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Gerd Carlsson
Zum Berlin

Dauerhafte Bodenfruchtbarkeit – ohne Dünger?!

Erfolgreicher Anbau ohne Dünger ist möglich! (Foto: Pixabay)

Im April ist eine kleine Gruppe zusammengekommen, um sich auf dem ersten Workshop zur Bodenfruchtbarkeit in diesem Jahr mit jahreszeitlich aktuellen Themen, wie zum Beispiel der Bodenbearbeitung, zu beschäftigen. Darüber habe ich im letzten Artikel schon geschrieben. Diesmal haben auch wir auch das Thema Die Grundlagen der Bodenfruchtbarkeit behandelt.

Was wissen wir über fruchtbaren Boden?

Wir wissen sehr wenig über die Prozesse, die in unseren Böden ablaufen. Nur ein Bruchteil davon ist bisher erforscht. Dennoch gibt es ein großes Erfahrungswissen darüber, wie wir den Acker dauerhaft fruchtbar halten können. Die Entwicklung der modernen Biolandwirtschaft seit Beginn des letzten Jahrhunderts hat dafür wesentliche Impulse gesetzt. Wenn ich hier von Bodenfruchtbarkeit spreche, meine ich damit die natürliche Fruchtbarkeit, also die Fähigkeit des Ackers ohne Kunstdünger und den damit verbundenen Energieaufwand eine Ernte hervorzubringen.

Grundsätzlich entsteht fruchtbarer Boden immer und ausschließlich durch das Wachstum der grünen Pflanzen in Verbindung mit verwittertem Gestein und den zahlreichen Lebewesen unter der Erde. Dabei gibt es immer auf – und abbauende Prozesse die parallel verlaufen. Ist der Aufbau organischer Bodensubstanz größer als der Abbau, reichert sich diese Substanz als Träger dauerhafter Fruchtbarkeit im Boden an. Durch die Entnahme der Ernte und die Bearbeitung des Bodens sind die Abbauprozesse im Ackerbau höher als beispielsweise im Wald oder unter einer Wiese.
Ein Teil der organischen Stoffe verbleibt nach der Ernte auf dem Acker in Form von Wurzeln und Ernterückständen – die fehlende Menge müssen wir ausgleichen. Das ist möglich durch den Anbau von mehrjährigen Klee-/Grasgemischen und von Zwischenfrüchten (= Gründüngungspflanzen, die nach der Hauptkultur angebaut werden). Insbesondere die Klee-/Grasgemische bilden sehr viel organische Substanz -wesentlich mehr als der jährliche Abbau. Dadurch ist es möglich auch im Ackerbau mehr organische Stoffe auf- als abzubauen. Die Zwischenfrüchte dienen auch dazu Nährstoffverluste durch Auswaschung im Winter zu verringern. Bis zu 75% der Stoffe die Pflanzen aufbauen, geben sie als Nahrung an die Bodenlebewesen ab. Dieses Zusammenspiel zwischen Pflanze und Bodenleben ist sehr wesentlich für die Fruchtbarkeit des Ackers.

Ein fruchtbarer Boden ist ein lebendiger Boden

Regenwurm
Viele Regenwürmer sind ein Beweis dafür, dass man bei der Bodenpflege alles richtig gemacht hat. (Foto: Pixabay)

Der Sinn der Düngung besteht darin den Boden zu beleben. Neben der „Methode Immergrün“, das heißt, dass der Boden möglichst ganzjährig mit einer wachsenden grünen Pflanzendecke bedeckt ist, spielt auch der Kompost eine wichtige Rolle. Die Kompostierung dient der Rückführung aller oberirdisch gewachsenen organischen Substanz auf den Acker. Sehr wesentlich dabei ist die Qualität des organischen Düngers. Im Kompost sollten niemals anearobe Prozesse (Prozesse ohne Sauerstoffzufuhr) oder eine Erwärmung über 40 Grad Celsius stattfinden. Diese beiden Grundsätze habe ich jahrzehntelang angewandt und der Erfolg spiegelt sich für mich in der Boden- und Pflanzengesundheit wieder. Für mich findet sie ihren Ausdruck vor allem in den geringfügigen Problemen mit Schnecken! Lange habe ich darüber gegrübelt, was andere wohl anders machen als ich. Kunden haben mir immer wieder berichtet, dass sie nichts mehr anbauen wollen in ihren Gärten, weil die Schnecken alles abfressen. Neben dem Verzicht auf Torf und einer relativ geringen Stickstoffdüngung (auch mit organischem Dünger kann man überdüngen), ist die Kompostqualität vermutlich ein wesentlicher Punkt. Milchsaure Vergärung von Kompostmaterial (sogenanntes Küchenbokashi) und Heißrotte sehe ich kritisch, habe aber keine Erfahrung damit. Ich kenne auch niemanden der so etwas lang genug praktiziert hat, um eine gesicherte Aussage darüber zu treffen.

Fruchtwechsel und Mischkulturen

Fruchtwechsel und Mischkulturen sind ein weiterer wichtiger Aspekt für die Dauerfruchtbarkeit und Gesundheit des Ackers. Jede Pflanzenart hat ihre ganz ureigene Art und Weise sich zu bewurzeln, den Boden in Anspruch zu nehmen, Stoffe aufzunehmen und im Boden zu hinterlassen, Nachbarpflanzen zu fördern oder zu hemmen. In der Verfeinerung der Fruchtfolgen und in der Verbesserung und Minimierung der Bodenbearbeitung, sehe ich das größte Potential für die Weiterentwicklung der Biolandwirtschaft. Die Einrichtung einer festen Fruchtfolge und die Anwendung von bewährten Mischkulturen lohnt sich auch auf kleineren Flächen. Auch dafür gibt es ein umfangreiches Erfahrungswissen. Dazu ein andermal mehr. Grundsätzlich gilt: je vielfältiger die Fruchtfolge und je größer die Abstände von Kulturen, die zur gleichen Pflanzenfamilie gehören, desto besser für die Bodenfruchtbarkeit und die Gesundheit des Bodens und der Pflanzen.

Roter Klee auf unserem Weltacker im Botanischen Volkspark Blankenfelde-Pankow

Neben der Rückführung organischer Trockensubstanz auf den Acker, durch Kompostwirtschaft und Anbau mehrjähriger Klee-/Grasgemische, ist auch der Stickstoffhaushalt des Bodens eine wichtige Größe. Natürlicherweise wird der Luftstickstoff durch Bodenorganismen in eine pflanzenverfügbare Form umgewandelt. Einige davon leben frei im Boden, andere bilden eine Symbiose mit den Wurzeln der Leguminosen. Zu dieser Pflanzenfamilie gehören alle Kleearten und Luzerne, aber auch Bäume wie die Robinien und viele wichtige Nahrungs– und Futterpflanzen. Erbsen, Soja, Bohnen, Linsen, Lupinen, Kichererbsen, Wicken sind nur einige der bekannten Arten, die ich hier nennen möchte. Der Kleeanteil in den Klee-/Grasgemischen sollte 80% betragen, um eine ausreichende Versorgung der Folgekulturen mit Stickstoff und einen Aufbau von Humus zu sichern. Aber Vorsicht, auch hier gilt: viel hilft nicht viel, der Fruchtfolgeabstand im Kleeanbau sollte mindestens vier Jahre betragen.

Hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Elemente einer Dauerfruchtbarkeit des Ackers:

– Möglichst geschlossener Kohlenstoffkreislauf durch Rückführung der gesamten organischen Substanz auf den Acker

– Anbau von Zwischenfrüchten und mehrjähriger Klee-/Grasgemische zur Anreicherung organischer Substanz, Verringerung von Nährstoffverlusten und für die Stickstoffversorgung des Bodens und der Pflanzen

Beleben des Bodens mit der Strategie immergrün und mit lebendigem Kompost (die immer noch weit verbreitete Winterbrache hat hohe Nährstoffverluste durch Auswaschung zur Folge!)

Minimierung der Bodenbearbeitung auf ein unvermeidbares Maß

– Eine geregelte Fruchtfolge verhindert die Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten und eine einseitige Beanspruchung des Bodens, geeignete Mischkulturen von Pflanzen, die sich gegenseitig unterstützen und ergänzen, können in die Fruchtfolge integriert werden

– Der Anteil an Kulturen die dem Bodenaufbau dienen (Klee/Grasgemische, einjährige Gründüngungsmischungen) soll, je nach Möglichkeit ein Drittel in der Fruchtfolge einnehmen, denn diese sind die wichtigsten Kulturen auf dem Acker! In der klassischen Dreifelderwirtschaft ist ein Fruchtfolgeglied die Brache. Diese wird in der modernen Biolandwirtschaft mit bodenaufbauenden Kulturen begrünt

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