiche, abgeflachte, gelbliche bis bräunliche Samen.

Lein stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden, Staunässe verträgt er jedoch nicht. Trockenperioden übersteht Öllein besser als Faserlein – ebenso wie Spätfröste. Für die Blütenbildung und das Faserwachstum sind Langtagbedingungen nötig. Die Pflanze benötigt eine Vorfrucht, die wenig Unkraut hinterlässt und in der Fruchtfolge ist ein Abstand von sechs Jahren zwischen zwei Leinanbauten nötig, um einer Akkumulation von Schadpilzen im Boden zu begegnen.

Etwa 80 Prozent der weltweit angebauten Leinpflanzen dienen der Ölgewinnung. Die Ernte erfolgt beim Öllein nach 110 bis 120 Tagen Vegetationszeit durch Dreschen. Der Ölgehalt der Samen liegt dann zwischen 30 und 44 Prozent.

Die Ursprünge der Leinsamen

Die ältesten archäologischen Wild-Leinsamenfunde stammen aus dem Iran (ab 7500 v. u. Z.) und der Türkei (rund 7000 v. u. Z.). Der Nachweis gezüchteter Leinsamen geht auf 6200 v. u. Z. zurück (Syrien, später Griechenland und Bulgarien). Genetische Studien konnten zeigen, dass der Gemeine Lein durch ein einziges Domestizierungs-Ereignis vom Wild-Lein abstammt. Die erste Verwendung war die Nutzung der Samen und bis ins vorgeschichtliche Mitteleuropa waren Lein und Mohn die wichtigsten Samen-Ölpflanzen.

Heute liegt beim Anbau von Öllein Russland auf Platz eins, gefolgt von Kasachstan, Indien und Kananda. 2021 wurden laut FAO weltweit etwa 3,3 Millionen Tonnen Leinsamen geerntet. Die Erträge je Hektar liegen zwischen 1,8 und 3,0 Tonnen Leinsaat.

Schon gewusst?

Leinöl und Leinsamen werden vielfältig eingesetzt – nicht nur als Lebensmittel:
1. Leinöl in der Kosmetikindustrie soll als Anreicherung in Cremes zu einer Verbesserung des Hautbildes führen.
2. Leinsamen als pflanzliches Arzneimittel regt die Darmtätigkeit an und lindert Schmerzen in der äußerlichen Anwendung mit Umschlägen und heißen Packungen.
3. Leinöl in der Kunst dient seit Jahrhunderten als Bindemittel für Ölfarben.
4. Leinöl als Konservierungsmittel macht Holz wasserabweisend, indem es tief ins Material eindringt.

Kleine Körner, große Wirkung

Leinsamen haben je nach Sorte eine braune oder gelbe Schale und schmecken leicht nussig. Sie werden in Brot und Gebäck, in Cerealien-Mischungen, in Aufläufen oder als Salat-Topping verwendet. Leinsamen können auch angekeimt werden und verfeinern dann Salate als Sprossen.

Die Leinsamen werden in Ölmühlen gemahlen und mechanisch gepresst. Das dunkelgoldgelbe Leinöl gilt als eines der wertvollsten Speiseöle, sollte nicht erhitzt werden und eignet sich daher ideal für die Zubereitung von Salat-Dressings, kalten Vorspeisen, Aufstrichen und Pestos. Leinöl hat den höchsten Anteil an Omega-3-Fettsäuren aller Pflanzenöle. α-Linolsäure ist eine solche ungesättigte Fettsäure, die entzündungshemmend wirkt, den Cholesterin-Spiegel senkt und generell das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen senkt. Schleimstoffe, Eiweiße, Vitamin B1, B2, B6, E und Nicotin-, Fol- und Pantothensäure sind weitere wichtige Inhaltsstoffe des Leinöls. Leinöl findet daher auch Verwendung als Nahrungsergänzungsmittel.

In der Industrie wird Leinöl zu Farben und Lacken, Firnissen oder Schmierseifen verarbeitet. Im Bodenbelag Linoleum ist Leinöl einer der Hauptbestandteile, was sich auch in der Namensgebung manifestierte.

Beim Pressen entsteht neben dem Öl noch ein fester Leinsamen-Presskuchen, der als Futtermittel benutzt werden kann. Die übrigen Teile der Pflanze werden zu Leinenfasern verarbeitet und gelangen z.B. in die Papierproduktion.

Leinsamen statt importiertem Superfood

Leinsamen mit Joghurt zuzubereiten ist eine leckere und in den Anbauregionen lokale Alternative zu importiertem Superfood wie Chia-Samen. Die Samen sind reich an Ballast- und Schleimstoffen, die die Darmflora anregen. In Joghurt eingerührt schmecken sie besonders cremig. Vor der Zubereitung werden die Samen geschrotet und mindestens zwei Stunden in Wasser eingeweicht, damit der Körper die wertvollen Inhaltsstoffe besser aufnehmen kann.

Quellen

Die Chemie-Schule: Gemeiner Lein. Link.
Gesundheit.de: Leinöl – Verwendung und gesunde Wirkung. Link.