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Süßkartoffel

Süßkartoffel

Süßkartoffel vom Weltacker

Die Süßkartoffel (Ipomoea batatas) wird auch Batate, Weiße Kartoffel oder Knollenwinde genannt und gehört zu den Windengewächsen (Convolvulaceae). Damit ist sie nur sehr entfernt verwandt mit der Kartoffel, die zur Familie der Nachschattengewächse zählt. Süßkartoffeln stammen ursprünglich aus Mittel- und Südamerika und wurden dort bereits vor Entdeckung des Kontinents von den lateinamerikanischen Hochkulturen kultiviert und geschätzt. Die Seefahrer rund um Christopher Columbus brachten die Knolle schließlich nach Europa. Bereits im 11. Jahrhundert waren es jedoch die Polynesier, die die Pflanze in ihre Heimat einführten, nachdem sie bei einer ihrer Expeditionen auf südamerikanisches Festland trafen.

Angebaut wird die Süßkartoffel heute in vielen Ländern der Subtropen und warmgemäßigten Regionen, hauptsächlich jedoch in tropischen Ländern, wo die sie ein Hauptnahrungsmittel ist. Mit einem Jahresertrag von 107 Millionen Tonnen (Stand 2014) ist sie nach Kartoffeln und Maniok die am häufigsten angebaute Wurzel- und Knollenpflanze. Die Länder mit dem größten Ertrag von Süßkartoffeln sind China (71 Millionen Tonnen), Nigeria (3,8 Millionen Tonnen) und Tansania (3,5 Millionen Tonnen). In Europa wird die Süßkartoffel in Spanien, Italien, Portugal und Griechenland angebaut.

Süßkartoffeln und Kartoffeln vom Weltacker

Süßkartoffeln und Kartoffeln vom Weltacker (Foto: Michaela)

Wärme- und Wasserliebend

Die Süßkartoffel ist eine mehrjährige krautige Kletterpflanze, deren essbare Speicherwurzeln bis zu 30 cm lang werden können. Sie benötigt ein warmes Klima; bei 24 Grad Celsius oder mehr gibt es die optimalen Wachstumsbedingungen. Bei unter 10 Grad Celsius ist das Wachstum stark eingeschränkt, bei Frost stirbt die Süßkartoffel ab. Ihr Wasserbedarf ist sehr hoch, jedoch verträgt sie keine Staunässe. Der Boden muss daher gut wasserdurchlässig sein. Um dies zu gewährleisten wird die Süßkartoffelpflanze meist auf Erdhügeln oder Erdwällen angepflanzt.

Das gesündeste Gemüse der Welt

Süßkartoffeln

Süßkartoffeln (Foto: Pixabay)

Die Süßkartoffel wurde unlängst von der amerikanischen Non-Profit-Organisation Center for Science in the Public Interest (CSPI) zum gesündesten Gemüse überhaupt gewählt. Wenn man die Süßkartoffel auf ihre Inhaltsstoffe prüft, weiß man warum sie so ein Powergemüse ist: allein 100 Gramm der Wurzelknolle decken fast den gesamten Tagesbedarf an Vitamin A und Beta-Carotin. Und auch weitere Vitamine und Mineralien wie zum Beispiel Riboflavin und Natrium sind hier in höherer Konzentration vorhanden als etwa in Kartoffeln oder Mais. Allerdings besitzt die Süßkartoffel einen relativ hohen Anteil an Zucker, auf dem auch ihr süßlicher Geschmack beruht. Ihr Stärkeanteil ist höher als in Kartoffeln und auch die Kalorien sind mit 86 kcal pro 100 Gramm vergleichsweise hoch (Kartoffel: 77 kcal/100 Gramm).

Mehr und mehr findet die Süßkartoffel Platz in unseren Märkten und Küchen und das nicht ohne Grund. Ähnlich wie die Kartoffel lässt sich die süße Variante zu den unterschiedlichsten Gerichten verarbeiten. Auch das Kraut kann ähnlich wie Spinat zubereitet und gegessen werden. Die Knolle kann, wenn es sich um ein Exemplar mit geringem Blausäuregehalt handelt, sogar roh verzehrt werden. In einigen asiatischen Ländern wird die Süßkartoffel auch zu Süßspeisen, Nudeln und alkoholischen Getränken weiterverarbeitet. Die Knollen und Blätter finden Verwendung als Futtermittel. Auch zur Gewinnung von Biokraftstoffen eignet sich die Süßkartoffel durch ihren hohen Stärkegehalt. So werden beispielsweise in China einige Bioethanolanlagen hauptsächlich durch Süßkartoffeln gespeist.

 

Süßkartoffelpommes

Süßkartoffelpommes (Foto: Pixabay)

Natürlich genmanipulierte Süßkartoffeln

Ein belgisches Forscherteam teilte im Frühjahr 2016 eine beeindruckende Entdeckung mit: Die Süßkartoffeln, wie wir sie heute kennen, sind genetisch verändert und das schon seit mehr als 8000 Jahren! Wie die Forscher herausfanden, enthält das Genom der Süßkartoffel artfremde Gensequenzen – die eines Bakteriums. Bei diesem handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein sogenanntes Agrobakterium. Agrobakterien sind heutzutage ein essenzielles Werkzeug der Gentechnik zur Genomveränderung von Organismen. Sie transferieren funktionelle Gene in den Wirt, der damit diese Funktion oder dieses Merkmal übernimmt. Es wird angenommen, dass diese Bakterien auf natürlichem Weg vor mehr als 8 Jahrtausenden der Süßkartoffel DNA-Fragmente einschleusten, die der Pflanze einen Vorteil gegenüber den unveränderten Süßkartoffeln gab. Der Mensch wurde darauf aufmerksam und züchtete von nun an die veränderte Variante.

Heutzutage befindet sich dieses bakterielle Gen in allen Süßkartoffelarten, mit Ausnahme der wildwachsenden Form. Welchen Vorteil genau das fremde Gen mit sich brachte ist jedoch noch unklar. Allerdings warf der Fund Fragen auf: Wenn Süßkartoffeln Bakterien-DNA enthalten, müsste man sie dann nicht streng genommen zu den Genveränderten Organismen (GVO) zählen, kennzeichnen oder gar verbieten? Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) äußerte sich dazu wie folgendermaßen: “Natürlicherweise vorkommende Übertragungen von Genen, auch zwischen taxonomisch (Taxonomie = System zur Klassifizierung von Organismen) nicht näher verwandten Organismen, führen rechtlich nicht zur Entstehung von GVO.“ Der Grund, warum Süßkartoffeln also auch weiterhin ungekennzeichnet verkauft werden können ist, dass sie, anders als GVO, ihre genetische Veränderung einem natürlichen Mechanismus zu verdanken haben und nicht dem Eingriff durch den Menschen.

 Text von Justus Mennerich

Weiße Kartoffel

Weiße Kartoffel (Foto: Pixabay)

Quellen

Süßkartoffeln vom heimischen Acker

Obst-Gemüse.at

 

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