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Mais

Mais. Foto: Pixabay

 
Die Maispflanze (Lateinisch: Zea mays, Englisch: maize/corn) gehört zur Familie der sogenannten Süßgräser (Poaceae) und zählt damit zu den Getreidearten. Sie stammt ursprünglich aus Mexiko und ist heute eine der wichtigsten Nutzpflanzen und nach Weizen die wichtigste Getreidesorte überhaupt. Jedes Jahr werden weltweit über eine Milliarde Tonnen Mais geerntet. Die Erträge finden Anwendung in der Lebens- sowie Futtermittel- als auch in der Biogas- und Kraftstoffindustrie.

Durch die zahlreichen Nutzungspotentiale des Maises – wahrscheinlich gibt es etwa 20.000 Produkte in denen Mais enthalten ist – gehen mit dem weltweiten Maisanbau und -handel zahlreiche ökologische und soziale Probleme von globalem Ausmaß einher. Denn ein Großteil des Maises wird heutzutage nicht mehr für Ernährungs- sondern für industrielle Zwecke verwendet. Nur noch etwa jedes sechste Maiskorn landet daher auch wirklich auf dem Teller. So kommt es zu Marktpreisschwankungen. Diese Schwankungen gefährden aber zunehmend die Ernährungsgrundlage vieler Menschen. Letztendlich entsteht dadurch – wie bei anderen Nutzpflanzen auch – ein Konflikt zwischen industrieller und ernährungstechnischer Nutzung.

Mais auf dem Weltacker. Foto: Fabienne Buchmann

Herkunft

Der Mais und Kolumbus

 
Die genetischen Ursprünge der Maispflanze stammen aus dem heutigen Mexiko. Grundlegend gilt es zwar als sicher, dass Mais von dem Wildgras Teosinte abstammt und bereits vor knapp 7000 Jahren zwischen Peru und Mexiko kultiviert wurde, allerdings ist die genaue Domestizierungsgeschichte nicht vollends bekannt. Aufgrund der langen Geschichte bildet Mais in einigen Teilen Mittel- und Südamerikas nicht nur nach wie vor die Ernährungsgrundlage, sondern ist zudem auch in einigen Ländern wie Mexiko sozio-kulturell fest verankert.

Nach Europa gelangte die Maissaat durch Christoph Kolumbus. Dieser hatte sie im karibischen Raum entdeckt und von seiner zweiten Erkundungsfahrt nach Spanien gebracht. Galt sie zunächst als Zierpflanze, wurde sie bald darauf im südlichen Europa auch schon als Nutzpflanze kultiviert. Zügig bereitete sich der Mais bis in den persischen Raum aus.

Zwar kam die Maispflanze auch schon zwischen dem 16. Und 17. Jahrhundert nach Deutschland, doch konnte sie sich durch ihre klimatischen Anforderungen bei uns nicht etablieren. Erst mit großflächigen Kartoffelernteausfällen zu Beginn der 19. Jahrhunderts begann man langsam mit der Züchtung von klimatisch beständigeren Maissorten. Diese sollten sich in Mittel- und Norddeutschland zwar verbreiten, aber noch immer nicht großflächig etablieren. Obwohl Mais auch als Lebensmittel in all seinen Variationen und sogar als Kaffeeersatz bekannt war, diente der Anbau in Deutschland bis Mitte des 20. Jahrhunderts vornehmlich der Grünfuttergewinnung.

So richtig durchsetzen konnte sich die Maispflanze im nördlichen Europa und Deutschland auch erst ab den 1970er Jahren durch die Markteinführung erster Hybridsorten, welche dem nördlichen Klima besser angepasst waren.

Anbau

Zur Maispflanze: Wie wächst sie eigentlich?

 Botanisch gehört die Maispflanze zur Familie der Süßgräser und wird daher auch als Getreide bezeichnet. Durch seine Getrenntgeschlechtlichkeit unterscheidet sich Mais aber von anderen Getreidearten. Je nach Art, kann die Maispflanze eine Wuchshöhe zwischen 1,5 m und 3 m erreichen.

Da Mais ursprünglich eine (sub-) tropische Pflanze ist, verträgt sie keinen Frost, benötigt aber viel Wärme und Licht. Daher wird Mais zumeist erst nach den Eisheiligen, frühestens aber im April gesät. Ab Mai beginnt dann das rasante Wachstum der Maispflanze. Je nach Sorte und den entsprechenden, optimalen Witterungsbedingungen können die Setzlinge teilweise bis zu 15 cm am Tag wachsen.

Da Mais aber verhältnismäßig spät ausgesät wird und einen geringen Durchwurzelungsgrad aufweist, sind die mit Mais bepflanzten Böden relativ stark erosionsgefährdet. Die Erosion wird zudem durch den großflächigen, monokulturellen Anbau und durch das künstliche Unterdrücken von Begleitpflanzen verstärkt.

Desmodium zwischen Maispflanzen. Mais wächst in der push and pull Methode auf dem Weltacker. Foto: Fabienne Buchmann

 Die Maisindustrie: In der ganzen Welt – Und bei uns 

International spielt der Maisanbau schon viel länger eine wichtige Rolle als bei uns. Vor allem in den Ländern Südamerikas und in den USA hatte sich Mais schnell als wichtige Nutzpflanze etabliert. Daher war Mais auch eine der ersten Pflanzen, die genetisch verändert auf den Markt kam. Ziel war es unter anderem, die Pflanzen vor Schädlingen wie den Maiswurzelbohrer zu schützen und dadurch Ernteausfälle zu vermeiden.

Anschließend stieg nicht nur die weltweite Anbaufläche des Maises an, sondern auch seine Erforschung. Die Folge war das Einführen zahlreicher neuer weiterer Hybrid- und gentechnisch veränderter Sorten. Während sich die Wildformen des Maises noch selbstständig fortpflanzen konnten, sind die modernen, domestizierten Arten dazu faktisch nicht mehr in der Lage. Folglich gilt die Etablierung des heutigen Kulturmaises als eine der größten Domestizierungsleistungen durch den Menschen.

Heute wächst in Deutschland Mais auf etwa 2,7 Millionen Hektar Ackerland. Dies entspricht ca. 7 Prozent der verfügbaren Ackerfläche. Allerdings werden etwa 2,15 Millionen Hektar für die Kultivierung von Silomais verbraucht, welcher keinesfalls der Ernährung dient (Stand 2012 nach Informationen des Deutschen Bauernverbandes). Auf nur etwas mehr als 500.000 Hektar wird sogenannter Körnermais angebaut, der auch als Futtermittel verwendet wird. Der Gemüsemais, auch als Zuckermais bekannt, wird in Deutschland hingegen nur auf etwa 1500 Hektar gewonnen.

Die modernen Maishybridsorten sind heute gnadenlos effektiv. Auf einem Hektar Ackerland kann so viel Futter wachsen, dass davon bis zu 60.000 Eier oder bis zu 15.000 Liter Milch produziert werden können. Wahlweise lassen sich von einem Hektar Hybridmais auch bis zu 30 Schweine mästen.

Die Folgen des industrialisierten Anbaus sind aber höchst problematisch und folglich umstritten. Zum einen verschwinden durch diese Züchtungen samenfeste Maissorten. Neue Sorten sind zumeist patentiert. Das heißt wiederum, dass Saatgut nicht mehr frei zugänglich ist, obwohl Landwirte weltweit davon abhängig sind. Somit bedeutet die Saatgutpatentierung eine weitere landwirtschaftliche Kommerzialisierung. Gleichzeitig sind Maishybridsorten so spezialisiert, dass sie Begleitpflanzen unterdrücken und Insekten fernhalten, was schlussendlich die Biodiversität verringert.

 

Bestäubung der Maispflanze auf dem Weltacker. Foto: Fabienne Buchmann

Mais in den USA: vorrangig Futtermittel

Der aktuell größte Maisproduzent der Welt, noch vor China und Brasilien, ist die USA. Hier wird Mais aber vornehmlich industriell angebaut und auch dementsprechend genutzt. In den letzten 20 Jahren hat sich die Anbaufläche in den USA etwa verdoppelt. Bis zu 300 Millionen Tonnen werden heute produziert. Davon sind 85 % gentechnisch verändert. Allerdings landet davon fast gar nichts auf dem Teller. Der amerikanische Mais wird eher in der Futtermittel- und in der Energieindustrie genutzt. Beispielsweise importiert Deutschland Bioethanol aus den USA und auch China importiert US-amerikanischen Mais als Futtermittel, um seinen steigenden Fleischkonsum zu decken. Dabei sollte man sich vor Augen führen, dass es allerdings etwa 3 Kilogramm Maisfutter bedarf, um circa 1 Kilogramm Schweinefleisch zu produzieren. Ein immenser Flächenverbrauch.

Da die globale Nachfrage nach Mais immer wieder das vorhandene Angebot überschreitet, kommt es daher zu starken Preisschwankungen. Denn mit Hilfe von Hochfrequenzhandel wird an der ältesten Börse der Welt, der Chicago Board of Trade, zunehmend mit Agrarrohstoffen wie Mais spekuliert. Die Folge ist, dass Mais als Grundnahrungsmittel immer wieder sehr teuer wird und der Druck auf die entsprechenden Anbauflächen steigt. So kam es beispielsweise 2008 zu weltweiten Masseprotesten in Afrika, Südamerika und Asien, da sich viele Menschen ihr Grundnahrungsmittel Mais nicht mehr leisten konnten.

Agrosprit und Biogas

Die Spekulationen werden vornehmlich durch die steigende Bedeutung des Maises für Energiestoffe angeheizt. Denn Mais wird verstärkt als Grundlage für Agrosprit, Bioethanol und Biogas verwendet. So wird in Deutschland seit einigen Jahren die Biogasgewinnung massiv subventioniert.

Durch den Biogasboom stieg beispielsweise in Deutschland die Maisanbaufläche in den letzten Jahren um über 800.000 Hektar an. Da der aus Biogas erzeugte Strom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2017) zu staatlich garantierten Festpreisen verkauft werden kann, stellten zahlreiche Landwirte ihren Betrieb auf Biogas um. Während sich die Biogaswirte sehr hoher Profite erfreuen, entstanden daraus aber zahlreiche Probleme: Denn zunächst ist die Biogas Produktion enorm energieaufwändig und die Wiesen, Weiden und Feuchtgebiete, die der Gewinnung neuer Ackerflächen zum Opfer fallen, werden irreparabel zerstört. Weiterhin treibt der Biogastrend die Bodenpreise stark in die Höhe, was andere Landwirte wiederum in Existenznot führt. Auch in Deutschland tobt so ein Kampf um die Ackerflächen. Vor allem Biobauern leiden unter diesem Trend. Gleichzeitig förderte der Biogasboom den Anbau von Monokulturen wie Mais. Nicht umsonst etablierte sich in Deutschland der Begriff der ‘Maiswüste’.

Mais als Verpackung

Mais kann aber auch – abseits der Lebensmittel-, Futtermittel- und Energieindustrie – in der Kunststoffindustrie eingesetzt werden. Aus Biokunststoffen entsteht Verpackungsmaterial, welches so nicht auf Basis von Erdöl produziert werden muss. Das gewonnene Maiskeimöl wird hingegen nicht nur zur Herstellung von Salatöl, sondern auch als Rohstoff in der Farbindustrie benutzt.

Autor: Thomas Beutler

Quellen

FAO

3sat: Der Mais-Wahn

Agrilexikon

Bauernverband

agrar-heute

planet-wissen

gemuese-info