Sorghumhirse; Sorghum bicolor

Fläche global: 40,7 Millionen Hektar
Fläche auf dem Weltacker: 44,6 m² (2,2 %)
Herkunftsregion: Äthiopien
Hauptanbaugebiete: Sudan, Nigeria, Indien, Niger
Verwendung / Hauptnutzen: Viehfutter, Kraftstoff, Brei, Grütze, Fladen, Bier
Für 500 Millionen Menschen in dreißig Ländern in Afrika und Asien ist die Sorghumhirse ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Trotz diesem enorm wichtigen Beitrag zur Welternährung wird heutzutage der größte Anteil der Weltproduktion und fast die gesamte Sorghum-Ernte in westlichen Ländern als Viehfutter und Kraftstoff genutzt. Als gesundes, aber anspruchsloses Getreide, das auch auf kargen Böden und bei Trockenheit gut gedeiht, hat Hirse das Potenzial, im Kampf gegen den Hunger in Zeiten des Klimawandels eine zentrale Rolle zu spielen.
Was Sorghum besonders macht
Hirsen sind Getreidepflanzen und gehören wie Weizen, Hafer, Mais und Reis zur Familie der Süßgräser (Poacea). Innerhalb der Hirsen gibt es zehn bis zwölf Gattungen, die in die zwei Kategorien Sorghum- und Millethirsen eingeteilt werden können. Im Vergleich zu den Millethirsen haben Sorghumhirsen größere Körner und daher auch einen höheren Ertrag. Sorghumhirsen sind wärme- und lichtliebend und brauchen wenig Wasser. Sie sind einjährige Pflanzen und ähneln in ihrem Pflanzenaufbau dem Mais. Sorghumhirsen können bis zu fünf Meter hoch werden. Ihre Halme sind mit Mark gefüllt und haben Knoten, an denen sich Seitentriebe bilden können. Die zehn bis sechzig Zentimeter langen Rispen der Sorghumhirse sehen je nach Art sehr unterschiedlich aus. Sie tragen alle Ästchen mit je zwei Ährchen, an denen sich die Blüten bilden und später die Körner ausreifen. Die runden Körner der Sorghumhirse haben einen Durchmesser von vier bis fünf Millimetern und können weiß, gelblich oder rötlich sein. In vielen kultivierten Arten befinden sich Bitterstoffen in den Körnern, die die Hirse vor Vogelfraß schützen.
Sorghum weist eine sehr hohe genetische Vielfalt auf: Über 30 000 Sorten sind bekannt, wobei Sorghum Bicolor heutzutage die wirtschaftlich bedeutendste Art ist. Ursprünglich stammt das Getreide wohl aus dem nordöstlichen Afrika. Erste Nachweise für eine Domestizierung von Sorghum finden sich vor 5000 Jahren im Sudan. Das schnelle Wachstum der Hirse und die kleinen Körner, die sich einfach transportieren und aussäen ließen, machte die Hirse für Nomadenvölker sehr attraktiv, so dass sich die Hirse in alle Himmelsrichtungen verbreiten konnte und in vielen Ländern in Afrika und Asien zu einem wichtigen Grundnahrungsmittel wurde. Durch die wachsartige Beschichtung der Blätter und Stängel kann Sorghum Wasser speichern und auch längere Dürrezeiten oder große Hitze gut überstehen. Daher ist das Getreide auch für trockene Gegenden sehr geeignet. Der Anbau von Sorghum erstreckt sich vom Äquator (ca. 50° Breite) bis in Höhen von 2500 Metern.
Anbau im Wandel
Heutzutage wird die größte Menge an Sorghum in den USA angebaut und als Viehfutter und Biokraftstoff genutzt. Ganz anders in Indien, wo Sorghum hauptsächlich der menschlichen Nahrung dient und oft von Kleinbäuer:innen für den Eigengebrauch angebaut wird. Auch Nigeria, Mexiko, Brasilien, Äthiopien, Sudan und China sind wichtige Anbaugebiete von Sorghum. Unter den Getreidearten hat Hirse einen geringen Hektarertrag. Deshalb wird in traditionellen Hirse-Anbaugebieten heutzutage immer mehr ertragreicherer Mais kultiviert. Hirse hat allerdings den großen Vorteil, dass sie so robust ist und es selbst bei sehr schlechtem Wetter fast nie zu Totalausfällen bei der Ernte kommt.
Nährstoffreich und vielseitig
Im Gegensatz zu den meisten anderen Getreidearten ist Hirse glutenfrei und kann somit auch von Menschen mit der Glutenunverträglichkeit Zöliakie gegessen werden. Da Hirse einen niedrigen glykämischen Index hat, ist sie auch bei Diabetes ein geeignetes Lebensmittel. Sorghum ist eine gute Energiequelle, denn es besteht zu siebzig Prozent aus Stärke. Allerdings ist diese Stärke im rohen Korn nicht leicht verdaulich. Aus diesem Grund wird Sorghum gedämpft, gepufft, gekocht oder gemahlen und gebacken verspeist. So lässt sich das ballaststoffreiche Korn gut verdauen und sättigt lange. Neben pflanzlichen Eiweißen sind in Sorghum wichtige Mineralien wie Phosphor, Eisen Zink, Kalzium und je nach Sorte auch einige B-Vitamine enthalten. Das Getreide enthält aber auch bestimmte Gerbstoffe (Tannine), die in der Natur dazu bestimmt sind, Fraßfeinde und Schädlinge abzuhalten. Im menschlichen Körper wirken diese Gerbstoffe zum Teil krebshemmend, sie können jedoch auch die Aufnahme von Mineralstoffen und Vitaminen beeinträchtigen.
In Afrika, Zentralamerika und Südasien gehört Sorghum zu den Grundnahrungsmitteln und wird je nach Region unterschiedlich gegessen. Die einfachste und am weitesten verbreitete Zubereitung ist als Brei oder Porridge. Diese können dick oder dünn, fermentiert oder unfermentiert sein und nur aus Sorghum bestehen oder mit anderem Getreide gemischt sein. Je nach Region tragen sie unterschiedliche Namen. Auch Fladenbrote werden aus Sorghum gebacken und z.B. in Teilen Indiens als Beilage zu Gemüsecurrys gegessen. Sorghum kann auch wie Popcorn gepufft, als Grütze oder Couscous gekocht oder frittiert werden. Auch fermentierte Getränke lassen sich aus der Hirse herstellen. Z.B. Bier wie Dolo in Westafrika oder Merisa im Sudan oder nicht-alkoholische Getränke. In China wird aus Sorghum auch Essig hergestellt.
In vielen Kulturen dient Sorghum aber nicht nur der Ernährung: So sind die Stängel ein wichtiges Viehfutter, Baumaterial oder Brennstoff. Aus den Halmen der speziellen Faserhirse werden Naturfasern gewonnen und in China werden aus Sorghum traditionell Besen hergestellt.
Sorghum als Rohstoff der Zukunft
Wie bereits erwähnt, wird Sorghumhirse auch industriell genutzt, unter anderem für die Produktion von Zuckersirup (Melasse), Grünfutter und Silage und zur Herstellung von Bioethanol. Als nachwachsender Rohstoff zur Energiegewinnung ist vor allem die Sorte Zuckerhirse sehr wichtig und wird in den USA im großen Stil angebaut. Im Gegensatz zu Mais lässt sich aus der Zuckerhirse gleichzeitig Energie und Nahrung herstellen. Aus den zuckerhaltigen Stängeln wird Bioethanol hergestellt, während die Körner als Nahrungsmittel dienen können.
UNO Jahr der Hirse 2023
Um die Bedeutung der Hirse im Kampf gegen Hunger und in einer sich durch den Klimawandel verändernden Landwirtschaft aufzuzeigen, hat die UN-Generalversammlung das Jahr 2023 zum «Internationalen Jahr der Hirse» ernannt. Die Hirse ist deutlich anspruchsloser als viele andere Getreidearten wie z.B. Weizen, die nährstoffreiche Böden brauchen und kommt auch mit kargen, trockenen Böden zurecht, Sie braucht keine künstliche Bewässerung und hat kaum Probleme mit Krankheiten und Schädlingen. All diese Vorteile der Hirse können Kleinbäuer:innen stärken, Hunger beseitigen und mithelfen, ein neues Nahrungsmittelsystem zu gestalten, das auf einer biologisch vielfältigen, an den Klimawandel angepassten Landwirtschaft basiert.
Quellen
- Ali Khoddami, Valeria Messina, Komala Vadabalija Venkata, Asgar
Farahnaky, Christopher L. Blanchard & Thomas H. Roberts (2023) Sorghum in foods:
Functionality and potential in innovative products, Critical Reviews in Food Science and
Nutrition, 63:9, 1170-1186, DOI: 10.1080/10408398.2021.1960793 Link - Catarina Vila-Real, Ana Pimenta-Martins, Ndegwa Maina, Ana Gomes, Elisabete Pinto. Nutritional Value of African Indigenous Whole Grain Cereals Millet and Sorghum. Nutri Food Sci Int J. 2017; 4(1): 555628. DOI: 10.19080/NFSIJ.2017.04.555628
- Informationen zum Internationalen Jahr der Hirse 2023: Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V., FAO
- Utopia, Hirse: Wissenswertes über das gesunde und glutenfreie Getreide sowie Sorghum: Verwendung und Vorteile dieser Hirsesorte
- A. Vogel, Hirse
- SORGHUM AND MILLETS, Irén Léder, (2004) , SORGHUM AND MILLETS, in Cultivated Plants, Primarily as Food Sources, (Ed. György Fülekyl), in Encyclopedia of Life Support Systems (EOLSS), Developed under the Auspices of the UNESCO, Eolss Publishers, Oxford, UK, Link
- biologie-seite.de, Zuckerhirse: Süßes Versprechen für die Umwelt