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Millethirse

Rispe der Millethirse (Foto:Pixabay)

Millethirse gehört botanisch zur Ordnung der Gräser, Poales, zur Familie der Gramineae, zur Unterfamilie der Panicoideae. Die Kulturpflanze Hirse stammt ursprünglich von wilden Gräsern ab und zählt zu den Süßgräsern.

Millethirse, auch Panicum genannt, ist die am weitesten verbreitete Hirsegattung. Zur Millethirse zählen mehr als 500 Arten, die auf allen Kontinenten angebaut werden. Zur Korngewinnung  wird hauptsächlich Rispenhirse Panicum miliaceum L. kultiviert. Diese Hirsenart besitzt eine breite genetische Vielfalt und kann sich an verschiedene Ökosysteme und Klimazonen anpassen.

Art und Aussehen der Millethirse

Die Halme der Hirse können zwischen 80 und 120 cm lang werden und sind, ähnlich wie beim Mais, durch Knoten in einzelne Abschnitte geteilt. Die Blätter der Pflanze sind lang, schmal und lanzettförmig. Der Blütenstand der Hirse ist eine Rispe, daran befinden sich die Ährchen. Diese umschließen als Spelze zuerst die Blüten und später die fast kugelrunden Hirsesamen. Je nach Sorte kann die Spelze hellbraun, braunrot oder fast schwarz sein.

Ursprung und erste Kultivierung der Hirse

Hirse zählt zu den ältesten von Menschen kultivierten Getreidearten. In der Mandschurei im Nordosten Chinas wurde Hirse etwa 8000 v. Chr. als Nutzpflanze kultiviert und breitete sich von dort um 5000 v. Chr. in Asien und in Ostrussland aus. In der Jungsteinzeit gelangte die Hirse durch nomadische Völker zunächst nach Eurasien und in den Mittleren Osten und war in der späten Jungsteinzeit (etwa 3500 bis 2800 v. Chr.)  schließlich in Süd-, Ost- und Mitteleuropa als Nahrungsmittel verbreitet.

Als die landwirtschaftlichen Anbaumethoden beim Übergang von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit effizienter wurden, nahm in Europa der Anbau von Getreide, also auch der Hirse, zu. Bis etwa 600 n.Chr. war Hirse flächendeckend in Europa und Asien verbreitet und wurde gleichrangig mit anderen Getreidearten angebaut. In einigen Gebieten Asiens sicherte sie sogar als einziges Getreide die Nahrungsversorgung.

Hirseanbau in Deutschland

Hirse wurde im 15. und 16. Jahrhundert in weiten Teilen Deutschlands als eine der wichtigsten Getreidesorten und als Grundnahrungsmittel zur Selbstversorgung angebaut. Als Brei oder zu Fladenbrot verarbeitet war Hirse ein einfaches, sättigendes und dennoch schmackhaftes Lebensmittel für das einfache Volk. Der Anbau von Hirse war zwar aufwändig, dennoch aber verhältnismäßig ertragreich.

Ab dem 17. und 18 Jahrhundert machten in Europa neu eingeführte Feldfrüchte, wie Kartoffel und Mais, der Hirse als Grundnahrungsmittel Konkurrenz. Ab dem 18. Jh. richtete sich die bäuerliche Produktion statt auf Selbstversorgung zunehmend auf den Verkauf der Erzeugnisse aus. Der Anbauaufwand von Hirse überstieg den mit den Körnern erzielten Verkaufspreis, daher wurde Hirse als Feldfrucht bei den Bauern unbeliebter.

Gleichzeitig wurde von der Bevölkerung zunehmend Brot verzehrt. Hirse war zum Brotbacken schlechter geeignet als Weizen und Roggen und verlor daraufhin seine Bedeutung als Getreide.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Hirse sehr viel seltener angebaut. Bis auf wenige Ausnahmen war sie ab Anfang des 20. Jahrhunderts so gut wie gar nicht mehr auf Äckern in Deutschland oder anderen mittel- und südeuropäischen Ländern zu finden.

Aktuelle Anbausituation in Deutschland

Nachdem die Hirse in Deutschland als Nahrungsmittel in Vergessenheit geriet, wird sie langsam von kreativen Köchen und Foodbloggern wiederentdeckt. Jedoch gibt es hier für den Verbraucher vor allem importierte Ware aus den USA, Kanada, China, Ungarn, Österreich oder auch Russland zu kaufen.

Im Jahr 2000 wurde in einem Forschungsprogrojekt der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin an der Wiedereinführung von Hirse als Ackerkultur geforscht. Seit 2004 wird, in Folge dieses Forschungsprojekts, wieder Rispenhirse in der Region Niederlausitz im südlichen Brandenburg angebaut.

Wo und wieviel wird Hirse heute angebaut und genutzt

Millethirse spielt in der Selbstversorgung von Afrika, Indien und Teilen Chinas eine wichtige Rolle. Dort werden 90 % der weltweit geernteten Hirse verzehrt, nur ein kleiner Teil wird exportiert.

Absolute Spitzenreiter in der Produktion von Hirse waren laut Daten der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) im Jahr 2014 die Länder Indien, Niger und China. Allein in Indien wurde mehr als ein Drittel der weltweiten Hirseproduktion geerntet. Hirse wird in den meisten afrikanischen Ländern angebaut, allen voran Nigeria, Mali, Burkina Faso, Sudan und Äthiopien. Russland und die USA sind ebenfalls bedeutende Anbauländer. In Europa wird Hirse vor allem in Polen, Frankreich und Österreich angebaut, sowie in geringeren Mengen in Ost-, Süd- und Südosteuropa.

Gesundheitlicher Nutzen von Hirse

Geschälte Hirsekörner bestehen hauptsächlich aus Kohlenhydraten, zu etwa 10 % aus Eiweiß und etwa 4 % Fett. Der große Anteil ungesättigter Fettsäuren von über 80 % des gesamten Ölgehalts im Hirsekorn macht sie für die Ernährung wertvoll. Sie hat im Vergleich zu anderen Getreidesorten einen hohen Eisengehalt: etwa 9,0 mg auf 100 g. Wenn Hirse zusammen mit Vitamin C-haltigen Lebensmitteln verzehrt wird, kann das Eisen am besten aufgenommen werden.

Hirse ist glutenfrei und daher eine tolle Getreide-Alternative für Menschen mit Glutenallergie, Magen-Darm-Problemen oder Zöliakie. Zudem ist Hirse, im Gegensatz meisten anderen Getreidesorten, nicht säurebildend sondern basenbildend. Weil sich dadurch weniger Schleim im Körper bildet, ist Hirse eine geeignete Speise bei Erkältungen und Infekten.

Hirse macht schön

Hirse gilt außerdem als Schönmacher: sie enthält relativ Kieselsäure und Fluor, die für starke Zähne, Knochen und Nägel sorgen, sowie Haut und Haare glätten.

Hirsekörner (Foto: Pixabay)

Kochen mit Hirse

Hirsekörner schmecken leicht nussig und können süß oder salzig zubereitet werden. In Brühe oder Salzwasser gekocht, können die Körner wie Reis oder Risotto als Beilage gereicht werden.

Hirse kann Basis für vegetarische Bratlinge oder einen Hirseauflauf mit Gemüse sein. In Milch gekocht und mit Obst gemischt, wird aus den kleinen Körnern ein leckerer, süßer Frühstücksbrei.

Geschälte Hirsekörner werden auch zu Mehl oder Grieß gemahlen oder zu Flocken gewalzt. Da Hirsemehl kein Klebereiweiß, also Gluten enthält, können Brote aus reiner Hirse nicht aufgehen. Wenn Hirsemehl in Backmischungen mit anderen Getreiden verarbeitet wird, macht Hirse Brote knuspriger. Alternativ kann aus Hirsemehl Fladenbrot zubereitet werden.

Gute Nachricht für alle die auf Gluten verzichten müssen: in Verbindung mit Ei lassen sich aus Hirsemehl leckere glutenfreie Kuchen und Waffeln backen.

Hirse nicht roh verzehren!

Hirsekörner dürfen nicht roh gegessen werden! Sie enthalten eiweißschädigende Enzyme, die durch Garen unschädlich gemacht werden.

Autorin: Sibylle Krickel

Quellen:

hirsemuehle.de
fao.org
gesundheit.de
eatsmarter.de
essen-und-trinken.de
alnatura.de

 

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