Süßkartoffel; Ipomoea batatas

Fläche global: 7,5 Millionen Hektar
Fläche auf dem Weltacker: 9,4 m² (0,5%)
Herkunftsregion: Ostindien?
Hauptanbaugebiete: China, Nigeria, Tansania, Uganda
Verwendung / Hauptnutzen: Wurzel gekocht, gebacken, frittiert

Anders als der Name suggeriert, sind Süßkartoffeln nur entfernt mit Kartoffeln verwandt. Während Kartoffeln zu den Nachtschattengewächsen gehören, zählen Süßkartoffeln zu den Windengewächsen. Übrigens: Ihre Blätter sind nicht nur essbar, sondern schmecken vorzüglich. Sie werden in vielen Kulturen als Gemüse genutzt.

Die Süßkartoffel-Pflanze im Portrait

Die Süßkartoffel (Ipomoea batatas) gehört zur Familie der Windengewächse (Convolvulaceae). Sie ist eine mehrjährige Pflanze, die meist als einjährige Kultur angebaut wird. Ihre Triebe sind kriechend und können mehrere Meter lang werden. Die herzförmigen Blätter variieren in Form und Farbe je nach Sorte.

Die essbaren Knollen sind Speicherorgane, die sich unterirdisch entwickeln. Sie können je nach Sorte orange, violett, weiß oder gelb sein und bis zu 30 cm lang werden. Die Blüten ähneln denen von anderen Windengewächsen. Die Pflanze gedeiht am besten in warmen, tropischen oder subtropischen Klimazonen – ab 24 Grad Celsius findet sie ihre optimalen Wachstumsbedingungen. Sinkt die Temperatur unter 10 Grad Celsius, schränkt das das Wachstum stark ein und erwischt sogar Frost die Süßkartoffel, bringt sie das um. Sie mag wasserdurchlässige Böden, weshalb die Süßkartoffel oft auf Erdhügeln oder Erdwällen angepflanzt wird.

Das große Rätsel um die Süßkartoffel

Die Süßkartoffel hat eine faszinierende Geschichte, die über Kontinente und Kulturen hinweg führt. Lange Zeit war die Theorie, dass sie aus den tropischen Regionen Mittel- und Südamerikas stammt, wo sie bereits vor über 5.000 Jahren von indigenen Kulturen wie den Inka und den Maya angebaut wurde. Archäologische Funde in Peru und der Karibik belegen ihre Bedeutung als Grundnahrungsmittel in den präkolumbianischen Zivilisationen. Neben ihrer kulinarischen Rolle wurde sie hier auch für religiöse Zeremonien und als Handelsware geschätzt.

Es wurde angenommen, dass, noch bevor die Europäer die Amerikas besetzten, die Süßkartoffel durch polynesische Seefahrer nach Asien kam. Durch neue Forschungen wurde allerdings erst vor wenigen Jahren eine neue Theorie entwickelt: In Ostindien wurde ein 57 Millionen Jahre altes Fossil eines Windengewächses entdeckt, zu dem auch die Süßkartoffel gehört. Die Urvorfahren entstanden also vermutlich hier – wie sich die Süßkartoffel verbreitete und nach Südamerika gelangte, konnte bis heute nicht geklärt werden.

Einig sind sich die Forschenden aber, dass die Süßkartoffel im 15. Jahrhundert durch die europäischen Kolonialisten nach Europa kam, wo sie zunächst als exotische Delikatesse galt. Portugiesische Händler spielten eine zentrale Rolle in der weiteren Verbreitung der Pflanze. Sie führten die Süßkartoffel auch in ihre Kolonien in Afrika und Asien ein. Besonders in den Küstenregionen Afrikas fand die Pflanze schnell Verbreitung, da sie in tropischen Klimazonen hervorragend gedieh und eine robuste Ergänzung zu bestehenden Agrarsystemen darstellte.

Auch in China wurde die Süßkartoffel im 16. Jahrhundert eingeführt und gewann rasch an Bedeutung, insbesondere in Zeiten von Nahrungsmittelknappheit. Aufgrund ihrer Fähigkeit, auf marginalen Böden zu wachsen, wurde sie in ländlichen Gebieten zu einem Nahrungsmittel von unschätzbarem Wert. So ist China heute der weltweit größte Produzent von Süßkartoffeln.

Über den Namen „Süßkartoffel“

Der portugiesische Name batata-doce (wörtlich „Süßkartoffel“) beeinflusste die Bezeichnung der Pflanze in verschiedenen Teilen der Welt. Dies verdeutlicht den sprachlichen und kulturellen Fußabdruck, den die portugiesische Kolonialzeit hinterlassen hat. Selbst in Regionen, in denen andere Sprachen dominieren, sind Abwandlungen des portugiesischen Namens in den lokalen Bezeichnungen der Süßkartoffel erkennbar.

Lecker und gesund!

Die Süßkartoffel wird hauptsächlich als Gemüse verspeist. Die Wurzelfrucht wird gebacken, gekocht, frittiert oder püriert verzehrt. Sie findet Verwendung in Suppen, Desserts, Snacks und Hauptgerichten. Sie ist reich an Beta-Carotin (Vitamin A), Kalium und Ballaststoffen. 100 Gramm der Süßkartoffel decken bereits fast den gesamten Tagesbedarf an Vitamin A und Beta-Carotin. Besonders orange und violette Sorten sind auch für ihre antioxidativen Eigenschaften bekannt.

Auch die Blätter können verspeist werden. In Sambia ist zum Beispiel das Gericht Kalembula, mit Zwiebeln und Tomaten gebratene Süßkartoffelblätter, weit verbreitet. Einige Bäuerinnen und Bauern nutzen die Blätter auch als Futtermittel für ihre Tiere.

Quellen

International Potato Center. Link.
Spiegel Online: Doch nicht aus Amerika. Forscher knacken Süßkartoffel-Rätsel. Link.
Just Taste: Die Geschichte der Süßkartoffel. Link.
FAO: Berichte zur globalen Verbreitung und historischen Bedeutung der Süßkartoffel