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Grüne Schätze Berlins

Das Berliner Stadtbild ist geprägt von vielen Parks und auch vielen Gärten. Ob in Kleingartenkolonien, Gemeinschaftsgärten oder privaten Gärten – überall sprießt es in diesen Tagen. Doch was leisten diese Gärten und Parks eigentlich für die Städte, das Klima, die Menschen? Das Projekt „GartenLeistungen“ unter Federführung des Instituts für ökologische Wirtschaftsförderung (IÖW) hat versucht, genau diese Frage zu beantworten und einen monetären Wert für unterschiedlichste Leistungen zu finden. Das Ergebnis: Die Parks und Gärten sind Millionen wert!

Der Weltacker im Botanischen Volkspark Pankow: Wertvoller Ort für Klima, Erholung und Bildung
Bild: Volker Gehrmann

Was leisten Gärten und Parks alles?

Wie wertvoll Parks und Gärten sind, werden wir alle feststellen, wenn wir uns nur einmal eine Stadt ganz ohne Grünflächen vorstellen! Uns würden Orte der Erholung und Ruhe fehlen, Orte an denen sich Menschen zum Sport oder zum Picknick treffen, ja, Orte, an denen wir eine Pause von der Stadt(luft) bekommen und neue Kraft für unseren Alltag schöpfen können. Und natürlich bedeutete das auch eine Stadt ohne Weltacker – kaum vorstellbar!

Neben den kulturellen, sozialen und gesundheitlichen Leistungen sind die Wirkungen des Stadtgrüns auf das Klima beachtenswert! Die Pflanzen in den Gärten und Parks binden bei der Photosynthese nämlich Kohlenstoff und tragen so zur Reduktion von Treibhausgasen bei. Außerdem haben die Grünflächen eine bemerkenswerte Kühlwirkung. Besonders nachts sind die Lufttemperaturen in Städten höher als in ländlichen Regionen und grüne Flächen in der Stadt helfen, auch die urbane Temperatur zu senken. Wie stark dieser Effekt ist, hängt sehr von den lokalen Bedingungen ab; das Projekt „GartenLeistungen“ konnte für die untersuchten Flächen einen Kühleffekt von bis zu 5 Grad Celsius feststellen.

Es wird deutlich: Die Leistungen unserer Grünflächen in Berlin sind sehr vielfältig und es ist teilweise sehr schwierig, einen finanziellen Wert dafür zu bestimmen. Der qualitative Wert scheint offensichtlich, aber gegen die nackten Zahlen, die Wohnraum liefert, stehen Parks oft schlecht da. Es wird immer mehr Grün aufgegeben, um mehr Wohnraum zu schaffen, da der Wert von Grünflächen von vielen verkannt wird. Doch wie haben das IÖW und seine Projektpartner nun einen Wert bestimmt?

Der Wert der Leistungen

Eine Leistung, die bislang noch nicht zur Sprache kam, ist der Anbau von Lebensmitteln. In unseren Gärten wachsen hochwertige, oftmals biologische, Nahrungsmittel. Die Zahlenfüchse von „GartenLeistungen“ haben errechnet, dass in Berlin 7600 Tonnen Gemüse, Kartoffeln und Kräuter produziert werden. Das entspricht auf dem Markt einem Wert von 10 Millionen Euro un deckt etwa den Bedarf von 50.000 Personen.

Gemüseernte Berliner Gärten. Grafik des Projekts GartenLeistungen*

Dazu kommen die umfangreichen kulturellen, sozialen und Klimaleistungen. Letztere lassen sich mit CO2-Äquivalenten berechnen, für die kulturellen und sozialen Leistungen gibt es viel erforschte und genutzte Methoden der Wirtschaftswissenschaften. Für den Park am Gleisdreieck z.B. wurde eine jährliche Reduktion von Treibhausgasen im Wert von 26.000€ errechnet und die Filterung von Schadstoffen mit 20.000€. Besonders großer Wert wird aber dem gesellschaftlichen Nutzen zugeschrieben: über 4,2 Millionen Euro jährlich!

Abhängig von Parkgröße und -funktion lassen sich die unterschiedlichen Werte der verschiedenen Parks und Gärten kalkulieren. Der Botanische Volkspark Pankow hat z.B. sicherlich einen sehr hohen Wert – nicht zuletzt wegen der vielen Bildungsprojekte im Park.

„Leistungen“, „Wert“ und jetzt?

Parks und Gärten sind Millionen wert und sollten deshalb erhalten und ausgebaut werden – das ist das Fazit des Projekts „GartenLeistungen“. Doch brauchen wir wirklich solche Rechnungen, um das zu verstehen?

Viele emotionale und gesellschaftliche Werte sind eigentlich gar nicht in Zahlen festzuhalten. Unsere grünen Oasen mit Begriffen wie „Leistung“ zu bezeichnen wirkt absurd – sind es doch genau die Orte, an denen wir nicht leisten, sondern entspannen wollen. Und es wäre wünschenswert, wenn der Nutzen von Stadtgrün selbstverständlich wäre und es gar nicht erst nötig wäre, solchen Orten marktideologisch zu begegnen. Doch leider scheint es notwendig in heutigen Zeiten! Mit Zahlen lässt sich in der Politik besser für den Erhalt und die Pflege von Parks kämpfen.

Das Projekt „GartenLeistungen“ liefert also gute Argumente für alle die, die sich für die grünen Schätze stark machen. Hoffen wir, dass das Signal in der Politik ankommt und Berlin noch grüner und bunter erblüht. Wir sind gespannt, was die zweite (mögliche) Phase des Projekts noch bringt.

Links:

Zum Projekt „GartenLeistungen“: https://www.gartenleistungen.de/

* Bildquelle: Factsheets und Grafiken unter: https://www.gartenleistungen.de/publikationen/infografiken-und-factsheets/