Suche
Suche Menü
Zum Blog

Blick über den Ackerzaun: Gut „Paulinenwäldchen“

Nachhaltig und ganzheitlich. Zwei Ausdrücke, die bezeichnend sind für die Arbeit des Guts „Paulinenwäldchen“. Diesem durfte ich vor wenigen Tagen einen Besuch abstatten. Der Bauernhof ist nördlich der Soers am Rande der Stadt Aachen (NRW) gelegen und über die Stadtgrenze hinaus bekannt für seinen hofeigenen Bioladen. Hier verkaufen die Landwirt*innen selbst angebautes Obst und Gemüse, wie auch Fleischprodukte der hofeigenen Rinder, Schweine und Hühner.

Die Philosophie des Hofes sieht deutlich strengere Richtlinien für den Anbau der Lebensmittel, Haltung der Tiere oder Verwendung des Düngers vor, als es die EU-Biorichtlinien vorschreiben. Als Mitglied beim Anbauverband „Bioland“ stellt das Gut die Ertragsmenge hinten an. Viel wichtiger ist ihnen bestmögliche Qualität unter natürlichen Bedingungen.

Mit Maßnahmen wie dem Beziehen von Öko-Strom, dem Heizen mit Holzpellets oder dem Erzeugen eigenen Stroms mittels PV-Anlagen, wollen die Betreiber*innen zeigen, wie leicht klimafreundliche Landwirtschaft umzusetzen ist. Anstelle von Pestiziden, soll eine abwechslungsreiche Fruchtfolge Schädlingen entgegenwirken. Neben dieser super biologischen und tierschützenden Alternative fördert der Hof gleichzeitig die Artenvielfalt durch angelegte Blüh- und Ackerrandstreifen. Auch beim Düngen bleibt „Paulinenwäldchen“ seinen eigenen Prinzipien treu: Gemäß einer guten Kreislaufwirtschaft wird hier mit einer Mischung aus tierischen Exkrementen und anderem organischen Dünger gearbeitet. Selbstverständlich wird auch hier möglichst mit hofeigenen Produkten gearbeitet!

„Station 19“ auf meinem Hofrundgang: Folientunnel – Ort der Gemüseanpflanzung

Die Türen des Bio-Bauernhofs stehen offen für Besucherinnen und Besucher jeden Alters. Mithilfe nummerierter Stationen können sich diese selbstständig über den Hof führen und erhalten spannende Einblicke in einen „real-bewirtschafteten Bio-Hof“.

Pädagogik wird auf dem Gut „Paulinenwäldchen“ groß geschrieben. Mithilfe eines vielfältigen Jahresprogramms möchte das Bildungsteam Groß und Klein näherbringen, wie ökologische Landwirtschaft und Tierhaltung funktionieren. Der Bauernhof stellt besonders ein Paradies für die jungen Besucher*innen dar, die sich hier frei in der Natur austoben können. Allgemein lädt das Gut sehr dazu ein, dem Städtetrubel zu entfliehen. Trotz guter Anbindung an den Straßenverkehr herrscht eine unvergleichliche Ruhe, die förmlich zum Entspannen einlädt.

Das Projek „Ein Huhn für dich“: Auf dem Gut kannst du jederzeit sehen, wie es deinem persönlichen Huhn geht. Hier haben die Hühner viel Platz zum Leben!

Ein Projekt, das ich persönlich in mein Herz geschlossen habe, ist Ein Huhn für dich“! Für einen kleinen monatlichen Beitrag kann die Patenschaft für ein Huhn übernommen werden. Dafür erhält man die gesamten Eier, die dieses bestimmte Huhn im Jahr legt und – für alle Nicht-Vegetarier/Veganer – am Ende auch noch ein Suppenhuhn obendrauf.

Der Vorteil: Man kann sich jederzeit von der artgerechten Haltung und des guten Befindens „seines“ Huhns überzeugen, ohne selbst Tiere halten zu müssen.

Grund dafür, dass es mir besonders dieses Projekt angetan hat: Der Bio-Hof hält sogenannte Zweinutzungsrassen („Coffee“ und „Cream“). Durch die Wahl dieser Rassen wird das Selektieren und Töten der männlichen Küken umgangen. Ein Prozess, welcher in der konventionellen Landwirtschaft zum Alltag gehört, wird hier durch die optimale Nutzung beider Geschlechter zunichte gemacht. Im Unterschied zu den konventionellen Legehybriden sind die Hähne der Zweinutzungsrassen nämlich masttauglich (Schlachtgewicht 1,4-1,6 kg). Zwar legen die Hennen weniger Eier (ca. 230 Eier/Jahr) als diejenigen im konventionellen Betrieb (ca. 330 Eier/Jahr), doch es muss sich wohl jeder die Gewissensfrage stellen: Tierquälerei oder Kompromiss?

„FÖJlerin on Tour“. Ich und meine neuen Freunde: die glücklichen Rinder!