Millethirse, Paniceae

ein gezeichneter Kolben einer Millethirse

Fläche global: 30,9 Millionen Hektar
Fläche auf dem Weltacker: 33,8 m² (1,7 %)
Herkunftsregion: China, Ostasien bis Mittelasien
Hauptanbaugebiete: Indien, Nigeria, Sudan, Mali
Verwendung / Hauptnutzen: Fladenbrot, Grieß, Grütze, Flocken 

Hirse gehört zu den ältesten domestizierten Getreidearten. In Afrika südlich der Sahara und in Asien ist die Hirse seit Jahrtausenden ein Grundnahrungsmittel. Rispenhirse wird in China nachweislich seit 4000 Jahren angebaut. Nomadenvölker Zentralasiens konnten damals einige Hirsearten dank dem kurzen Anbauzyklus als Getreide kultivieren. Wie Weizen, Hafer, Mais und Reis gehört die Hirse zur Familie der Süßgräser (Poaceae) und ist ein Sammelbegriff für kleinfrüchtiges Spelzgetreide. Hirsen sind einjährige Pflanzen und ähneln von ihrem Pflanzenaufbau her dem Mais. Zur Hirse gehören zehn bis zwölf Gattungen mit einer großen Formen- und Farbenvielfalt. Diese können in zwei Hauptgruppen eingeteilt werden, Millethirsen (Paniceae) und Sorghumhirsen. Millethirsen haben kleinere Körner und sind noch genügsamer mit ihren Ansprüchen an Boden und Klima und infolgedessen noch resistenter gegen Trockenheit als die ebenfalls bescheidenen Sorghumhirsen. 

Die Gruppe der Millethirsen ist sehr vielfältig. Sie umfasst unter anderem die Gattungen Rispenhirse (Panicum), Kolbenhirse (Setaria), Perlhirse (Pennisetum), Fingerhirse (Elusine) und Teff (Eragrostis). In Afrika werden die Millethirsen auch Milo oder Milocorn genannt. In vielen Gebieten Afrikas und Asiens gehört die Hirse traditionell zu den Grundnahrungsmitteln. Ihre Körner werden als Reisersatz, Brei oder zu Fladenbrot verarbeitet und gegessen. Daneben ist sie beliebtes Viehfutter und ihre Stängel werden als Baumaterial verwendet.  

Perlhirse (Pennisetum) 

Innerhalb der Gruppe der Millethirsen ist die Perlhirse heute die wichtigste Kultur. Die Perlhirse stammt aus Subsahara Afrika, wo sie sicher seit 3000 Jahren kultiviert wird. Von ihrer ursprünglichen Heimat wurde sie in den arabischen Raum und bis Indien und Burma gebracht. Heute wird sie in den trockenen Tropen in Höhenlagen zwischen 800 und 1800 Meter über dem Meer angebaut. Die Perlhirse wird wegen ihren an Kolben erinnernden Fruchtständen auch Rohrkolbenhirse genannt und gilt als die Getreideart mit der größten Trockenresistenz. Sie wird in ihren Anbaugebieten oft wie Reis als Beilage gegessen und dient auch als Futter für Rinder. Sie gilt als eine der Nutzpflanzen, die Kleinbauern eine gute Ernährung und ein gutes Einkommen bieten und so zur Ernährungssouveränität beitragen.  

Rispenhirse (Panicum) 

Die Rispenhirse stammt ursprünglich aus Asien und wird dort seit Jahrtausenden kultiviert. Sie ist weniger wärmebedürftig als andere Hirsearten und deshalb z.B. in Russland, der Ukraine und Kasachstan, aber auch in den USA, Argentinien oder Australien zu finden. Im Himalaja wächst sie bis auf 3000 Meter Höhe. Auch in Europa wird die Rispenhirse kultiviert. Dort ist sie auch immer wieder als verwilderte Pflanzen am Straßenrand oder auf Schuttplätzen zu finden. Die Vegetationszeit der Rispenhirse beträgt nur sechzig bis neunzig Tage. Die Ernte wird, wie bei den meisten Hirsesorten, als ganzes Korn verkocht oder zu Brot und Brei weiterverarbeitet. Im deutschen Sprachraum werden Rispenhirsen mit Spelze „Braunhirse“ und die entspelzten Körner „Goldhirse“ genannt. In China wird aus der Rispenhirse auch Hirsewein hergestellt.  

Kolbenhirse (Setaria) 

Die Kolbenhirse ist eine eher kleine Hirse, die kaum über einen Meter zwanzig hoch wird. Ihr Fruchtstand hat die Form eines Kolbens und unterhalb der kleinen Ährchen wachsen Borsten. Sie wird auch Fuchsschwanz-Hirse genannt. Die Hirsekörner der Kolbenhirse können unterschiedliche Farben haben. Heutzutage wird die Kolbenhirse zu Nahrungszwecken vor allem in China, Afghanistan und Indien angebaut. In Mitteleuropa ist die Kolbenhirse auch als Vogel- oder Viehfutter bekannt. Auch die Kolbenhirse hat, wie alle Hirsen, geringe Ansprüche an den Boden, doch im Gegensatz zu vielen anderen Hirsegattungen ist die Kolbenhirse nicht trockenheitsresistent.  

Teff (Eragrostis) 

In Äthiopien und Eritrea ist die Zwerghirse Teff eine wichtige Nahrungsgrundlage. Sie ist Hauptbestandteil des traditionellen Fladenbrots Injera, das zu Gemüse- und Fleischgerichten gereicht wird. Die einjährige Teffhirse wird nur dreißig bis neunzig Zentimeter hoch und hat winzige Körner: 150 Teff-Körner entsprechen ungefähr der Größe eines einzelnen Weizenkorns. Teff eignet sich gut für eine nomadische Lebensweise: Die kleinen Samen lassen sich auch für größere Flächen leicht bei Wanderungen mitnehmen. Teff ist eine robuste Pflanze, die kaum von Krankheiten oder Schädlingen befallen wird und auch sonst recht anspruchslos ist. Teff benötigt zum Wachsen wenig Wasser und kann mit Dürreperioden wie auch mit Staunässe gut umgehen, so dass das Korn in der Regenzeit ausgesät werden kann. Bereits nach drei Monaten ist Teff erntereif. Neben der Verarbeitung zu Teffmehl für das Fladenbrot Injera wird Teff auch als Brei oder Gries gegessen oder zu Bier und Schnaps verarbeitet.  

Fingerhirse (Eleusine)  

Die Fingerhirse ist in Ostafrika beheimatet und ist dort wie auch in Zentralafrika und Südindien eine bedeutende Ackerkultur. Im Gegensatz zu Sorghum oder Perlhirse bevorzugt die Fingerhirse ein feuchtes Klima. Sie braucht etwa zwölf Stunden Tageslicht, um wachsen zu können. Die Pflanze wird dreißig bis neunzig Zentimeter hoch und entwickelt eine Fingerähre mit fünf bis sieben Einzelähren. In vielen ländlichen Gemeinden Ost- und Zentralafrikas gilt Fingerhirse als wichtiges Getreide, da sie wesentlich zur Ernährung beiträgt. Das in Fingerhirse enthaltene Protein gilt als besonders wertvoll, da es lebenswichtige Aminosäuren wie Lysin, Threonin und Valin enthält. 

Von Mais verdrängt 

Da Hirse von allen Getreidearten den geringsten Hektarertrag hat, wird in traditionellen Hirseanbaugebieten heutzutage immer mehr ertragreicherer Mais angebaut. Hirse hat allerdings den großen Vorteil, dass sie so robust ist und es selbst bei sehr schlechtem Wetter fast nie zu Totalausfällen bei der Ernte kommt. Zudem ist sie sehr gesund. Hirsekörner haben einen hohen Nährstoffgehalt und enthalten Ballaststoffe, Antioxidantien und Proteine. Hirse ist zudem ein sehr mineralstoffreiches Getreide. Neben Fluor, Schwefel, Phosphor, Magnesium und Kalium enthält sie im Vergleich zu anderem Getreide besonders viel Silizium (Kieselsäure), Eisen und Vitamin B6. Im Gegensatz zu den meisten anderen Getreidearten ist Hirse glutenfrei und kann auch von Menschen mit Zöliakie gegessen werden. Da Hirse einen niedrigen glykämischen Index hat, ist sie auch bei Diabetes ein geeignetes Lebensmittel. 

UNO Jahr der Hirse 2023

Um die Bedeutung der Hirse im Kampf gegen Hunger und in einer sich durch den Klimawandel verändernden Landwirtschaft aufzuzeigen, hat die UN-Generalversammlung das Jahr 2023 zum «Internationalen Jahr der Hirse» ernannt. Die Hirse ist deutlich anspruchsloser als viele andere Getreidearten wie z.B. Weizen, die nährstoffreiche Böden brauchen und kommt auch mit kargen, trockenen Böden zurecht, Sie braucht keine künstliche Bewässerung und hat kaum Probleme mit Krankheiten und Schädlingen. All diese Vorteile der Hirse können Kleinbäuer:innen stärken, Hunger beseitigen und mithelfen, ein neues Nahrungsmittelsystem zu gestalten, das auf einer biologisch vielfältigen, an den Klimawandel angepassten Landwirtschaft basiert. 

Quellen